Goldenes Horn, Bosporus, das alte Byzanz: Angelika Overath erzählt von einer Stadt voller Schönheit und Widersprüche, in der eine unerwartete Liebe möglich wird.
Einen Winter will Cla, Religionslehrer aus dem Engadin, in Istanbul verbringen. Er arbeitet an einer Studie über die Konstantinopel-Mission von Nikolaus von Kues. Doch kaum lernt Cla den jungen türkischen Kellner Baran kennen, taucht er mit ihm ein ihn die Stadt: Sie streifen durch die Gassen und über Märkte, sitzen am Meer und in Cafés, gehen ins Hamam. In ihren Gesprächen prallt die spätmittelalterliche Welt mit ihrer Trennung in Ost- und Westkirche unmittelbar auf das religiös gespaltene Istanbul der Gegenwart. Bei einem geheimen Treffen der Derwische erlebt Cla, wie nah sich christliche Mystik und islamischer Sufismus sein können. Ohne es zu wollen hat er sich in Baran verliebt. Erst als seine Verlobte aus der Schweiz zu Besuch kommt, begreift Cla, wie weit er aus seinem Leben gefallen ist.
Die erste Hälfte des Buches hat mich total fasziniert, es hatte mich gepackt und ich bin versunken in der literarischen Sprache, dem poetischen Erzählstil und der winterlichen Atmosphäre Istanbuls.
Leider hat sich das Gefühl für mich in der zweiten Hälfte nicht gehalten. Mir persönlich war der historische Teil (hier erzählt Cla die Geschichte rund um die Konstantinopel-Mission von Nikolaus von Kues zu welcher er forscht und die es in dieser Form tatsächlich gab) schlichtweg egal, es hat mich nicht interessiert, ich wollt mehr von Cla und Baran lesen. Die zweite Hälfte konnte meine Faszination nicht aufrechterhalten.
Schön zu lesen, war wie Cla in seiner Zeit in Istanbul in der Stadt eine Art Zuflucht findet und einen Raum der Reflexion. Er setzt sich mit seiner Vergangenheit und Identität auseinander. In der ersten Hälfte des Buches gab es auch einige wunderschöne, gedankenanregende Passagen. Angelika Overath beschreibt die winterliche Atmosphäre Istanbuls in eindrucksvollen Bildern und schafft es, die Stimmung der Stadt und die innere Welt von Cla miteinander zu verweben.
The first half of the book totally fascinated me, it had me gripped and I was immersed in the literary language, the poetic narrative style and the wintry atmosphere of Istanbul.
Unfortunately, this feeling didn't last for me in the second half. Personally, I simply didn't care about the historical part (where Cla tells the story of Nicholas of Cusa's mission to Constantinople, which he is researching and which actually existed in this form), I wasn't interested, I wanted to read more about Cla and Baran. The second half couldn't maintain my fascination.
It was nice to read how Cla finds a kind of refuge in the city during his time in Istanbul and a space for reflection. He comes to terms with his past and his identity. There were also some wonderful, thought-provoking passages in the first half of the book. Angelika Overath describes the wintry atmosphere of Istanbul in impressive images and manages to interweave the mood of the city and Cla's inner world.
Es ist eigentlich eine ganz faszinierende Geschichte! Man taucht ein ins Istanbul der Gegensätze, eine Stadt in der Welten aufeinandertreffen und sich miteinander vermengen. Orient und Okzident, Vergangenheit und Gegenwart, Islam und Christentum, Asien und Europa, Moderne und Tradition. Genauso trifft Cla hier auf Baran, und ihre Leben vermengen sich miteinander zu einer großen Liebe.
Angelika Overath findet wunderbare Sprachbilder, für diese Gefühle, für diese Stadt. Man fühlt und schmeckt und riecht alles genau mit, als wäre man selbst mittendrin.
