Ein 46-jähriger Lohnbuchhalter macht mit seiner Freundin, einer Designerin, einen Automobilausflug: mit der Isetta von Nordhorn nach Giffendorf in der Lüneburger Heide. Dort bewirtet sie Tante Heete, die lebensfrohe, aber etwas vereinsamte Witwe. Das ist die ganze Geschichte. Sie erzählt vom Wirtschaftswunder, das an den kleinen Angestellten vorbeigeht, und von den erotischen Obsessionen unseres Alltags. In ihrem Kern birgt sie ein Stück Science-fiction, eine Utopie, die auf den Ungeist des Kalten Krieges reagiert: ›KAFF‹ ist ein literarisches Prisma der westdeutschen fünfziger Jahre.
Arno Schmidt, in full Arno Otto Schmidt, (born January 18, 1914, Hamburg-Hamm, Germany—died June 3, 1979, Celle), novelist, translator, and critic, whose experimental prose established him as the preeminent Modernist of 20th-century German literature.
With roots in both German Romanticism and Expressionism, he attempted to develop modern prose forms that correspond more closely to the workings of the conscious and subconscious mind and to revitalize a literary language that he considered debased by Nazism and war.
The influence of James Joyce and Sigmund Freud are apparent in both a collection of short stories, Kühe in Halbtrauer (1964; Country Matters), and, most especially, in Zettels Traum (1970; Bottom’s Dream)—a three-columned, more than 1,300-page, photo-offset typescript, centring on the mind and works of Poe. It was then that Schmidt developed his theory of “etyms,” the morphemes of language that betray subconscious desires. Two further works on the same grand scale are the “novella-comedy” Die Schule der Atheisten (1972; School for Atheists) and Abend mit Goldrand (1975; Evening Edged in Gold), a dream-scape that has as its focal point Hiëronymus Bosch’s Garden of Earthly Delights and that has come to be regarded as his finest and most mature work.
Schmidt was a man of vast autodidactic learning and Rabelaisian humour. Though complex and sometimes daunting, his works are enriched by inventive language and imbued with a profound commitment to humanity’s intellectual achievements.
N.B. -- I originally wrote this review in plain English, but since Arno SChmidt is notorious for using his very own, unique, and creative way of spelling words (in different languages!) I figured it might be fun to "translate" my review from English to Inglisch; in which the words, even though they look weird, will somwhat sound correct when read by a German as if they were German words (which they aren't); maybe you can figure it out yourself, or grab the next best German and let them read the text to you, or go to Google=Translate, paste the text, and click the speaker symbol: https://translate.google.com/#view=ho..., or click here for a recording I made from GT.
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It iss örlie Sanndai morning end it is s'till daark autzeid. Ei'm zitting in e ßmohl hemlett in se Lüneburger Heide, sammweer niehr se forma Zonengrenze, friehsing mai ess off. Ei em treiing tu whreit e räwjuh ebaut e buck bei Arno SChmidt, bat Ei ken't sink off eniesing jußfull. No, sett's nott truh, biekoos Ei'm zitting anda e bick glas dohm on se muuhn, ßammweer niehr Mare Crisium, s'wetting leik e pig. Bat Ei s'till ken't ßink off enießing. End sett's se truhs.
Se tu s'tories in se buck, sat of tu lavers in se willidsch in Norsern Dschörmenie wissiting his ahnt, in neintiehn-fifftie-nein, end sat of se muuhn in neintiehn-aytieh weer tu kolonies of Ämerikäns end Raschens h'äw soht refudsch after auer dir old Öhrs h'es biekamm aninhäbitäbel djuh to e njuklier woor; sees s'tories mördsch intu wan in my h'edd; end it ohlmost fiehls leik lissening tu tu ßeperät räidio ßtäschins ät se säm teim end ßtill anderßtänding sem.
SChmidt das sis kweit klewwerlie. Se muuhn s'torie is mäd ab bei Karl, se först pörsen närräter end buckwörm. H'ih präsents it tu his görlfrend bit bei bit, wieving ser icks'pieri'enzes end körrent iw'ents intu seh s'torie. Ziehn in sis leit, it is en intörnell närretiw, ollbeit skettert. Se män plott konzists of ohnlie e f'ju iw'ents djuhring ebaut sri deys: Whocks in se cantrießaid, diskaschens w'is se ahnt, geuing tu e skuhl pläy, auting w'is se Isetta kar, schopping, romäntick neits...
Grantid, ohl of sis is nott werri ickzeiting. Bad se ohser nohz hau tu krie'äit e pulling ihfäckt on se hohl ßing in sis buck, tu, z'ruh hiß incompärebel pauer of s'pietsch. Se etüms ar not kweit rekockneisebel äs in hiß läeter wörcks (for ix'ampl ZETTEL'S TRAUM), bat hiß ä'fforts ar klierlie ä'md in sis deireckschän.
Ohl in ohl Ei äm wärri sätiz'feit w'is sis riehding, witsch wie redd in e gruhp (konßisting of tu piepel). Ei schutt ried SChmidt matsch mohr offten - it rielie feiers ab jor sünapsis.
