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Verdunstung in der Randzone

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»Kein Ruhetag« – so steht es auf der Tafel am Eingang. Ilijas Eltern betreiben eine Gastwirtschaft in Bayern. Er hilft schon als Kind in der Küche, wächst mit Pommes und Fritteusen auf. Wenn das Restaurant nicht mehr läuft, eröffnen die Eltern woanders ein neues.

Weil sein Vater gerne Tennis spielt, ermöglicht er seinem Sohn Tennisstunden. Im Verein findet Ilija neue Freunde und will wie sie aufs Gymnasium. Sein Leben entkoppelt sich zunehmend von dem seiner Eltern, besonders als sein Vater nach Kroatien zurückgeht. Doch etwas begleitet ihn durch die »Es riecht nach Pommes, Ilija kommt!« Der Satz eines Mitschülers, der ihn bis heute nicht mehr loslässt, wird zum Ausgangspunkt einer Verrät der Geruch die eigene soziale Herkunft?

Ilija Matusko verknüpft in seinem Debüt persönliche Erinnerungen mit soziologischen Beobachtungen. In zehn essayistischen Kapiteln erzählt er die Geschichte eines Bildungsaufsteigers – mit wachem Blick für die feinen Unterschiede, mit Witz und literarischer Schlagkraft.

238 pages, Paperback

Published August 21, 2023

10 people are currently reading
246 people want to read

About the author

Ilija Matusko

2 books5 followers
Ilija Matusko hat Soziologie und Politikwissenschaften studiert. Er lebt und arbeitet in Berlin, u. a. für die taz. Er war Stipendiat im Herrenhaus Edenkoben, im Alfred-Döblin-Haus und im Künstlerdorf Schöppingen. Sein Debüt "Verdunstung in der Randzone", für das er vor Erscheinen ein Stipendium des Fritz-Hüser-Instituts erhielt, erschien 2023 im Suhrkamp Verlag.
Ilija Matusko studied sociology and political science. He currently lives and works in Berlin. He has been a fellow at Herrenhaus Edenkoben, the Alfred Döblin House, and the Künstlerdorf Schöppingen. His debut work, "Verdunstung in der Randzone" (Evaporation in the Boundary Zone), which received a scholarship from the Fritz Hüser Institute before its publication, was published in 2023 by Suhrkamp Verlag.

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Displaying 1 - 15 of 15 reviews
Profile Image for Anne.
18 reviews3 followers
April 28, 2024
Ich fühle so viel, deswegen hier meine Lieblingsabschnitte:

,,Etwas in mir will mit ihnen, diesen Klugscheißern und Schlaumeiern und Besserwissern (von denen ich ja selbst einer geworden bin), nichts zu tun haben. Immer auch von dort weg, wo ich jetzt bin.‘‘

,,Eine Stelle bei Rainald Goetz, sinngemäß: Geld aus dem Fenster werfen mache nur Spaß, wenn man nichts davon habe, sonst sei es völlig idiotisch.
Ich kenne dieses Gefühl, das Geld sinnlos aus dem Fenster zu werfen, um mir zu beweisen, nicht abhängig vom Geld zu sein (weil ich es in Wahrheit bin).‘‘

,,Die Angewohnheit meiner Mutter, Wörter falsch auszusprechen: ,Tuti-Free-Shop’, ,Vellness‘.‘‘

,,Ich bin bis heute froh über diese mir zugestandenen Freiheiten. Aber ich erkenne darin auch einen Mangel. An Lenkung, Einwirkung und Verantwortung. Weil mein Vater und meine Mutter nichts über Bildung wussten.‘‘
Profile Image for blume4000.
23 reviews1 follower
August 1, 2024
Zugänglich und interessant für mein Recherchevorhaben: Geruch als Klassenmarker; Geruch und Klasse; Der Geruch von Arbeit; …

Durchweg interessant, wenn auch viel „faselig.“ Ich lese gerne von osteuropäischen Menschen mit indirekter oder direkter Migrationserfahrung in DE.