Ich weiß, dass mir dieses Buch zu einer anderen Zeit bestimmt noch viel besser gefallen hätte. Obwohl ich mich darauf gefreut hatte es zu lesen, war ich doch aus irgendeinem Grund nicht in der richtigen Stimmung dafür, und konnte mich nicht gebührend darauf einlassen. Es tut mir leid um das Buch, weil es bestimmt mehr Aufmerksamkeit und Geduld verdient hätte. Doch so reicht es letztlich doch nur für zwei Sternchen: "war ok".
„Es war dieser eine Winter in Istanbul, der bald vorbei sein würde. Warum sollte er nicht einen Winter haben! Einen Winter nur für sich.“ (Zitat Seite 169)
Inhalt Cla, fünfundvierzig Jahre alt, Religionswissenschaftler, ist Gymnasiallehrer an einer internationalen Schule im Engadin. Sein Spezialthema ist der Dialog zwischen den Religionen und als ihm die Stiftung einer Schweizer Privatbank ein Forschungsstipendium in Istanbul anbietet, nimmt er dieses an. Während ihn sein Cusanus-Projekt zurück in den Winter 1437/38 führt, entdeckt er durch Baran, einen jungen Kellner, Stadtführer, Schauspieler, Übersetzer mit türkisch-griechischen Wurzeln, das heutige Istanbul im Winter abseits der Touristenwege. Er verliebt sich in diese lebhafte, bunte, vielseitige Stadt, und nicht nur in die Stadt. Seit zwei Jahren lebt er in einer festen Beziehung mit Alva, doch nun fragt er sich, ob er dabei ist, sich zu verlieren, oder ob er sich gerade erst wirklich findet.
Thema In diesem Roman geht es einerseits um mögliche Dialoge zwischen den Religionen, um das vor sechshundert Jahren gespaltene Konstantinopel und um das heute ebenso gespaltene Istanbul. Gleichzeitig geht es um wichtige persönliche Entscheidungen, Selbstfindung, mögliche neue Lebenswege und die Liebe in vielen Facetten.
Erzählform Angelika Overath schildert abwechselnd die Begegnungen, Entdeckungen und Erlebnisse von Cla während der Wintermonate in der heutigen Zeit und die geschichtlichen Ereignisse einer Reise, die vor beinahe sechshundert Jahren, ebenfalls im Winter, stattfand. Die Handlung ist eingebettet in poetische, lebhafte und eindrückliche Beschreibungen der ungemein vielfältigen Schönheit der Stadt Istanbul. Diese Geschichte von Cla, Alva und Baran wird in dem Roman „Unschärfen der Liebe“, erschienen am 12. April 2023, fortgesetzt. Ich habe die beiden von der Art des Erzählens her völlig unterschiedlichen Bücher in umgekehrter Reihenfolge gelesen und es hat mein Lesevergnügen nicht geschmälert.
Fazit Angelika Overath ist eine wunderbare, vielseitige Erzählerin, deren Sprache alle Facetten zwischen einfühlsam, poetisch, nachdenklich, kritisch und lebhaft, spannend umfasst.
