Den Zeitreisenden Tobias verschlägt es aus dem 21. Jahrhundert ins Jahr 1842. Im alten Hamburg kommt er einer teuflischen Verschwörung auf die Spur. Ein unheimlicher Serienkiller schleicht durch die dunklen Gassen der Hafenstadt. Freimaurer, Alchimisten und Erfinder knüpfen ein bedrohliches Netz um den jungen Mann aus der Zukunft. Tobias' Suche nach seiner verlorenen Zeitmaschine wird zu einer Achterbahnfahrt voll tödlicher Überraschungen - bis sich mit einem gewaltigen Feuer die Pforten der Hölle öffnen. Wird Tobias den Verlauf der Geschichte ändern können?
Als Tobias kurz vor Weihnachten ein Paket von einem Fremden erhält, so wie jedes Jahr, stellt sich das Leben des jungen Medizinstudenten auf einmal Kopf. In dem Paket befindet sich ein seltsamer Stab und eine Nachricht, in der ihm gesagt wird, er solle in ein Uhrengeschäft kommen und eine geheimnisvolle Apparatur benutzen. Zunächst sehr skeptisch nimmt Tobias diese Einladung an und sieht sich schneller als er denkt im Hamburg des 19. Jahrhunderts wieder. Genau genommen im Hamburg des Jahres 1842. Soll er tatsächlich in der Zeit gereist sein? Doch nicht nur die Tatsache, dass er die Zeitmaschine verloren hat, nein, er gerät in laufende Mordermittlungen und wird verdächtigt, ein brutaler Serienmröder zu sein. Als er schließlich in das Visier der Freimaurer gelangt und Hamburgs vernichtender Jahrhundertbrand bevorsteht, weiß Tobias, dass er alles versuchen muss, um das zu verhindern...
MEINE MEINUNG
Ich bin ja ein großer und bekennender Thomas Finn-Fan und war sehr erfreut, als ich herausfand, dass es einen Zeitreiseroman von dem Autor gibt, den ich noch nicht gelesen habe. Ohne groß auf den Inhalt zu achten, habe ich ihn dann gekauft und ich habe es beim Lesen kein Stück bereut.
Ich fand es beim Lesen mal wieder sehr angenehm, einen etwas "älteren" Protagonisten vor mir zu haben. Ich vermute mal, dass Tobias um die zweiundzwanzig oder dreiundzwanzig Jahre alt ist. Er studiert Medizin (auch wenn das im Buch meiner Meinung nach zu wenig Beachtung bekommen hat) und hat gerade eine zweijährige Beziehung hinter sich. Seine große Leidenschaft gilt dem Fechten, in dem er von dem Fechttrainer Gerresheimer persönlich unterrichtet wird, da er als Naturtalent gilt. Über Tobias weiß man zu Beginn recht wenig. Man erfährt lediglich, dass er eine Waise ist und keinerlei Erinnerung an seine frühe Kindheit besitzt. Dennoch schickt ihm jedes Jahr zu Weihnachten ein Fremder ein Paket mit Geschenken. Ich fand es ganz interessant, Tobias zu begleiten und mehr über seine Vergangenheit zu erfahren, die er in diesem Buch erforscht und kennen lernt.
Der Beginn hält sich nicht lange mit Erzählungen auf, stets ist der große Brand in Hamburg von 1842 ein Thema in dem Buch und wird schon anfangs erwähnt. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erlebt. Einmal von Tobias und einmal von dem Polizeiaktuar Klettenberg, der im Jahr 1842 in Hamburg in den Serienmorden ermittelt. Die Szenen, die sich im vergangenen Hamburg abspielen beinhalten viel Platt und in einer Rezension auf Amazon wurde das stark kritisiert und als "unlesbar" bezeichnet. Ich gebe zu, ich war ein wenig skeptisch, ob es wirklich so anstrengend und schwierig sein würde, das Platt zu lesen, doch tatsächlich war es sehr einfach und ich konnte alles verstehen. Man brauchte für diese Sätze vielleicht ein klein wenig länger als gewöhnlich, aber es ist keinerlei Information verloren gegangen und alles konnte man sich ohne Probleme erschließen, auch als Nicht-Hamburgerin. Daher kann ich diese Aussage, das Buch sei wegen des geschriebenen Dialektes nicht lesbar, überhaupt nicht zustimmen. Lasst euch davon nicht abschrecken.
Das Buch entpuppt sich zu einem spannendem Katz-und-Maus-Spiel und auch die Zeit arbeitet gegen Tobias. Denn während er den wahren Serienmörder sucht, naht der Tag des großen Brandes und er muss sich vor der Polizei verstecken. Bei seinen Ermittlungen trifft er allerhand berühmte Persönlichkeiten aus der Zeit, wie zum Beispiel den Aalweber, William Lindley und Heinrich Heine, mit dem ihm sogar so etwas wie Freundschaft verbindet und der zu einem seiner wichtigsten Verbündeten wird. Aber neben den berühmten Männern trifft er auch eine junge Frau, Caroline Lewald, die ihn seine verlossene Liebe ganz schnell vergessen lässt. Doch da stellt sich die Frage, ob eine Liebe Zukunft hat, die in einer Zeit spielt, in die man nicht gehört?