Hat sich angefühlt wie eine cute Unterhaltung. Ich kam nicht schnell durch, aber das liegt an mir. Hab momentan nicht so viel Spaß am Lesen. Marius guckt CSGO Livestream und spricht nicht mit mir, deshalb hab ich die letzten 100 Seiten jetzt in einer Session durchgehauen.

Hat Spaß gemacht!!
Profile Image for Tobias.
86 reviews9 followers
January 3, 2024
„Die sich immer wieder aufdrängende Frage, für wen das alles eigentlich geschrieben ist. Für ein bildungsbürgerliches Publikum, das Geschichten von „da unten“ lesen will? Um in Gesprächen zu beweisen, auch diese Form der Ungleichheit ( wie andere auch) zu kennen und rhetorisch zu beherrschen? Oder schreibe ich den Text für mich, als Beweis, selbst nicht mehr „unten“ zu sein?“

Das Zitat findet sich auf Seite 51 dieses wundervollen Buches und es beschreibt gleichzeitig so oft meine Gedanken während des Lesens. Mensch muss dieses Buch nicht am Stück lesen, sondern kann es auch immer mal wieder zur Seite legen und die Worte wirken lassen, oder Mensch liest es möglichst am Stück. Zwischen den Jahren und während der freien Tage am Anfang des neuen Jahres, bevor der berufliche Alltag wieder zuschlägt, bei welchem sich oft selber die Frage von oben wiederholt.

Ilija Matusko führt auf spannenden Wegen in seine eigene Vergangenheit und beschreibt dabei zwar dieses eigene Leben aber immer mit dem Blick auf der Meta-Ebene.

Auch wenn ich nicht aus einer Gastro-Familie komme, so kann ich als Arbeiter:Innenkind mich oft wiederfinden in den Worten.

Taucht also ein in die Welt, lernt Neues oder schaut auf eure eigene Vergangenheit und holt euch eine Pommes.
Profile Image for Suna Oz.
124 reviews10 followers
October 13, 2024
Das war großartig. Ilija Matusko schreibt mit einer Sprache, die bewegt, die genau da trifft, wo sie ansetzt, mit Witz und ich habe es geliebt. Was für ein ehrliches Buch über Klassen, Arbeit und Entfremdung, so persönlich und gleichzeitig so allgemein gültig.
Das Schreiben als Befreiungsakt, aber wovon eigentlich?
Profile Image for Pipo.
23 reviews1 follower
October 17, 2024
Fragmentierte Textteile, nicht nur zugänglich, mutig, aber es funktioniert, Inhalte soo gut. Für alle reichen & armen Kinder.
Profile Image for Jona.
33 reviews1 follower
September 7, 2024
Wieder Welternwandlertum, Zwischenbereiche. Diesmal Deutschland, aber mit Migrationshintergrund, Gastro, haftendem Geruch. Es geht um: Pommes, Autos, Tennis, Schrankwände, Fotos in Kisten. Es geht auch um: Fett (werden), Kultur(losigkeit), (Gast)Arbeit(slosigkeit), Erfolg(slosigkeit), Geld(losigkeit), den Antrieb es anders zu machen, das Schreiben, die Entfremdung als Konsequenz. Und es geht um: Rumhängen im luftleeren Raum, der sich nicht öffnet und nicht zu träumen erlaubt, sondern der von einem penetranten Essensgeruch durchzogen ist. Blick von außen auf diesen Raum, der mit dem Verlassen nicht mehr richtig greifbar ist, die Luft ist jetzt klarer. Aber fragmentiert bleibt die Identität trotzdem, ein Teil ihrer ist immer noch in diesem Raum. Die Konsequenz: „In deiner Wohnung passt ja nichts zusammen!“ Weiter: „Wie schreibt man von einem Ort aus, der sich »zwischen den Klassen« befindet? Wechselt man, von Abschnitt zu Abschnitt, hin und her, oder schafft man ein Amalgam?“

