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Die Stadt hinter dem Strom

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Der Schauplatz des Romans ist das Ruinenfeld einer Stadt, deren Bewohner von der harten Fronarbeit in Katakomben ausgemergelte Wesen sind. Die vom Leerlauf der Mechanik ausgehöhlten Geschöpfe gleichen gespenstigen Larven und sind Handlanger einer aufgeschwemmten Bürokratie unter der Herrschaft einer autoritären Kaste, die nur selten aus dem geheimnisdunklen Hintergrund hervortritt.

437 pages, Paperback

First published January 1, 1947

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174 people want to read

About the author

Hermann Kasack

23 books2 followers
Hermann Robert Richard Eugen Kasack wuchs als einziges Kind eines praktischen Arztes in Potsdam auf. Er besuchte das humanistische Viktoria-Gymnasium in Potsdam und begann 1914 ein Studium der Nationalökonomie und Literaturgeschichte in Berlin, das er 1920 in München abschloss.

1915 veröffentlichte er in der Zeitschrift Die Aktion sein erstes Gedicht mit dem Titel Mutter. 1916 fanden in Berlin erste Vorlesungsabende "Neuer Dichtung" mit Wolf Przygode statt. Im folgenden Jahr begannen die lebenslangen Freundschaften mit dem Maler Walter Gramatté – Vorbild für die Figur des Malers Catell in Die Stadt hinter dem Strom – und mit dem Dichter Oskar Loerke. Sein erstes Buch, Der Mensch. Verse, erschien 1918.

1920 heiratete Hermann Kasack Maria Fellenberg. Im selben Jahr wurde er Lektor im Gustav-Kiepenheuer-Verlag in Potsdam. In dieser Funktion gab er unter anderem die gesammelten Werke von Friedrich Hölderlin heraus. 1924 wurde seine Tochter Renate geboren. 1925 verließ er den Kiepenheuer-Verlag und wurde ständiger literarischer Mitarbeiter bei der Funk-Stunde Berlin, wo er unter anderem für die Programmgestaltung der ersten Dichterlesungen zeitgenössischer Lyriker verantwortlich war. Im folgenden Jahr wurde sein Drama Die Schwester uraufgeführt und er wurde Direktor beim S. Fischer Verlag. 1927 wurde sein Sohn, der spätere Slawist Wolfgang Kasack, geboren. In den folgenden Jahren arbeitete er als freier Schriftsteller und Rundfunkautor. Er veröffentlichte zahlreiche Gedichte und war für mehr als hundert Radiosendungen verantwortlich, darunter viele Porträts von Schriftstellern und zahlreiche Hörspiele, von denen nur wenige als Tondokumente erhalten sind. Am 28. März 1933 wurde ihm jegliche Mitarbeit am Rundfunk verboten. Dennoch unterzeichnete er am 26. Oktober 1933 das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler.

Er blieb nach dem Verbot fast ohne Arbeit, bis er 1941 als Nachfolger von Oskar Loerke Lektor im S. Fischer (später Suhrkamp) Verlag wurde. Während Peter Suhrkamps Verhaftung 1944 übernahm Kasack die Verlagsleitung.

Nach dem Krieg arbeitete Kasack noch einmal für den Berliner Rundfunk, bis er 1949 nach Stuttgart umzog. 1947 erschien sein bekanntester Roman, Die Stadt hinter dem Strom für den er 1949 in Berlin den Fontane-Preis erhielt. Er wurde 1948 Gründungsmitglied des Deutschen P.E.N.-Zentrums und Mitglied in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Sein zweiter und letzter Roman, Das große Netz erschien 1952. Von 1953 bis 1963 setzte er sich als Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung vor allem für die Veröffentlichung von vergessenen zeitgenössischen Autoren ein. 1955 wurde seine Oper Die Stadt hinter dem Strom, vertont von Hans Vogt, in Wiesbaden uraufgeführt. Zu seinem sechzigsten Geburtstag erschien eine Sammlung seiner wichtigsten Essays und Reden aus drei Jahrzehnten als Geschenk des Suhrkamp Verlages. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg verlieh ihm einen Professorentitel. 1960 erhielt er die Leo-Tolstoi-Gedenkmedaille des Maxim-Gorki-Instituts für Weltliteratur in Moskau.

1963 trat Kasack von seinem Amt als Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zurück, nachdem er fast vollständig erblindet war. Er starb am 10. Januar 1966 in seiner Stuttgarter Wohnung.

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Markus.
283 reviews95 followers
Read
January 29, 2025
Der Orientalist Robert Lindhoff wird in Die Stadt hinter dem Strom berufen, um dort das Amt eines Chronisten anzutreten. Schnell stellt sich heraus, dass der Strom einer jener Flüsse ist, die das Reich der Lebenden von dem der Toten trennen. Die Stadt ist ein Übergangsort, wo die Toten eine gewisse Zeit verbringen, bevor sie in die Endgültigkeit einkehren.