< Schmidt is the happy hunting ground of all minds that have lost their balance >, so könnte man eine Zeile aus dem ULYSSES paraphrasieren, und eines steht fest: KAFF polarisiert nicht nur allgemein die Leserschaft, es bereitet auch mir während des Lesens ein Wechselbad der Gefühle, die schwanken zwischen Empathie und Aversion betreffs der Hauptfigur Karl Richter und zwischen Bewunderung für und Zweifel am Text. Denn Karls (Über)Lebensstrategien, seine Eigenheiten, scheinen zunächst denen Arno Schmidts zu ähneln, und alles, was Karl Richter, der Protagonist in KAFF, seiner Geliebten Hertha Theunert so zumutet, das muss auch der Leser erdulden. Es gilt gelegentlich, Ärgernisse und Ödstrecken zu überwinden, und der Leser muss die Bereitschaft mitbringen, sich in hohem Maße auf diesen in keiner Weise einfachen Roman einzulassen. Im Folgenden werde ich auch auf Handlungselemente eingehen. Wer sich also überraschen lassen möchte, wie die Beziehungsgeschichte zwischen Karl und Hertha ausgeht, sollte nicht weiter lesen. Also: Es folgen S P O I L E R !
2. Die Versehrtenrepublik
Karl teilt Alter und Kriegserfahrungen mit Schmidt: das Grauen des Krieges, die anschließende Gefangenschaft und schließlich wieder ein „bürgerliches“ Leben in bescheidenster Armut haben Schmidt und sein Alter Ego geprägt. Ungeheuer sensible Naturen, die sie sind, suchen sie Zuflucht in der verlässlicheren Natur und der Welt des Geistes, in die keine Panzer einzurollen vermögen. Und selbst hier noch ist der Schutzschild ständig hochgefahren und auf den ersten Blick ist Karl ein sympathieabweisender Schreckensmann, ein Gehirntier. Neben dem Weltzweifler und dem Kotzbrocken begegnet uns nicht zuletzt der Clown Karl Richter, der voll des abseitigen Wissens und mit exorbitantem Sprachvermögen, Spott, Satire und (Selbst)Ironie hinwegzutäuschen sucht über seine Verletzungen und seine Bindungsängste. Karl ist ein Exponent der Nachkriegs-Versehrtenrepublik, der nur auf den ersten Blick stabiler, weniger neurotisch als Hertha erscheint. Seine zwei Mantren begleiten den Leser durch den Roman: das nihilistische „Nichtsniemandnirgendsnie“ und das ironisch-untertreibendste „man hat halt ne gute Schule besucht“, mit dem er seine gelehrten Exkurse kommentiert, Fluchtpunkte im Denken und Leben von Karl Richter. Hinzu kommt Karls Flucht in ein ausuferndes Längeres Gedankenspiel, auf das noch einzugehen sein wird: Unter einem psychologischen Blickwinkel könnte man fast von einer bipolaren Störung sprechen, die dieser Roman verkörpert. Doch der Reihe nach. Was geschieht in KAFF eigentlich?
3. Zwei Tage auf dem Land – eine Vergeblichkeitsposse
Der 46-jährige Buchhalter Karl Richter besucht an zwei aufeinander folgenden Oktobertagen mit seiner 15 Jahre jüngeren Geliebten Hertha Theunert seine Tante Heete in Giffendorf. Hertha, der Karls permanente sexuelle Anzüglichkeiten sehr unangenehm sind, hat während der beiden Tage allerhand zu erdulden und ihre angespannt-neurotische Unsicherheit habe ich dem sexuell missbrauchten Flüchtlingsmädchen gerne nachgesehen, nicht zuletzt auch wegen der Konkurrenz zur übermächtigen komplementären Tante (Hertha Theunert = HT / Tanndte Heete =TH), der, nach langen Ehejahren verwitwet, nichts Irdisches fremd ist. Karl & Hertha: Das ist ja nun überhaupt fast, als hätte Emma Woodhouse ihre Finger im Spiel gehabt (- Emma, die immer für das falsche Match gut war), denn recht eigentlich wären Karl und Tannte Heete das passendere Paar – wenn nur der Altersunterschied nicht wäre. Und nicht, dass Karl die üppigere Figur von TH nicht immer noch zu schätzen wüsste: "Und wenn ich mir freilich so ihre Figur besah; von hintn; beim Trepperaufschteign; von keiner Schwangerschaft ausgeleiert : Die mochte & konnte beschtimmt noch ab & zu !" "HasDu´s eigntlich - kannßD´s ruhich=ehrlich sagn - Dein allererstes Maal bei Tanndte Heete machn düßrfn ?", diese Frage drängt sich der Armen Hertha auf, und überhaupt: "Der iss nie verliebt;" sagte Hertha trauri=komisch, "Der hat ma ammall aus a´m lateinischn Buchche alle Kennzeichen vorgeleesn : von Ee´m, der verliebt iss..."
Aus guten Gründen ist Hertha (nicht nur Karl gegenüber) so vorsichtig: "Erniedriejen," schprach sie finster : "erniedriejen tutt Ihr mit Uns=Frauen mach´n. (...) Und ooch Dein geliebtes "wortreich"; eebm : das iss es ! - Es iss doch sowieso immer a Kammf zwischn -"; und unterbrach sich, und suchte nach Definitionen; "- zwischn Peinlichkeit & Genuß : mal iss´s ann Oognblick schön. Dann schämt ma sich wieder. - Aber mit zuen Oogn, und ohne viele Worte : max gehn. - Aber dann wieder Eener=wie=Du, der dauernd seine Glossn drüber macht. Und manches sind noch Witze. (...) Wenn De bloß ammall n Munt=dabei halltn könntzt, wenn De "ihn einführst" - oder wie De Dich grade auszudrückn beliepst..."
