Die Deutschen leiden an Hitler wie andere an Schuppenflechte. Aus dem Versuch, sich gegen die eigene Geschichte zu immunisieren, ist eine Autoimmunerkrankung geworden. Ob es um den Einsatz in Jugoslawien oder in Afghanistan geht, um Atom- oder Gentechnik, Stammzellen, Sterbehilfe - immer steht das Nazi-Menetekel an der Wand und fordert seinen Tribut. Das ritualisierte Gedenken verschafft keine Erleichterung, es ist nicht mehr als eine leere Geste, eine Ablenkung von der Gegenwart - oder noch Schlimmeres.
Broder is known for polemics, columns and comments in written and oral media.
He wrote for the magazine Der Spiegel as well as its online version and the daily Berlin newspaper Der Tagesspiegel.
Since 2010 he writes for Die Welt. He is co-editor of Der Jüdische Kalender (The Jewish Calendar), a compilation of quotes and texts relating to German Jewish culture, published annually.
The book started good and was easy to read. I hoped this would be better than some other stuff about the Auschwitz topic. BUT, the book was going downhill fast. Lots of ranting, lots of accusations of antizionism disguised as antisemitism and no proof whatsoever. And so much talk about there being no definition of antisemitism and yet he throws the accusations around constantly. This is just polemic rambling and I had no interest in continuing.
Broder legt den Finger in die sprichwörtliche Wunder. Ich selbst habe über dieses Thema noch nie in dieser Form nachgedacht. Und das ist genau das, was dieses Buch schafft: Gedanken und das Nachdenken als solches zu provozieren.
Da Viele in diesem Land schon gar nicht mehr (wie auch, da bestenfalls vor-, wenn nicht gar gänzlich unbewusst?) ihr mehr verbales, ostentativ zur Schau gestelltes, freilich auf der symbolischen (als primär moralisches Statusgut) Ebene verharrendes Gutmenschentum in der Lage sind zu erkennen, kann dieses Werk als kleiner Glücksgriff in Sachen echter Selbstreflexion verstanden werden. Zumindest als prinzipielle Möglichkeit: Wer nur auf Leid aufmerksam macht oder zur Hilfe eilt, um soziale Bonuspunkte zu sammeln, hat gesellschaftliches Miteinander im globalen Zusammenhang nur bedingt verstanden, ja, drastischer: er hat die Algorithmik der sozialmedialen Selbstinzenierung verstanden, um sich selbst zu erhöhen. Freilich ohne in die Schwere des Kontaktes mit der Wirklichkeit hinabsinken zu müssen, geschweige denn auch nur einen Finger krumm machen zu müssen jenseits des eigenen Vorteils...
Kleine Provokationskostprobe gefällig?
"[...] denn die toten Juden sind die Lieblingsjuden der Deutschen - allein schon deswegen, weil sie bei Gedenkritualen nicht stören. Es sind knitterfreie und pflegeleichte Juden, immer und überall willkommen, im Gegensatz zu den lauten und störrischen Juden, die sich weigern, dem Frieden zuliebe aus dem Leben, Pardon, Frau Amirpur: 'von den Seiten der Geschichte' zu verschwinden. Mich interessieren die toten Juden nicht. Ich war einmal in Ausschwitz und kann jedem vom Besuch dieses Open-Air-Museums nur abraten. Man erfährt nichts, was man nicht schon wusste, und das Essen in der KZ-Kantine ist zwar besser geworden, als es vor 70 Jahren war, aber immer noch miserabel. Ich finde es vollkommen absurd, dass jedes Jahr Abertausende von jungen Deutschen durch die Konzentrationslager geschleust werden. Sie sollten besser lernen, dass und warum die Juden ein Recht auf einen eigenen Staat haben. Und wenn aus deutscher Schuld und Scham etwas gelernt werden kann, dann wäre es die Solidarität mit diesem Staat (S. 172 f.)."
Ach ich weiß nicht so recht, ob ich das Buch mag oder nicht. Einige Dinge sind gut, einige übertrieben dargestellt. Eine Frage, die ich mir beim Lesen die ganze Zeit gestellt habe ist, wo liegt die Logik, jemanden als Antisemit zu titulieren, bloß weil er/sie die gegenwärtige Politik der israelischen Regierung missbilligt? Macht uns die Kritik an Israels Politiker pauschal zu Antisemiten? Ich kritisieren sie doch nicht, weil sie Juden sind, sondern weil sie schlechte Politiker sind. Nunja, vielleicht sollte man Broder auch nicht immer beim Wort nehmen, da man weiß, dass er beim Thema Israel schnell den Antisemiten-Hammer rausholt.