Der in einer poetischen, aus der Zeit gefallenen Sprache verfasste Text lebt von seinen magisch-realistischen Beschreibungen. Die Stadt besteht aus Ruinen, aus zerfallenen Häuserfronten, durch die leeren Fenster sieht man den Himmel. Das Geschehen spielt sich großteils in weitläufigen Katakomben ab. Die Bewohner erscheinen mehr wie Puppen, die sich in sinnlos repetitiven Handlungen ergehen. Alles ist rätselhaft und absurd. Auch Robert Lindhoff hat keine Ahnung, wo er da hingeraten ist und sein zunehmendes Unbehagen überträgt sich direkt auf die Leserin, die genauso wie der Protagonist zutiefst verunsichert auf Hinweise lauert, was denn hier gespielt wird. Kafkaesk ist der richtige Ausdruck, denn wie in Das Schloß oder Der Prozess ist die Stimmung surreal-paranoid. Alles wird von einer anonymen Instanz geregelt, der Präfektur, ihre Beamten ziehen undurchschaubar und unwidersprochen ihre Fäden.

Der 1943 bis 47 geschriebene und heute mehr oder weniger vergessene Roman gilt als eines der wichtigsten Werke der deutschen Nachkriegsliteratur und als Schlüsselwerk der "Inneren Emigration". Er wurde in den 50er Jahren viel gelesen, in mehrere Sprachen übersetzt, als Oper umgesetzt und vor allem sehr kontrovers diskutiert.

Mein Eindruck ist auch kontrovers. Das Buch hat eindeutig eine starke, expressive Qualität und Wirkung. Es entwirft epische Bilder und arbeitet mit bedeutungsschweren Symbolen, die Figuren sind weniger Personen als Archetypen; Orpheus, Dante, Vergil und andere klassischen Stoffe kommen mir in den Sinn. Dass Kasack in Codes schreibt ist offensichtlich, die ganze Geschichte entzieht sich jedoch einer eindeutigen Decodierung und lässt den Leser unbefriedigt und verwirrt zurück.
Die Bilder der Zerstörung und das Walten der Präfektur könnte man ganz unkompliziert als Abbild der Zustände zum Ende des Krieges in Deutschland lesen, in manchen Details sogar als visionäres Schaubild heutigen Wahnsinns. So werden z.B. in einer Fabrik Steine aus Staub gepresst, die in der "Gegenfabrik" wieder zu Staub zermahlen werden, um in der ersten Fabrik wieder zu Steinen gepresst zu werden ...
Eine existentialistische Ausdeutung wäre plausibel aber genauso kämen Mystiker oder Anhänger asiatischer Lehren auf ihre Rechnung. Persönlich ist mir die existentialistische Sicht zu sinnbehaftet und die Mischung aus Schopenhauer und Mme. Blavatsky zu naiv. Vielleicht könnte man den Roman heute auch ganz losgelöst als dystopischen Fantasy lesen, Kulisse und Handlung regen jedenfalls das Kopfkino an.

Mein gewichtigster Kritikpunkt betrifft die Transzendierung der realen Gräuel des Naziregimes und des Krieges in das Metaphysische. Das mag naturgemäß der inneren Migration geschuldet sein, einer Auf- und Verarbeitung von Geschichte ist das nicht dienlich. Und trotzdem leistet es - gerade dadurch - eine Annäherung an das so unzugängliche, weil jenseits unseres Erfahrungsbereiches liegende Phänomen des Todes.
Mein Fazit: Ich mag das Buch, weil es so konsequent widersprüchlich ist, aber ich lese es sicher kein zweitesmal.
Profile Image for Fabi.
80 reviews
March 26, 2025
Im besten Sinne kafkaesk, ohne sich wie eine Kopie zu lesen. Am eindringlichsten waren für mich die zum Teil absurden Beschreibungen der Stadt und der Fabriken. Sprachlich wirklich toller und ruhiger Stil, wenn auch ein paar Worte aus dem gewollt altertümlichen Vokabular ein bisschen überstrapaziert werden (ich habe noch nie so oft gelesen, dass jemand etwas gewahr wird). Die Parallelen zur Situation der 'inneren Emigration' sind gut herausgearbeitet und selten trivial und offensichtlich, am besten sind die Stellen, die sich direkt mit Holocaust und dem eigenen Schreiben in Deutschland und dem Schreiben des Buches selbst auseinandersetzen. Die Politik für die das Buch aber eintritt ist in ihrem recht banalen Wiedergeburtsmystizismus eine absolute Sackgasse und reflektiert an keiner Stelle eventuelle eigene politische Verantwortungen.
Auch mit diesen Implikationen aber trotzdem sehr lesenswert
Profile Image for Harry Maxwell.
10 reviews3 followers
January 16, 2012
My first full novel to read in German. I thought it was fascinating.
Profile Image for Frank.
599 reviews125 followers
December 29, 2019
Grandioses beispiel für einen magischen Realismus, der viel von Kafka gelernt hat.
222 reviews
August 12, 2024
Bedeutende deutsche Nachkriegsliteratur und ein in der Tradition der Phantastik stehender Roman, der unbedingt wieder verlegt werden sollte.
Profile Image for Chris Lange.
Author 25 books543 followers
September 26, 2011
Even reading the English translation "The City Beyond The River", I find this novel too difficult,too dark,and too weird.
Displaying 1 - 6 of 6 reviews

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