Doch dann der donnerschlagsmässig überraschende Vorschlag von Tante Heete: Karl & Hertha sollen in THs Häuschen mit einziehen! Der Wunsch nach einem eigenen Heim, auch als Wohngemeinschaft, taucht immer wieder bei Schmidt auf, z.B. in "Das Steinerne Herz", aber auch später, als er schon sein Häuschen in Bargfeld hat. Es steckt darin wohl auch das Trauma der Unbehaustheit der Nachkriegsgeneration, die Schnecken mit Haus ehrerbietig siezt; aber auch die Utopie einer weitestgehenden Autonomie, wie Schmidt sie konsequent gelebt hat. Die "Erbtante" stellt aber Bedingungen: "Hei=raatn müßtit Ihr ja wohl allerdinx", und: Keine Kinder! Zumindest mit dem letzten Punkt hätte Karl keine Probleme: "Mit meinem Willen soll kein Mensch in diese deutsche Idiotn=Welt hineingebor´n weerdn!" Aber Heetes Angebot löst bei Karl auch massive Kriegserinnerungen aus, und überhaupt sind der Krieg und seine Folgen ein ständiges Hintergrundrauschen in KAFF. Bis hierher schien vor allem Hertha die so leicht Verletzbare zu sein, empfindam-ängstlich und neurotisch zugeknöpft. Doch als sich Karl nun für oder gegen eine feste gemeinsame Zukunft mit Hertha entscheiden muss, erleben wir, wie er sich in Logarithmentafeln flüchtet und Hertha mit dem panischen Hersagen von Zahlenreihen traktiert. Was bewegt den Herzkranken jenseits des Zahlenrausch(en)s? "(L)ohnte es sich noch, weegn fümf Jaahrn 1 mouvement zu machn?" und "Glücklich=sein ist ein Verbrechen; Unglücklich=sein eine Schande“. Dieser letzte Teil ist der berührendste des Romans, denn nach allen Po(s)sen und Verstellungen sehen wir Karl als den verletzten, ängstlichen Menschen, zu dem ihn der Krieg gemacht hat. Das Ende von KAFF ist kaum weniger schrecklich als das im "Leviathan". Hertha, wieder zuhause angekommen, fragt Karl: "KommsDe glei mitt zu mier ?" - / (Nichtsniemandnirgendsnie : Nichtsniemandnirgendsnie). - : "Nachheer=vielleichd." - Sie schlank den Arm ums Haupd, als emmfinge Sie 1 Schlack ! (Dabei hatte ich leedicklich meine Haustür=Lampe angeknipst.)"
4. Nun aber auf ins Wortall!
Während Musterzeichnerin Hertha sich zu Beginn des Romans in der Heide von der Natur zu floralen Mustern inspirieren lässt, hebt Karl anlässlich ihrer Äußerung "Mensch iss das lankweilich" zum Längeren Gedankenspiel der Erlebnisebene 2 an: Nach einem Atomkrieg in den 60er Jahren ist die Erde unbewohnbar geworden. Karls Alter Ego Charles Hampden fabriziert auf dem Mond Schiefer-Tafeln und ist Kongressabgeordneter der amerikanischen Mondsiedlung. Im Vordergrund dieses Gedankenspiels steht die Mangelwirtschaft, die sehr an Schmidts eigene Erfahrungen der 50er Jahre angelehnt ist, und der System-Wettstreit der Besatzungsmächte USA und Russland, die nun in getrennten Mondkratern konkurrierend dahin vegetieren.
Nicht einmal Herthas mal zaghafte Andeutungen, mal deutliche Ansagen, bremsen den "Ideen=Milljonär" Karl in seiner Fabulierlust, und so begleitet Hertha und den zuweilen erschöpften Leser die Mondfabel durch den Roman, angereichert durch ein angelehnt an das Nibelungenlied gottlob überwiegend in Prosa gehaltenes nationales amerikanisches Versepos über Liebe, Eifersucht, Verrat und "Calton Creek" samt der Damen Cream-Hilled und Brown-Hilled, deren Gunst es einstmals zu erlangen galt: "Und so hatte dann der letzte Krieg angefangn; allegorisch genuck also : daß wegen 1 "Miss Germany" die ganze Welt in Flammen aufgehen mußte!" (später folgt dann noch der russischen Gegenentwurf, eine Bearbeitung des „Cid“).
Karls Längeres Gedankenspiel ist auf vielfache Weise mit den Ereignissen auf der Erlebnisebene 1 verknüpft, kommentiert diese, greift sie auf oder stellt Gegenentwürfe vor. Es ist Unterhaltung für und Werben um Hertha, wird am Ende des Romans jedoch eine gegenteilige Funktion bekommen und Hertha auf sicher-komfortablem Abstand halten. Literarisch sind Idee und Durchführung sehr interessant, und KAFF ist der erste Mehr-Spalten-Roman von Schmidt; aber leider ist die Mond-Geschichte nur zu oft zähflüssig und uninteressant, so dass nicht nur Herthas Widerstandskraft "end=lich !" gebrochen wird, sondern auch der Leser ermattet und mit dem Gedanken spielt, das Buch aus der Hand zu legen.
