Minden 1951: Hanne wächst in bescheidenen Verhältnissen heran. Ihre Mutter Minna sorgt dafür, dass alles in geregelten Bahnen verläuft, sogar ein bisschen Glück scheint endlich wieder möglich. Als Hanne dem smarten, viel älteren Paul Wagner begegnet und sich zum ersten Mal verliebt, nimmt ihr Leben eine Wendung, die für immer alles verändert.
Ein intensives Frauen /Trivial Leseerlebnis....auch der zweite Band der autobiographischen Reihe konnte mich restlos abholen....!
Die Geschichte um Minna, Karl, Hanne und die anderen, großartig ausgearbeiteten Charaktere aus Minden geht weiter..... Mitte der 50er Jahre sind die Auswirkungen des Krieges noch überall spürbar....und Hanne wächst zum Teenager heran. Dich dann erkrankt Minna schwer....
Teil 2 der Mütter Trilogie von Felicitas Fuchs als Carla Berling
Dieses Mal steht Minnas Tochter Hanne im Mittelpunkt der Ereignisse von Mitte der 1950er Jahre bis in die 1970er Jahre. Hanne, aufgewachsen im 2.Weltkrieg mit viel Tod und Verlust um sich herum, hat es mit ihrer Krankheit nicht leicht, Freunde zu finden. Ihre Mutter Minna kann ihr auch nicht die erhoffte Wärme bieten und Hanne ist oft sich selber überlassen. Als Hanne einen Fehler macht, hat dies Auswirkungen auf ihr ganzes Leben. Das Buch ist ein tolles Gesellschaftsportrait der 50er-70er Jahre in Deutschland. Es lässt sich super lesen und ist wirklich interessant. Ich habe mich auch gefreut, viele Personen, die ich ins Herz geschlossen habe in Band 1 in Band 2 wieder zu treffen. Aber ich habe hier große Probleme mit Minna und ihrem Umgang mit Hanne. Ich empfand Minna so stark und emanzipiert in Band 1, als Mutter macht sie meiner Meinung nach aber einige eklatante Fehler, so dass ich wirklich viel Mitleid mit Hanne hatte und mich oft aufregen musste beim Lesen. Aber es sind alles Personen ihrer Zeit und so kann man sie für ihren Erziehungsstil wohl nicht verurteilen. Trotzdem hat dies meinen Lesespaß etwas getrübt. Ich freue mich aber dennoch auf den Abschlussband der Trilogie über Romy.
„Hanne, die Leute gucken schon“ ist Band 2 von Felicitas Fuchs Mütter-Reihe und umfasst die Jahre 1951 bis 1978. Es geht in diesem Teil nicht exklusiv um Hanne, wie der Titel vermuten lässt, sondern auch ihre Mutter Minna, die wir bereits aus dem ersten Buch kennen, spielt noch immer eine große Rolle. Die Handlung wird zu gleichen Teilen aus der Sicht von Minna und Hanne erzählt und in einigen kürzeren Kapiteln wechselt die Perspektive zu anderen wiederkehrenden Charakteren. Es war schön, Minna, Karl und Fanny weiter zu begleiten und zu sehen, wie sich das Leben über die Jahrzehnte entwickelt. Das Buch hat mich an manchen Stellen auch melancholisch gestimmt, da es der Leser auch daran erinnert, dass man nicht ewig jung bleibt und die Zeit unaufhörlich verrinnt. Felicitas Fuchs schildert auch diesmal wieder sehr anschaulich die Rolle der Frau, die sich damals noch den Wünschen des Ehemanns unterordnen musste. Ich empfand die Geschichte und was den Protagonisten passiert als sehr echt und realistisch. Die 600 Seiten sind nur so verflogen, weil ich den Roman kaum aus der Hand legen konnte. Hanne ist allerdings eine schwierige Frau, die es einem nahezu unmöglich macht, sie zu mögen. Sie ist sehr genügsam und stoisch und lässt nur selten eine Gefühlsregung zu und wenn, dann ist es meistens Wut und Kälte. Während andere Teenager sich für Musik und Mode interessieren, hat sie dafür nur Verachtung übrig. Schon in jungen Jahren wünscht sich Hanne nichts mehr, als einen Ehemann und ein Leben als Hausfrau. Es dauert lange, bis sie erkennt, dass sie in einer lieblosen Ehe gefangen ist und trotz ihrer drei Kinder sehr alleine ist. Hannes sonderbares Verhalten erklärt die Autorin gut und nachvollziehbar damit, dass sie durch die harte Kriegs- und Nachkriegszeit schon früh gelernt hat, Situationen zu akzeptieren und wenig zu erwarten. Es machte ein wenig traurig, dass Hanne so wenig Anspruch an ihr Leben hat und nicht versucht, glücklich zu sein. Trotzdem konnte man nicht wirklich Mitleid mit ihr haben, zum einen, weil sie sich dieses Lebenskonzept selbst ausgesucht hat und zum anderen, weil ihr Umgang mit ihren Kindern dermaßen schockierend ist, dass sie mir immer unsympathischer wurde. Sie erzieht ihre Kinder mit sehr strenger Hand. Schläge und verbale Misshandlungen sind an der Tagesordnung obwohl sie selbst so liebevoll aufgewachsen ist. Ich denke, dieser Erziehungsstil war auch typisch für die damalige Zeit, denn ich kenne ähnliche Geschichten aus den Erzählungen meiner Mutter. Trotzdem war es oft schwer zu lesen, wie Hanne insbesondere mit Romy umgeht. Ich bin nun sehr auf den abschließenden dritten Band gespannt. Dieser dreht sich um Romy und es wird sehr interessant zu sehen, wie sie nach dieser negativen Kindheit ihren Weg im Leben findet.