Etwas sehr Zartes, ein Wissen um unsere Zerbrechlichkeiten wohnt in diesem Buch vom Bosporus, der Geschichte eines Zauderns, einer Flucht in die Vergangenheit. Der leicht spröde Schweizer Religionslehrer Cla nimmt sich eine Auszeit von seinem extrem vernünftigen, gut sortierten Alltag an der Seite seiner gnadenlos mädchenhaft heiteren Lebensgefährtin Alva, ebenso Lehrerin von Beruf, deren Vorname an eine sprudelige Mineralwasser-Marke erinnert, und das passt auch ganz gut. Cla will in einem – ja, so auch der Titel – Winter in Istanbul über Nikolaus von Cues forschen, der 1437 den byzantinischen Kaiser auf einer Schiffsreise von Konstantinopel nach Venedig begleitet hatte. Das Ziel: Die römisch-katholische Kirche des Westens sollte mit der griechisch-orthodoxen Kirche des Ostens endlich versöhnt werden, bevor die Spaltung dem Imperium von Konstantinopel ganz den Garaus macht. Das knochentrockene Forschungsvorhaben verwandelt Overath in Tagtraum-Vignetten ihres Helden zwischen dem Hauptgeschehen in eine spannende Meditation über die politische Wirkmacht der Religionen und die historischen Dynamiken, die zwischen den Weltregionen zu allen Zeiten stetig hin- und herschwingen. Doch vor allem interessiert sich die vielfach ausgezeichnete Autorin für die Lebenskrise eines Menschen mittleren Alters, wie schon in anderen ihrer Bücher. Diesmal vor der mit wenigen, dafür gut gesetzten Details atmosphärisch wunderbar etablierten Kulisse eines windigen, winterlichen Istanbuls – mysteriös, melancholisch, majestätisch. Man hört die sich im Wind verlierenden Möwenschreie über den Fährstellen, am kalten Wasser. Overaths Sprache, klassisch karg, schafft es, Stimmungen zu setzen, ohne Klischees auszuspielen – ja, es gibt Dampfbäder, Apfeltee und Derwische in diesem Roman, aber das alles wird nur leichthin angenickt, zierliche Zitate. Cla lernt Baran kennen, einen jüngeren, tiefsinnigen Theatermacher und Kellner, der in einem Café mit "beiläufiger Grazie" serviert – eine schöne Umschreibung, die man auf "Winter in Istanbul" selbst ausweiten könnte. Die letztlich unvermeidbare, eigentlich erst so unwahrscheinliche Liebesgeschichte, die sich aus diesem Treffen entwickelt, trägt viel Wehmut, Traurigkeit, Nachträglichkeit in sich, aber auch den bezwingenden Zauber des Zufalls. Dann kommt Alva aus dem Engadin an – und Overath brilliert als Erzählerin von Grundsatzentscheidungen, ganz neue Nuancen kommen noch in ihre Figuren, je hoffnunglos verwickelter die Lage zwischen den drei Liebenden an der Meerenge wird. Ihr Buch ist voller Sanftheit und Verständnis, für alle Parteien, auch für diese glanzvolle, dreifache Stadt (Konstantinopel, Byzanz, Istanbul) und ihre hochkomplizierte, schillernde, manchmal auch erschreckende Historie.
Eine gefühlvolle Geschichte eines Mannes auf der Suche nach sich selbst. Dabei treibt es ihn nach Istanbul, wo er sich die Frage stellen muss, was er eigentlich möchte.
Es ist eine zarte Geschichte, die Overath hier erzählt. Genauso zart wie die Liebesgeschichte, die sich im Schmelztiegel Istanbul zwischen Cla und Baran entwickelt. Daneben reisen wir aber nicht nur quer durch die riesige Stadt, sondern kehren auch immer wieder in ihre glorreiche Vergangenheit zurück.
Immer wieder werden wir vor schwierige Entscheidungen gestellt. Manchmal fühlen wir auch, dass etwas in unserem Leben nicht stimmt. So geht es Cla. Deshalb muss er raus aus den Bergen, rein in die Stadt. Das Bild, das Overath von Istanbul zeichnet, lässt diese fremde Welt aufleben, lebendig wirken. Verständlich, dass Cla sich hier verliert.
Mir hats nicht so schlecht gefallen und auch diese historische Zwischengeschichte mochte ich. Hat sich auch angenehm gelesen, so von der Sprache und so.
DNF half-way through. A lot of what I read felt like a history lesson and the few sweet moments I happened to enjoy were buried under long boring descriptions of the most mundane of things. The first 30-40 pages the main character sits a cafe and loses his scarf. That’s all that happens. I was going to end it there and I should have,
Книга, която за пореден път ми доказа, че никога не трябва да си поставяш вътрешни прегради пред разширяването на хоризонта чрез опознаването на нови полета, даващи ти информация.