Nach Nibelungenlied und Schultheater gibt es für die arme Hertha noch lange keinen Grund, aufzuatmen. Karl stellt einmal mehr beim späten Abendessen seine Gelartheit unter Beweis und referiert über Karl May, Johann Esaias Silberschlag und die Literatur im Allgemeinen. Die apart-schnurrigen Exkurse sind durchaus unterhaltsam und so manches Mal gehen dem Wort=Metz die Pferde durch. So zum Beispiel, wenn er Noah als post-adamitischen (/sodomitischen) Auswanderer deklariert, der mit seiner Arche auf dem Mond landete; und für die Stichhaltigkeit der Posse noch Indizien anzuführen weiß.
Und für den raren Fall, dass einem Leser der Nebenhandlungen nicht genug sein sollten, gibt es noch die ausführliche Schilderung des Besuchs einer Schultheateraufführung, bei der der Weltuntergang nicht weniger dräut: Potz Komet & Landbevölkerung, in the days of the comet!
5. Aber mein´n tut er was!
Soweit einiges zum Inhalt. Formell stellt KAFF eine Weiterentwicklung der 50er Jahre Romane von Schmidt dar, in dem die Beschäftigung mit Joyce und Freud den Text schon deutlich prägen. Zunehmend weicht die (Ver)Schreibung von Duden ab und bildet unterbewusste Vorgänge ab. Zum Beispiel gibt es ein ganz wunderbares Beispiel für den "stream of (un)consciousness", wenn Karls Abebben der Gedankenflut beim Einschlafen dargestellt wird und der Text entschleunigt und fast schon entspannt daher kommt.
Karls Erzählungen dienen nicht nur Herthas Unterhaltung, sie sollen sie auch - so die Absicht Karls - manipulieren und durch das Erwähnen sexueller Themen williger/gefügiger machen: "Ruinierunk (des) Unter=Bewußtseins". Die Anklangsnerven werden dann z.B. bei einer Wendeltreppen-Stelle folgendermaßen angegangen: "immer umm dehn Mittelschafft rumm" - im Schriftbild wird die Zweideutigkeit dank Schmidts Verschreibung - "Duden´s nicht achtend" noch deutlicher und ach, was kommt da alles zum VorschWein... Und Charles Befürchtung "das also das Nächsde, was mir im Traum ein=komm´m würde" ist zugleich Karls Hoffnung in Bezug auf Hertha.
Wortschöpfung finden sich natürlich en masse bei Schmidt, sehr einprägsam fand ich z.B. die "Annal-Gehsdick", und es findet sich auch die allerschnurrigste wunderbarste Katzen-Drohung in der deutschen Literaturgeschichte: "Du wenn du nich artich bißd, geep ich Dich deem nächsdn durchreisendn Aßtronohm´m als Komeetn mit !"
Schmidts kauziger Humor soll hier durch ein paar Zitate belegt werden:
"Zu Schnecken ohne Haus sagten wir : "Na; Schneck?"; zu solchen mit Haus: "Nun? Herr Schneck?" - wir hatten schon zu lange Mieter sein müssen, um, in dieser Beziehung noch irgend Rückgrat zu haben."
"krieg´ ich etwa doch schon Hämorrhoiden?! - Gewiß, sie zieren den Gelehrten; aber würde es bei einem einfachen Lagerbuchhalter nicht gleich wieder heißen, er wolle über seinen Schtand hinaus?"
"Rumpf & Erinnerunk werden Einem leicht zur Last."
"(...) obwohl sie ungefähr ebensogern in Gesellschaft aß, wie sie in Gesellschaft das Gegenteil tat (...)"
"Op ich nach´m Tode 1 Ofen weer´? Mein "Licht" hat Niemandem geleuchtet; nur immer verbrannt."
"Und jedes Wort war so falsch wie ein fournierter Klodeckel."
"Sie sah mitleidich zu einer bleichen Wäsche hinüber, die nicht=geisterte : die Unterhosen hatten anscheinend zuviel mit der Winzbraut roll=me=over gemacht; jetz hingn se natürlich schlapp : Dripp; dripp ....."
"Sei nich so ve=krammft, Kint. : `Die Mode wexelt, der Druckknopf bleipt´."
"Wie habe ich nicht, schon länxt, auf solch günstije Gelegenheit gebrannt, mit Dir die Chieneesische Mettafüsiek zu wenntilieren. - Beim lebendijen GOtt dacht´ ich´s nicht : meine Ehrecktzjohn läßt nach ! Waahnwitzije."; fügte ich, erschöpft, hinzu..."
"Bei "Dichter" wird mir regelmäßig schlecht : wie ehrlich=arbeitsam ist dagegen "Schrift=Schteller". Man müßte noch weiter gehen, und ganz rüstich=derbe Ausdrücke für den fleißijen Literaturwerker einführen : "Wort=Metz" oderso;"
"...man konnte ja nie wissen; vielleicht wurde unser Geschpräch abgehört. Wir lebtn schließlich in 1 freien Lande."
"(...)Mann miß=traue allen "Wahrheitn"; die, um zu "wirken", in einer lang=wallenden Roobe geschprochn werdn müssn. Mann mache "die Proobe" darauf, indem mann sie in der Baade=Hoose wiederhohlt. Oder auf´m Klo."
" < Bonn > und < Neander=Thal > liegen verdammt dicht beisamm....."