Frauenschicksale in der Nachkriegszeit – was für eine phänomenale Fortsetzung!
Hanne lebt allein mit ihrer Mutter in einer kleinen Wohnung in Minden. Ihre Eltern sind geschieden. Trotz mancher Entbehrungen läuft alles gut, Hanne und Minna kommen zurecht. Hanne ist jedoch ein wenig zu behütet, ziemlich naiv und als Backfisch leider auch schnell zu verführen. Ein kurzes, für Hanne eher ernüchterndes Liebespiel mit einem viel älteren Mann offenbart 9 Monate später seine schwerwiegenden Folgen in Form von Töchterchen Romy. Hanne, die aufgrund ihrer schweren Lungenerkrankung immer mal wieder über Monate ins Sanatorium muss, überlässt Romys Erziehung in den ersten 2 Jahren hauptsächlich ihrer Mutter, Romys Oma Minna. Wer der Vater ist, verschweigt sie. Als sie Otto kennenlernt, sieht sie die Chance, doch noch eine ehrbare Familie zu werden und so heiraten sie. Es folgen zwei weitere Kinder und ein Leben als Hausfrau und Mutter, die von der Gnade ihres Ehemannes abhängig ist. Hanne hadert mit ihrem Leben mehr als einmal. Sehr zum Leidwesen ihrer Mutter Minna, die sich für Hanne und Enkelin Romy nur das Beste wünscht.
Nachdem ich in Teil 1 der Müttertrilogie Minna durch die Jahre 1924 – 1951 begleitet habe, erlebe ich nun also mit Hanne die Jahre 1951 bis 1978. Minnas Geschichte hat mich schon schwer begeistert und genauso geht es mir auch mit diesem Buch hier. Unfassbar gut! Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Der Schreibstil ist so leichtgängig und intensiv, Kopfkino pur. Die Zeit, in der die Story spielt, das Setting und alles ist unglaublich interessant! Ich habe mich sehr gefreut, alte Bekannte aus „Minna“ wieder zu treffen, die mir da schon sehr ans Herz gewachsen waren (Minna, Karl, Fannie) oder die ich am liebsten auf den Mond geschossen hätte (Wilhelmine). Minna und Hanne und zum Schluss dann auch Ruby zu begleiten war ein echtes Leseerlebnis. Oftmals schmerzhaft und traurig und Hanne hätte ich gern mehr als einmal geschüttelt. Bei Ihr schwankte ich immer zwischen Mitleid, Verachtung und Wut. Durch die vielen authentischen Einblicke in die damalige Zeit, das Leben und den Alltag, die Entwicklung, das sog. Wirtschaftswunder , die toll in die Story eingebaut sind, wird das Gelesene greif- und erlebbar. Mitzuerleben, wie sie es geschafft haben, in der Nachkriegszeit aus fast nichts dennoch ein lebenswertes Leben zu gestalten, das Essen zu strecken und zu haushalten, wo es nur geht und sich in einer noch immer von Männern dominierten Welt zu behaupten hat mich schwer beeindruckt. Und wenn man dann noch im Hinterkopf hat, dass es sich um einen autobiografischen Roman handelt, es hier um die Familie der Autorin geht, fühlt es sich nochmal intensiver an und ist noch berührender. Ganz großes Kino und ich kann es kaum erwarten, bis der Abschluss der Trilogie im Juli 2023 erscheint.
Volle Leseempfehlung für alle, die starke Frauen bewundern, gerne in der Nachkriegszeit angesiedelte Bücher lesen und sich von einem wunderbaren Schreibstil und einer überaus fesselnden Story in den Bann ziehen wollen. 5/5 Sterne. Ich bin begeistert!