Ein Buch über Klassenunterschiede und -mobilität, das nicht in ergebnislose Kapitalismuskritik ausufert. Fragmentierte Beschreibungen eingeimpfter Dogmen und eines vergangener, verworfener Lebensentwurfs, Anerkennung dessen, dann Deutungsversuch, Zerlegung in Einzelteile und Ausbreitung für den Leser. „Zwischen Beschönigung, Dramatisierung, Diskreditierung und Rehabilitierung.“ Ehrliches Schreiben als Befreiungsakt. Sehr gelungen!
Profile Image for Caro.
194 reviews1 follower
October 27, 2024
«Meine Erinnerungen an meine Familie sind untrennbar mit der Küche, der Theke, dem Gastraum verbunden, damit verwachsen», schreibt Ilija Matusko in ‘Verdunstung in der Randzone’.
In seinem Debüt befasst sich Matusko damit, wie Gerüche unsere Identität prägen können und wie es ist, der Bildungsaufsteiger der Familie zu sein, sich damit auch ein Stück weit von dieser zu entfernen – «Wenn ich etwas mehr erzählte von den Uni, von meinem Leben, von der Stadt, dann spürte ich oft diese Leere, in die meine Worte hineinfielen […] Wir sprachen nicht mehr dieselbe Sprache.»

Ein wirklich starker und eloquenter Essay, in dem Autobiografisches und soziologische Diskurse miteinander verwoben werden.

«Der Übergang von einer Welt in die andere ist mit Dingen verbunden, Dingen und Gewohnheiten, die ich zurückgelassen, und anderen, die ich mir angeeignet habe. Eigenes wurde mir fremd, Fremdes habe ich mir zu eigen gemacht.»
1 review
January 3, 2025
Ilija Matusko erzählt in seinem Werk vom sozialen Aufstieg – nicht als klischeehafte Tellerwäscher-Geschichte, sondern als ehrlichen und erfrischenden Blick auf den Weg eines Arbeiterkindes zum Bildungsbürger. Mit feinem Humor und persönlicher Offenheit schildert er die Herausforderungen und inneren Konflikte eines Lebens zwischen zwei Welten. Besonders beeindruckend sind die Einblicke in das Gefühl des Nicht-Dazugehörens und die Reflexion darüber, wo der Protagonist letztlich seinen Platz findet. Ein berührendes, kluges und äußerst unterhaltsames Buch, das gesellschaftliche Barrieren sensibel und pointiert thematisiert.
35 reviews
Read
July 18, 2024
Ganz viel von Édouard Louis’ ‘Anleitung ein anderer zu werden’, der Klasse imo etwas differenzierter denkt, aber Matusko geht das ja deutlich fragmentierter und mit anderem Fokus an, daher natürlich beides legitim und lesenswert.

Wertung schwierig, weil so lose und scheinbar zusammenhangslos. Wenn ich aber müsste, zw 3,5 und 4
Profile Image for Lilli Oev.
33 reviews1 follower
December 27, 2025
Diesen Septmeber am Strand von Kreta gelesen. über den Geruch von Friteusenfett, bei dem gleich auch der Geruch von migrantischer Armut mitschwingt. Inspiriert hat mich die beschriebene Technik des Autors, einen oder verschiedene Fließtexte auszudrucken, sie dann den Paragrafen nach auszuschneiden und neu anzuordnen.
Profile Image for Eva Aumüller.
12 reviews1 follower
September 11, 2023
Ein besonderes Buch! Ich liebe es, wie das Dilemma gesellschaftlichen Aufstiegs und die Schwierigkeit damit umzugehen aus der Perspektive des Autors illustriert wird.
10 reviews3 followers
October 8, 2023
Ähnliche Reflexionen wie in Rückkehr nach Reims von Didier Eribon, nur halt im künstlerischen/literarischen (und nicht im Akademischen) Feld
4 reviews
March 17, 2024
Große Empfehlung!

Wunderbar geschrieben und zusammengestellt.

Ich konnte es nicht aus der Hand legen und mir an einigen Stellen ein verbündetes Schmunzeln nicht verkneifen.
Profile Image for Alina.
33 reviews20 followers
March 24, 2025
We will die the class that we were born, a class of our own.
Profile Image for Katja.
19 reviews
October 14, 2025
Sollte mehr Autosoziobiografien lesen. Finde das ein tolles Genre. Konnte mich gut in die Geschichte einfühlen, was mir gefallen hat, aber gepackt hat sie mich einfach nicht wirklich.
Displaying 1 - 15 of 15 reviews

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