6. Fazit
Karl Richter entspricht nicht mehr den tollwütig um sich beissenden Protagonisten der früheren Romane, den Helden, von denen man glaubt, sie könnten fast ein Abbild ihres Schöpfers sein. Er ist eine schwierige Figur, der etwas Tragisches anhaftet. Die Beziehung zu Hertha, so mein Eindruck, scheitert nicht alleine daran, dass Karl sich nicht auf einen gemeinsamen Hausstand einzustellen vermag, sondern sie scheitert an der nicht vorhandenen Kommunikation. Karl ist sich selbst genug, er kann endlos lange vor sich hin schwadronieren und hat kein Sensorium dafür, wie es Hertha mit seinen schon als mißbräuchlich zu bezeichnenden Verbalüberfällen gehen mag. Ein Element, dass der Leser schon aus „Schwarze Spiegel“ kennt: Karl braucht eigentlich keinen anderen Menschen, er wäre sich selbst genug. Aber seine Eitelkeit und Zwanghaftigkeit verzichtet nur ungern auf Zuhörer. Etliche zwanghaft eingeschobene Mondpassagen der Erlebnisebene 2 bremsen den Erzählfluss und sind teilweise recht uninteressant. Dahinter könnte die Idee stecken, dass Karls mögliche feste Beziehung zu Hertha am Ende so dahinwelkt, wie es dem LG ergeht, das schlussendlich einfach im Sande verläuft, allenfalls mit der Feststellung: so vieles hätte noch gesagt werden können…
Auffällig fand ich noch die Verschiebung der früheren "Feindbilder" Schmidts. Während er in den Romanen und Erzählungen der 50er Jahre gegen Krieg, Militarismus, Wiederaufrüstung und Kirche wütete, schießt er in KAFF auf beiden Erlebnisebenen aus vollen Rohren gegen das Abstrakte in allen Erscheinungsformen, vor allem aber gegen die abstrakte moderne Kunst, während er seinen alten Hassgegnern fast schon entspannt=satirisch (für schmidtsche Verhältnisse jedenfalls) begegnen kann. Und natürlich wäre Schmidt nicht Schmidt, wenn er in seinem Furor nicht auch hier zu sehr gewagten Behauptungen käme: "...verlassen sich drauf, daß Keiner als "unmodern" gelten möchte; und die Unsicheren sich zu blamieren fürchten. Die Katholen fördern die Richtung (=abstrakte Kunst) sogar : weil dadurch die "avantgardistische Kunst" in unbegreiflich=absurde Bayous abgeleitet wird, und Keiner sie mehr ernst nimmt - nicht ernst nehmen kann. Gefährlich ist ja nur Der, der gleichzeitig modern und verschtändlich ist : deswegen schweigt man ja so systematisch Leute wie Joyce tot (...) Ich hab übrijens neulich ooch gehört, die Kirche fördert die Abstrakten so, weil ma sich "kee Bildnis" machen soll."
An Eigenwilligkeiten ist in KAFF kein Mangel, und formell und sprachlich ragt es weit aus den anderen Publikationen seiner Zeit heraus. Ob man nun das erzählerische Scheitern der Erlebnisebene 2 analog zum Scheitern der Beziehung liest oder sich einfach darüber ärgert, darüber mag das Temperament des Lesers entscheiden. KAFF hat einige Längen, und ob unter dem Mantel des von Schmidt geforderten Realismus wirklich alles geschildert werden muss, egal wie handlungsarm es gerade zugeht, sei auch dahingestellt. Ja, ärgern darf man sich sehr wohl über das Buch. Und als Einstiegslektüre ins Schmidts Schaffen ist es nicht anzuraten. Aber! Die Herausforderung, die die Lektüre darstellt, sollte der interessierte (oder meinetwegen ambitionierte) Leser annehmen. Denn wie reizen nicht all die Widersprüche zum selber denken an und wie oft muss man nicht - auch gegen den Willen – laut auflachen und die unglaubliche Sprachgewalt dieses Autors anerkennen. Und spannend, spannend ist dieses Formexperiment allemal.
Ein Stern, schon als Warnung sich nicht leichtfertig auf dieses Buch einzulassen, auch wenn die Herausforderung gewisse Gemüter mit Hang zur Perlentaucherei oder Rechthaberei gegen den Strich erst motivieren könnte. So viel vorneweg: es gibt tatsächlich vereinzelte literarische Glücksmomente in diesem wortgewaltigen und assoziationsstarken Wust. Ob man deren Anteil auf 0,5 Promille oder 5% beziffert, hängt vom eigenen Vorwissen und von der jeweiligen Interessenlage ab. Ich will nicht behaupten, KAFF wäre ein schlechtes Buch, aber ich kenne keines, bei dem der Leser schlechter auf seine Kosten kommt. Arno Schmidt verliert sich gern in abseitigen Wissensgebieten und fühlt sich geradezu unwiderstehlich zu längst überholten Darstellungen und Welterklärungsversuchen hingezogen, die er oft leise anklingen lässt, aber auch gern mal in einer geradezu kontraproduktiven Ausführlichkeit ausbreitet. Dieses Muskelspiel der nutzlosen Allwissenheit führt oft dazu, dass das Rinnsal, das man Handlungsfluss nennen könnte, vollkommen versickert. Aber ehe ich auf den nicht allzu attraktiven Plot eingehe oder das Werk in den mir bekannten Kontext von Arno Schmidts Wortkunst stelle, will ich erst einmal klar machen, für wen dieses Buch ein gefundenes Fressen sein kann.
