Auch Lehrer sind Kinder ihrer Eltern
Ella auf Klassenfahrt ist der dritte Teil der beliebten Buchreihe von Timo Parvela und erzählt zum ersten Mal eine durchgängige Geschichte. Ellas Klasse hat in einem Wettbewerb eine Reise in den Süden gewonnen, doch aufgrund einiger unvorhergesehener Zwischenfälle am Flughafen, bei denen unter anderem der unverwechselbare Pekka eine gewisse Rolle spielt, besteigen die Kinder und ihre zwei Lehrer das falsche Flugzeug, das sie nach Lappland bringt, während ihr Gepäck hingegen … naja, man kann es sich denken. Ohne warme Sachen und ohne Geld sind die Abenteuer einigermaßen aufgeschmissen, doch zum Glück ist da der Vater des Lehrers, der in Lappland ein Feriendorf betreibt und bei dem sie alle Unterschlupf finden. Während Ella und ihre Freunde den Vater des Lehrers aufgrund seines Rauschebartes und seiner schneeigten Umgebung für niemand Geringeren als den Weihnachtsmann halten und argwöhnen, daß er den Lehrer zu seinem Nachfolger und sie selbst zu Wichteln machen wolle, muß der Lehrer sich den Erwartungen seines Altvorderen stellen, der in der Tat möchte, daß sein Sohn in seine Fußstapfen tritt und das Feriendorf übernimmt. Während die Kinder sich darüber Sorgen machen, daß ihnen allen Wichtelbärte wachsen und sie den lieben langen Tag Wichtellieder singen müssen, ficht der Lehrer seinen einsamen Kampf gegen die Erwartungen seines Vaters, die letztlich darauf abzielen, den jungen Mann zu einer Kopie des alten zu machen. Hier ist Flucht wohl das einzige Heilmittel, aber wie kann man schon am besten aus der eisigen Wildnis Lapplands entkommen, ohne den netten Weihnachtsmann zu vergrellen?
Parvela reiht in diesem Abenteuer einen skurrilen Einfall an den nächsten und bringt damit wohl vor allem seine kindlichen Leser zum Lachen, doch auch erwachsene Vorleser dürften wieder einmal auf ihre Kosten kommen ob des doppelbödigen Humors der Erzählung, so daß am Ende die jungen Leser lachen und die alten schmunzeln – jeder über das, was ihm am besten gefällt. Kinderbücher von einer solchen Zeitlosigkeit und Finesse zu schreiben und dabei den anarchischen Geist der Kindheit zu entfesseln – anstatt Wohlverhaltensmonster wie Connie oder Caillou zu erschaffen – und diesen in die Erwachsenenwelt hinüberwabern zu lassen, das ist eine Kunst, die nur wenigen Menschen gegeben ist. Parvela versteht sich auf diese Kunst, und deshalb freue ich mich jedesmal, wenn meine Tochter mich bittet, ihr aus einem Ella-Buch vorzulesen.