Neben der spannenden Handlung besticht auch wieder der Schreibstil vom Autor Thomas Finn. Auch wenn ich selber noch nie in Hamburg war, so konnte ich mir anhand der anschaulichen und detaillierten Beschreibungen, die dennoch nie zu überladen sind, die Hansestadt bildlich sehr gut vorstellen und vor allem die Altstadt, die heute ja nicht mehr erhalten ist. Auch der Charakterausbau ist für einen Einzelband durchaus gelungen und ich musste lange raten, wer nun wie mit wem was zu tun hat. Besonders hervorheben möchte ich den "Uhlen" Borchert, der tiefstes Platt spricht, aber für die lustigsten Sprüche im ganzen Buch sorgt und mit seiner Art einfach unheimlich sympathisch ist. Er dient hier als sogenannter Side-Kick und meistert seine Aufgabe mit Bravour.
Mit der Zeit nimmt alles Formen an und als Leser hat man schon seine ersten Vermutungen, welche Auswirkungen Tobias' Reise in die Vergangenheit haben werden. Zwar entdeckt man beim Lesen den ein oder anderen Logikfehler (das bleibt bei Zeitreiseroman wohl einfach nicht aus), aber es ist nichts, was das Lesevergnügen in irgendeiner Art beeinträchtigen könnte. Ein bisschen Schade sind die Rechtschreib- und Tippfehler, so wird aus Justus auch einmal Julius und dergleichen. So etwas hätte dem Lektor/der Lektorin eigentlich auffallen müssen. Und ein wenig unlogisch ist vielleicht, dass Tobias sich recht schnell in der Vergangenheit zurecht findet und sogar die etwas hochgestochene Mundart sehr leicht übernimmt. Aber wenn man bedenkt, dass das Buch nur knapp 400 Seiten hat, da muss man eben auch Abstriche machen. Dennoch überwiegen in dem Buch ganz klar die positiven Aspekte und ganz besonders das Ende, das zu einem aufregendem Showdown wird, lässt alle Fans von Actionszenen auf ihre Kosten kommen. Zum Schluss werden noch einige offenen Fragen beantwortet - einiges hatte ich schon vermutet, anderes überraschte mich sehr. Besonders gut hat mir die Hommage an H. G. Wells gefallen, der ja den bekannten Klassiker Die Zeitmaschine geschrieben hat.
FAZIT
Trotz kleinerer Schwächen in der Zeitreise-Logik handelt es sich hierbei um einen tollen Zeitreise-Roman, der mich von der ersten Seite bis zu letzten fesseln konnte. Tobias ist ein sympathischer Charakter und ich habe ihn gerne auf seiner Reise begleitet. Auch die anderen Charaktere mochte ich und ich hatte viel Freude beim Lesen. Der Schreibstil von Thomas Finn half mir sehr, mich in die Geschichte einzufinden und einen spannenden Krimi im Hamburg des 19. Jahrhunderts zu erleben. Ich vergebe abschließend vier Sterne.
Hier eine Rezension von mir, die heute auch im Steampunk Magazin "Clockworker" erschienen ist.
Zum Inhalt Der Medizinstudent Tobias gelangt mithilfe einer Zeitmaschine aus dem 21. Jahrhundert ins Jahr 1842. Im alten Hamburg kommt er einer teuflischen Verschwörung auf die Spur, und ein Serienmörder geht um in der Hansestadt. Freimaurer, Alchimisten und Erfinder knüpfen ein bedrohliches Netz um den jungen Mann aus der Zukunft. Tobias’ Suche nach seiner verlorenen Zeitmaschine wird zu einer Achterbahnfahrt voll tödlicher Überraschungen – bis sich mit einem gewaltigen Feuer in Hamburg die Pforten der Hölle öffnen. Wird Tobias den Verlauf der Geschichte ändern können?