2. Alte Fürze und Ignoranten mit Schwanz – Attraktionen für eventuelle Leserzielgruppen
2.1. Menschliches, allzu Allgemeinmenschliches
Das einzige allgemeinmenschliche Thema in KAFF sind Ausscheidungsprozesse, wie die ausgiebig protokollierten Topfgänge von Hertha Theunert und die dabei entweichenden Flatulenzen. Auch Gastgeberin Tanndte Heete beglückt ihren Neffen mit ausführen Schilderungen des Verkehrs mit ihrem verstorbenen Mann, der für sein Leben gern Linsen und Erbsen aß und sie deshalb zumeist mit Düsenantrieb beackerte. Ein Feld also, das heutzutage von Comedians ausgiebig und gegenwartsnäher bearbeitet wird. Alte Fürze also, aber ich will gerne zugeben: kein Autor hat die Poesie des alltäglichen Weiberfurzes im jeweiligen Kontext schöner und ausführlicher beschrieben als Arno Schmidt in KAFF. Für Leser mit Freude am Thema Flatulenzen und einem Sinn für Historie ist KAFF sicherlich ein gefundenes Fressen.
2.2. Ein literarisches Festmahl für Feministinnen alter Schule
Für Leserinnen, die schon immer der Meinung waren, dass Männer denkbar unsensible Wesen sind, die ohnehin immer nur an das eine denken können und auch noch im denkbar falschesten Moment darüber reden müssen, liefern die real 270 Seiten eine lückenlose Beweisführung. Und dieses Kunststück ist dem Autor Arno Schmidt vermutlich unfreiwillig gelungen, da er sich so wenig um seine eventuellen Leser schert wie sein Held Karl Richter um die Befindlichkeiten seiner Kollegin Hertha, in die er sich am 6. Juni im Schwimmbad verguckt hat. Mit der grazilen Dreißigerin und in ihrer Isetta macht der bislang zu kurz gekommene Ende Oktober einen Wochenendausflug zu seiner „Tandte Heete“, einer inzwischen 60 Jahre alten Walküre, die das Frauenbild des damals 15jährigen Karl maßgeblich geprägt hat. Eine starke Frau, die vom Autor starke Worte zum Thema Vergewaltigung in den Mund gelegt bekommt, die Arno Schmidt zum Feindbild für viele Frauen stempeln werden: »Also vergewaltijen mein Jung : entweder mußDu vorher der Frau 1 midde Ackst übern Kopp gebem. Oder ws muß noch einer middn geladenen Gewehr daneben stehen«, beschreibt die Walküre ihre Einschätzung zum Thema. Dieses Statement erfolgt als Reaktion auf Karls Erzählung, dass Hertha den Eindruck hätte, er würde sie »erniedrijen«. Ein Umstand der besonders pikant vor dem Hintergrund ist, dass Hertha als 16jähriges Flüchtlingsmädel vom „ungewaschenen Mittelfinger“ eines Polen belästigt wurde und immer noch Alpträume davon hat. Sogar nachdem Karl sie mit seinem überaus sauberen Ihrwisstschonwas besucht, wenn auch nicht vollständig beglückt hat. Natürlich geht es nicht nur um das eine Thema, auch wenn es ein Grundärgernis ist, dass der Autor Arno Schmidt mit eventuellen Lesern so sensibel umspringt, wie Karl Richter mit seiner Hertha, die sich ihm immer wieder entzieht, aber nie von ihm und seinen Ansprüche in Ruhe gelassen wird. Natürlich kann ein Leser jederzeit das Buch zuklappen und Arno Schmidt einen guten Mann oder schlechten Autor sein lassen. Tatsächlich stellt sich beim Lesen von KAFF immer wieder der Eindruck ein, im realen Leben wäre es ein klinischer Fall, zwischen zwei Buchdeckeln ist es Kunst, egal wie ungenießbar. Aber worum geht es in dem Buch überhaupt?
3. Der Plot - Menage à trois unter besonderen Vorzeichen
Um ein Arschloch. Als solches entpuppt sich Karl Richter je länger desto öfter zwar, aber schon zu Beginn machen die unlängst aufgetauchten Hämorrhoiden dem Mann in mittleren, aber keineswegs besten Jahren schon sehr zu schaffen. Das beeinträchtige rektale Genusszentrum könnte auch ein Erklärungsmuster für die, gegenüber früheren Erzählwerken, gesteigerte Bedeutung von Ausscheidungsprozessen herhalten. „... die bestn Jahre? Das sind doch einwandfrei die zwischen 30 und 45. Was davor liegt ist Weltfremdheit: änsgtlich-schteiff-verkrammft-verloogn, Was danach kommt: Scheiße: sela“ lautet sein Psalm in sturmfreier Bude.
Fürs kreative und für Muster ist die Kollegin Hertha Teunert bei der Firma Falk zuständig, vielleicht auch ein Grund, warum der unausgesetzt wortschöpferische Lagerbuchhalter seiner Kollegin die männliche Überlegenheit permanent demonstrieren muss, während er sich von Tandte Heete so gut wie alles gefallen lässt. Eigentliche Zielsetzung der kostengünstigen Fahrt aufs Land, waren bessere Bedingungen für den Ausbau seiner Beziehung zu der eher unzugänglichen Dame zu treffen. Viel Unterhaltung gibt es nicht im Moorkaff Giffendorf an der Zonengrenze, also versucht er sie zwanghaft mit einer abgedrehten Mondkolonie-Satire kommunikativ zu halten oder das Verhältnis aufzulockern. Dabei outet er sich je länger, desto mehr als wortgeiler Psychopath, der sein literarisches alter ego von einer Peinlichkeit in die nächste Ekelhaftigkeit schickt. Auch die verwitwete Tante Heete, die zehn Jahre zu alt ist, um selbst noch mal ihre Reize ins Spiel zu bringen, versucht sich als Kupplerin und bietet ihren Bauernhof, samt Kapitel für 15 sorgenfreie Jahre bis zur Karls Rente, wenn sich die beiden entschließen sollten zu heiraten und zu bleiben. Doch Karl ist von Natur aus heiratsscheu, schon seine Vorfahren gingen erst dann notgedrungen zum Altar, wenn was unterwegs war. Seine zweite Sorge ist der Altersunterschied von 16 Jahren gegenüber seiner Begleiterin, die auch nicht wirklich vom Heiraten überzeugt ist, von ihm aber alle nur denkbaren Alibis geliefert bekommt.
