Paris, 1720: Um den Fortbestand der französischen Kolonie La Louisiane in Nordamerika zu sichern, werden Bewohnerinnen der psychiatrischen Anstalt Salpêtrière zwangsrekrutiert und in die Kolonie verschifft. Unter den Reisenden befinden sich die zwölfjährige Charlotte, eine Waise, die in der Salpêtrière aufgewachsen ist, Pétronille, eine Adelige, die sich mehr für Pflanzen, als für Menschen interessiert und Geneviève, eine Engelmacherin, die Frauen liebt. Sie überstehen die risiko- und entbehrungsreiche Schifffahrt mit Müh und Not und müssen sich in der Kolonie einem Leben anpassen, das sie in den Dienst ihrer Ehemänner stellt und von Angst und Gewalt geprägt ist. Einzig die Freundschaft, die zwischen den Frauen entsteht, ist ein Lichtblick für Charlotte, Pétronille und Geneviève, etwas, woran sie sich über die Jahre festhalten können.
"La Louisiane" von Julia Malye, übersetzt von Sina de Malafosse, ist ein historischer Roman über die französische Kolonie La Louisiane in Nordamerika, erzählt aus der Perspektive von drei Frauen, die gezwungen wurden, aus Frankreich in die Kolonie zu reisen, um dort zu heiraten und die Nachkommen zu sichern. Ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Träume fanden keinerlei Berücksichtigung, nach einer monatelangen Schifffahrt mit der "Baleine", in der die Frauen nur nach Erlaubnis der sie begleitenden Nonnen an Deck durften, wurden sie direkt nach Ankunft in der Kolonie verheiratet und mussten in verschiedene Siedlungen mit ihren Männern ziehen. Sie waren ihrem Schicksal komplett ausgeliefert, und das unfreiwillig: Die Leiterin der psychiatrischen Anstalt Salpêtrière entschied, wer in die Kolonie verschifft wurde.
In "La Louisiane" stecken zehn Jahre Recherche der Autorin, die man dem Buch anmerkt. Es steckt voll historischer Hintergründe und eröffnete mir einen anderen, weiblichen Blickwinkel auf die französische Kolonie in Nordamerika. Die Autorin geht dabei auch auf die Unterdrückung der dort lebenden indigenen Bevölkerung durch die Kolonialisten und die Sklaverei ein. Ihr Fokus liegt aber auf Charlotte, Pétronille und Geneviève, drei sehr unterschiedliche Frauen, deren Annäherung und Freundschaft zunächst der Tatsache geschuldet ist, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes in einem Boot sitzen, ihnen in der Kolonie dann aber Halt gibt, selbst über viele Kilometer räumlicher Trennung hinweg. "La Louisiane" ist ein Roman über Unterdrückung und Anpassung in schwierigen Zeiten, aber auch über Freundschaft, Liebe und Mut. Ich habe das Buch gerne gelesen, obwohl es sehr umfangreich ist und von schweren Schicksalen erzählt. Das Lesen lohnt sich!