Eigene Meinung Das Hamburg des Jahres 1842 wird sehr detailliert beschrieben, und hier wird deutlich, dass der Autor die historischen Begebenheiten intensiv recherchiert hat. Das ist eine große Stärke des Romans. Nicht nur die Zeitmaschine (die deutlich angelehnt ist an jene aus dem Roman von H.G. Wells) ist hier ein Steampunk-Element, denn unter den Nebenfiguren gibt es einen Erfinder, der selbst auch Erfindungen aller Art sammelt, und darüber hinaus werden auch die Wissenschaften jener Zeit thematisiert – bis hin zu einer fragwürdigen Forschung der eher okkulten Art, was dann entsprechend auch an verrückte Wissenschaftler erinnert, die ja in Steampunkromanen häufig anzutreffen sind. Man könnte das Buch aber auch ohne weiteres als historischen Krimi mit Science-Fiction-Elementen betrachten. Die Hauptfigur ist mit zahlreichen Eigenschaften ausgestattet, die sich für die Handlung als hilfreich erweisen: Tobias verfügt durch sein Studium über medizinische Kenntnisse, hat in seiner eigenen Zeit Fechten gelernt und interessiert sich darüber hinaus auch für Geschichte. Gelegentlich wird dieses Wissen ein wenig übertrieben, z.B. weiß Tobias ohne vorherige Anleitung, wie man Pferde lenkt, die eine Kutsche ziehen. Auch kommt es kaum zu einer Reflektion über seine bizarre Situation. Er denkt zwar über die Zeitmaschine nach, macht sich aber so gut wie keine Sorgen, ob er jemals wieder in seine eigene Zeit kommen wird. Was allerdings das Lesevergnügen nicht schmälert aus meiner Sicht, denn die Handlung ist von Beginn an spannend und dies wird zum einen durch die Geschichte um den Serienmörder, zum anderen durch den großen Brand in Hamburg noch intensiviert. Die Nebenfiguren, darunter der Polizeiaktuar Kettenburg (das historische Pendant zu einem Kommissar), der Wachmann Borchert und Professor Lewald sind mit sehr viel Liebe zum Detail und anschaulich ausgearbeitet. Im Roman wird übrigens teilweise auch Hamburger Plattdeutsch, Französisch, Hessisch und Jiddisch gesprochen, aber der Autor hat die entsprechenden Dialoge so geschickt geschrieben, dass man das Gesagte auch ohne entsprechende Kenntnisse aus dem Zusammenhang erschließen kann, z.B. durch die hochdeutschen Antworten anderer Figuren. Einige historische Persönlichkeiten tauchen ebenfalls auf und greifen teilweise auch an wichtiger Stelle in die Handlung ein. Auch hier hat der Autor intensiv recherchiert. Wer sich für die historischen Hintergründe interessiert, sollte das Dramatis Personae und das Nachwort lesen. Einen schönen Gag gibt es übrigens im letzten Kapitel des Buches, der wiederum H.G. Wells Fans freuen dürfte.
Fazit: Ein spannender, sehr gut recherchierter historischer Roman mit Steampunk/Sci-Fi Elementen und viel Hamburger Lokalkolorit. Fans historischer Krimis und LeserInnen, die sich für die Hamburger Geschichte im 19. Jh. interessieren, dürften an diesem Roman besonderes Vergnügen finden. Zeitreisen findet man in deutschsprachigen Steampunk-Büchern bisher eher selten, und hier wird dieses Thema gelungen umgesetzt.
Der Roman (420 Seiten) ist aktuell überall als E-Book erhältlich, die Printausgabe wird nicht mehr aufgelegt, kann aber als Sammlerstück oder Second-Hand-Ausgabe noch gefunden werden.
Der Hamburger Medizinstudent Tobias steckt kurz vor Weihnachten in einem Tief - wo soll er bloß die Festtage verbringen, da er keine Eltern mehr hat und vor kurzem von seiner Freundin sitzengelassen wurde?
Da erreicht ihn ein Päckchen mit einem merkwürdigen Gegenstand. Der beiliegende Brief führt ihn in eine Uhrmacherwerkstatt ... und von dort über 150 Jahre in die Vergangenheit, in den Mai 1842.
Er findet Zuflucht bei der Familie Lewald, deren Tochter Caroline er vor einem Kutschenüberfall gerettet hat, und erfährt, dass in Hamburg Angst und Schrecken herrscht, ausgelöst von einer rätselhaften Mordserie.
Doch auch bei den Lewalds geht es nicht sehr ruhig zu. Nachdem Tobias direkt bei seiner Ankunft in der Vergangenheit schon verfolgt wurde, findet er eines Nachts Eindringlinge im Haus vor, die ihm ans Leder wollen - und merkwürdige Masken tragen.
Tobias gerät nicht nur unfreiwillig ins Visier der Polizei, sondern auch auf die Spur einer gefährlichen Geheimverschwörung ... und wenig später steht halb Hamburg in Flammen ...
Ein sehr gelungener Mix aus Kriminalroman, Verschwörungsthriller und Zeitreisegeschichte. Das alte Hamburg wird vor dem inneren Auge des Lesers lebendig, heraufbeschworen durch anschauliche, atmosphärische Schilderungen, liebenswert-verschrobene Gestalten und eine gute Prise Lokalkolorit. Einige Personen, die im Dialekt sprechen, hörte man förmlich lebensecht reden.
Je weiter ich kam, je vollständiger sich die Puzzleteilchen der Handlung zu einem Gesamtbild fügten, umso weniger konnte ich das Buch aus der Hand legen. Eine Empfehlung!
09/10 Punkte ist mir diese Story wert. Zwar hat sie einige kleinere Fehler in der Zeitreise-Theorie an sich, aber durch die Spannung und hervorragende Lesung von Oliver Rohrbeck ist es ein wirkliches Vergnügen.