4. Wortreiche männliche Allmacht versus weibliche Prüderie
Hertha lässt sich zwar von Karl begatten (S. 115f), hat aber nicht so schrecklich viel davon, geschweige denn einen Höhepunkt, denn sie hinkt hinter seinem Tempo hinterher. Dafür bekommt sie danach einen Alptraum vom Polen, der das seinerzeit 16jährige Flüchtlingsmädel mit der Figur einer Zehnjährigen gnadenlos durchsucht und dabei seinen ungewaschenen Mittelfinger eingesetzt hat. Erste Aufschlüsse über diese Vorerfahrung gibt es auf Seite 131. Immerhin belässt es Schmidt bei ihrem Ungenügen an den Akten mit Karl Richter nicht ausschließlich bei der Standarderklärung sämtlicher Romane der mindestens letzten 35 Jahre: »Erniedrijen,« schprach sie finster : »erniedrijen tutt ir mit Uns-Frauen mach'n.« (»Scheol_Scheol« rief ich protestierend dazwischen). - :»Und ooch Dein geliebtes wortreich; eebm: das iss es ! - Es iss doch sowieso immer am Kammf zwischen - »; und unterbrach sich und sichte nach Definitionen; » - zwischen Peinlichkeit und Genuß : mal iss a an Oogenblick schön. Dann schämt ma sich wieder. - Aber mit zuen Oogen, und ohne viele Worte : max gehen. Aber dann wieder Eener=wie=Du, der dauernd seine Glossn drüber macht. Und manches sind auch noch Witze. Also...« Karl ärgert sich erst darüber, dass sie schon wieder in unvollständigen Sätzen spricht, beteuert, dass er bei der Sache selbst doch still wäre. Sie antwortet: »Wenn De bloß amall n Munt-dabei-halltn könntzt, wenn Du ihn einführst...« »Vielleicht bin ich von der Mutter Natur ausdrücklich als 1 Gefäß für Worte angelegt, in dem schtändich probiert & rührt & komm-biniert?«, verteidigt er sein Bedürfnis bewusst und möglichst wortreich zu genießen. (Zu viel Geschwätz oder wortreiche Akt-Analyse ist auch heutzutage nicht bei jeder Frau populär.)
Falls die beiden zusammen sind, bedrängt er Hertha konstant verbal oder auch mit allerlei Zugriffen, denen sie mal nachgibt, ehe sie sich auf die nächste blöde Bemerkung entzieht. Entspannung gibt es nur bei der Vergangenheitsbewältigung im Zwiegespräch mit Tandte Heete, die aber ihrerseits kaum ein gutes Haar an Hertha lässte, die sie sogar in der Einkaufseuphorie im Anschluss an die Tour nach Zelle als „verkrammftis S-tückchen Fleisch“ (215) bezeichnet. Warum Hertha ausgerechnet Ende Oktober um jeden Preis bei Regen hinterm Haus schwimmen will, wird wohl immer ein Geheimnis von Arno Schmidt bleiben. Es sei denn, es ging ihm darum, seinen Helden Karl und dessen dauergedemütigte Angebetete ein weiteres mal vorzuführen. Die Stimmung bei diesem Badeausflug ist schon länger so, dass er endlich mal seine Klappe halten sollte, statt dessen meint er, beim Anblick des für ein paar Züge reichenden Gewässers, das Hertha auch nicht allzuviel zutrauen einflößt: „Es dürfte also - nehmt nur alles in allem - reichn für deine urinatorischen KünssDe“. Sie fährt herum, beschwert sich, dass er sich endlich mal was anderes einfallen lassen könnte. Karl wirft sich in Pose und meint: »Lateinisch: urie=na=tor: der Taucher.« „Und Schtille. Sie bad ap ... in reuijen Gebärden.“
Natürlich geht Hertha nicht mehr ins Wasser und auch Tandte Heete geht mit ihrem großzügigen Angebot letztlich baden. Das ungleiche Paar kehrt nach Nordhorn zurück und führt seine irgendwie missbräuchliches Beziehungs-Rituale fort: »KommsDe glei mitt zu mier?« [fragt Karl zum Schluss] »Nachher vielleichd« - Sie schlank den Arm ums Haupd, als emmfinge sie ein Schlak! (Dabei hatte ich ledicklich meine Haustürlampe angeknipst.)«
5. Fazit: Missbräuchliche Autor-Leserbeziehung
Als Rechtgläubiger oder Schmidtfan kann man durchaus dazu geneigt sein, in KAFF die präzise und gelungene Schilderung eines missbräuchlichen Verhältnisses zu sehen. Kann aber genauso gut sein, dass der Autor einfach seinen üblichen Themenkreis binnen fünf Wochen neu abgegangen ist. Manches blieb gleich: entschlossene Kinderlosigkeit, Kritik an der restaurativen Bundesrepublik, der Hass auf die Militärzeit und die Nazis. Rein werkgeschichtlich ist das Buch ein Mauserungsprozess, der irdische Plot trägt Züge seiner früheren Romane oder Erzählungen mit unglücklichem Ende (Brands Haide, Pocahontas), allerdings hat das in der Prosa der Fünfziger durchgängig vorhandene erst romantisch-jugendliche, dann männliche Selbstbewusstsein einen gehörigen Knacks bekommen. Den um die Altersthematik angereicherten Plot alter Schule mit der bislang kompliziertesten Braut reichert Schmidt durch die phantasielose, da vollkommen von den eigenen Lebensumständen, Unzulänglichkeitsgefühlen und Leseerfahrungen bestimmte Mondfantasie an.
