Budapest im Mai 1914: Elsa Tabori wartet auf die Niederkunft ihres zweiten Sohnes, als ihr ein gewisser Dr. Wehmut einen Rat gibt. Lachen solle sie, "nicht fröhlich, als hätte sie etwas Komisches gehört", sondern um die Spannung im Bauch zu lösen. George Taboris Autobiografie beginnt also mit seiner eigenen Geburt. Und schon da leuchtet der Humor des emigrierten Romanciers, Dramatikers und Regisseurs auf, je schwärzer, desto besser – und oft die beste Strategie, der irrwitzigen Welt zu begegnen. Autodafé, die bewegende Geschichte der ungarisch-jüdischen Familie Tabori, wird vom Autor selbst gelesen.
Zunächst ließen mich die ersten zwei Drittel des Buches recht unbewegt, der etwas eigene Humor Taboris machte mir hier und da zu schaffen. Das letzte Drittel jedoch traf mich mitten ins Herz, sodass ich mit tränengefüllten Augen und einem Gefühl der Leere über das Ende und die Grausamkeit des Menschen nachdachte. Am meisten traf mich das Suchen des Erzähler-Ichs nach den Spuren seines Vaters in der Gedenkstätte Auschwitz. Die stetige Frage „wo bist du […]“ (S.87, Taschenbuch-Ausgabe) und die Erkenntnis des Erzählers, dass sein Vater und dessen Sein unauffindbar sind, sein Vater zu Staub geworden sei, der nun im Wind und auf den Eisenbahnschienen des Lagers niederfällt, hinterließ eine unaussprechliche Leere in mir.
Eines ist klar: Wir müssen uns dafür einsetzen, dass so etwas Grauenhaftes nie, niemals wieder geschieht! Für das, was den Opfern des Holocausts angetan wurde, gibt es keine Worte. Es ist die Entartung des Menschen und das Fehlen jeglichen Funkens Menschlichkeit.
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