Im Jahr 1951 ist der 2. Weltkrieg vorbei und es geht langsam wieder aufwärts. Vergessen sind die Not und die Gräueltaten der Nazis deswegen noch lange nicht. Wir begleiten in diesem Roman hauptsächlich Hanne, Tochter von Minna, auf ihrem Weg von der Kindheit zum Erwachsenwerden. Eine Kindheit mit alleinerziehender Mutter, schwerer Krankheit, die mehrere Aufenthalte in Heilanstalten notwendig macht und vielen weiteren Entbehrungen lassen Hanne zu einer ernsten jungen Frau werden, die allen Krisen zum Trotz den Kopf hochhält ohne sich zu beklagen. Als sie sich das erste Mal verliebt, geschieht das, wovor ihre Mutter sie immer gewarnt hat und die Familie und Vertrauten, vor allem die Frauen, sind gefragt…
In dem 2. Band aus der Trilogie legt Felicitas Fuchs stark nach. Bereits vom ersten Buch, in dem es in erster Linie um Minna geht, war ich tief beeindruckt. Diesen Romans habe ich trotz der Länge von über 600 Seiten in drei Tagen durchgelesen, in jeder freien Minute und bis spät abends war ich in einer eigenen Welt voller Emotionen und Spannung, wie es weitergeht. Der Schreibstil ist sehr angenehm, es lässt sich flüssig lesen und aus wechselnden Perspektiven mehrerer beteiligter Personen, deren Gedanken- und Gefühlswelt durchweg authentisch dargestellt wird, wird das Geschehen geschildert. Dieses geschieht mit derart viel Feingefühl, Respekt und tiefer, aufwendiger Recherche im Hintergrund, dass es mich bis ins Innerste berührt hat. Manche Träne habe ich vergossen bei dem Leid, das in den damaligen Zeiten geschehen ist.
Bis in die Träume haben mich Gedanken um das Grauen um den Krieg und die Nachkriegsjahre verfolgt, ebenso sprachlos die untergeordnete Rolle der Frau über noch so lange Zeit hinweg und die Tapferkeit dieser. Ihnen war klar, dass sie nur weiterleben können, wenn sie versuchen, so gut es geht mit der Vergangenheit abzuschließen.
„„Was soll’s“, sagte Minna, „ist alles vorbei. Wir haben es ausgehalten. Die Zeit hat Rückscheinwerfer, die vieles vergolden. Lass uns immer nur ins goldene Licht gucken, das macht es einfacher.““
Das alles macht das Buch aber nicht nur zu einem Drama, sondern zu einem Porträt, welches Figuren, Schauplätze, historische Besonderheiten authentisch widerspiegelt – alles fließt mit ein in dieses großartige Werk und macht es einer schriftstellerischen Glanzleistung.
Nachdem ich den ersten Band schon extrem toll gefunden habe, war ich schon ganz heiß auf diesen Band, der nahtlos an die Geschehnisse anschließt. Und ich wurde nicht enttäuscht, ich konnte das Buch einfach nicht aus der Hand legen und habe es in knapp zwei Tagen durch gelesen. Was für eine Familiengeschichte! Und Gottseidank hat Felicitas Fuchs (Carla Berling) diese aufgeschrieben. Viele Dinge, Situationen und Sprüche aus ihrer Familie sind mir selbst vertraut durch Erzählungen innerhalb meiner Familie, aber auch durch selbst Erlebtes. Die Protagonisten sind so vielschichtig und authentisch, man hat das Gefühl, sie schon ewig zu kennen. Und nun freue ich mich auf den Sommer… neee Blumen und Sonnenschein sind mir völlig egal, aber dann kommt endlich Band 3 heraus!
Dass es sich hierbei um echte Biographien handelt, macht das ganze Buch umso greifbarer. Grundsätzlich sehr interessant, auch wenn es mich nicht immer komplett gecatched hat. Das Buch zeigt meiner Meinung nach gut, wie Mütter teilweise ohne jegliches Verständnis gegenüber ihrer Töchter agieren und die ganze Empathie bei den Enkelkindern plötzlich wieder kommt. Die Rolle der Frau dieser Zeit und ihrer ganzen Care-Arbeitslasten wurde gekonnt aufgezeigt, auch wenn es mich rasend gemacht hat. Was jedoch wirklich unerträglich war, war die Reaktion der Mutter, als das Kind ihr von einem Übergriff erzählt :( Da ich unbedingt wissen möchte, was die beiden Frauen eingefädelt hatten bezüglich des Erzeugers, werde ich den letzten Band ebenfalls lesen.
Dieser zweite Teil hat mir besser gefallen als der erste Band. Ich habe viel über die Nachkriegszeit erfahren. Man weiß ja vieles, dass aber viele Menschen nach dem Krieg an der Krankheit Tuberkulose erkrankten war mir nicht bekannt. Dieser Roman hat mich sehr betroffen gemacht und gleichzeitig so gut gefallen, weil so viel über meine Heimatstadt Minden berichtet wurde, was mir nicht bekannt war.
Großartig. Ist zwar der zweite Band in der Reihe, aber ich hatte keine Schwierigkeiten zu folgen. Da war vieles, mit dem ich mich identifizieren konnte. Glücklicherweise bin ich viel später geboren als Hanne, deswegen ist mir vieles erspart geblieben womit sie noch zu kämpfen hatte.