Über seine Wortkunst mag man ja denken wie man will, die Kunst der brillanten Abschweifung wie die Romantiker beherrscht Schmidt oder sein Held sicher nicht. Und da der Plot viel zu dünn für die Etymogeleien und Wortspielereien ist, ist KAFF für die Leser wohl so erquicklich und abwechselungsreich wie ein Wochenende mit dem ganz auf sich und seine Bedürfnisse fixierten Karl für Hertha. Die Unterhaltungen mit Tandte Heete sind etwas gehaltvoller und bieten schon mal vier gut lesbare Seiten am Stück, trotzdem hat der Leser nur höchst selten festen Grund unter den Füßen. Wenn man den längsten literarischen Treibsand hinter sich gebracht hat, fühlt man sich vielleicht selbst fünfsternemäßig, aber ich bin trotzdem ehrlich genug, um zuzugeben, dass die Anstrengungen in keinem Verhältnis zum literarischen Lust- oder gar Erkenntnisgewinn standen. Hier gibt es nichts, zudem man sich aufschwingen könnte. Arno Schmidt betreibt ein missbräuchliches Verhältnis zu seinen Lesern, denen er jeden Dreck unter dem Deckmantel der Kunst unterjubeln kann. So deutlich wie in KAFF war mir das vorher nicht geworden. In den letzten 10 Monaten habe ich 5 von 8 Bänden der Zürcher Kasette bewältigt und den ständigen Kreislauf derselben Themen erlebt. Leviathan war knapp und brillant und enthielt schon alle wesentlichen Elemente im lebensbedrohlichen Kontext der Flucht in einem Eisenbahnwaggon mit einem dummen Pfaffen, dumpfen Nazis und der wieder interessierten Jugendliebe. Insgesamt sind mir seine Helden aber zu starr und empathiearm, auch wenn sie immer schon das Recht auf ihrer Seite hatten, was die Nazis anging und jeden noch so guten Grund diese Bundesrepublik zu verachten in der dieselbe Funktionselite schon wieder den Ton angibt. Aber für mich als Leser sind Geschichten viel interessanter, in denen einer dahinter kommt, dass er von den Braunen ausgebeutet oder hinters Licht geführt wurde und welche Konsequenzen er aus daraus zieht oder gezogen hat. Wie das Weiterleben nach vorher und hinterher nie für möglich gehaltenen Unmenschlichkeiten oder eigenen Untaten funktioniert und wie hoch der persönliche Preis dafür ist.
Mein erster Schmidt hat mir auf jeden Fall deutlich gemacht, dass es hier keine Grauzone gibt, sondern alles Schwarz oder weiß ist: Als Leser hasst man ihn - oder man liebt ihn.
Für Literaturwissenschaftler und Nerds mag er ein gefundenes Fressen sein, aber als Leser habe ich im manchmal die empfundene Anstrengung während des Lesens PERSÖNLICH übel genommen. Das muss man als Autor ja auch erst einmal schaffen. Die Geschichte an sich wäre ohne unnötige Essays über Karl May und Silberschlag schneller erzählt, ohne die experimentelle Ortographie dann noch mal schneller: Karl Richter versucht Hertha mithilfe seiner Tante rumzukriegen, dass sie endlich mal locker wird. Dazwischen wird es mit dem Mond-LG dann auch mal politisch, oder psychologisch, wenn die Kriegstraumata behandelt werden. Zumindest muss ich Schmidt lassen, dass seine Charaktere herrlich ambivalent geschildert sind und somit uns armen Studis viel Stoff für Hausarbeiten bietet ;). Zuweilen hat es mich leider eher angekotzt, dass Hertha von ihren beiden Peinigern fast erpresst wird, endlich die Beine breit zu machen, dass niemand so richtig sagt, was Sache ist und alle ihre Problemchen haben... aber vielleicht war das Sinn und Zweck des Buches, dass es mich manchmal so nervt. Ich schätze mal, dass es trotzdem nicht mein letzter Schmidt gewesen sein wird. Ich meine, ein Buch, das wegen Gotteslästerung einen Prozess durchmachen musste, kann nur so edgy wie sein Autor sein, oder?
nach 60 seiten wurde mir klar, dass der autor mich nur verarschen möchte. das buch wurde aus dem hause verbannt, wird im frühjahr zu humus verarbeitet, damit wenigstens irgendetwas praktikables daraus wird.
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Ich liebe Arno Schmidt, aber das hat sich wirklich gezogen. Es war nicht uninteressant, aber es lag auch wirklich vieles an der Prosa. War super spannend, aber ich bin auch echt froh, damit durch zu sein.