Beim Lesen von Dress me in Wildflowers braucht man viele Taschentücher. Der Roman handelt von einer jungen Frau mit dem ungewöhnlichen Namen Farrin Taylor. Sie ist eine sehr erfolgreiche Designerin von Hochzeitskleidern in New York und glaubt, ihre Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht so leicht abschütteln. Sie erhält die Einladung zum Klassentreffen nach 15 Jahren. Beklommen macht sie sich auf den Weg in die Kleinstadt Oak Valley in Tennessee.
Farrins Kindheit und Jugend war keine glückliche Zeit, auf die sie gern zurückblickt. Sie war arm und lebte zusammen mit ihrer Mutter in einem Trailer. Das war für einige Schüler Grund genug, sie zu verspotten und zu schikanieren. Nun ist sie zwar fast so berühmt wie die Frauen, die sie einkleidet, aber das kleine, verletzte Mädchen ist auch immer noch da.
Die Verletzungen sitzen tief und Farrin hat in den vergangenen Jahren eine Mauer um sich aufgebaut. Doch sie erkennt nun auch, dass sie einsam ist und wie wichtig ihr die Nähe zu anderen Menschen ist, denn sie hat auch Freunde in Oak Valley. Und nach und nach öffnet sie sich, kann verzeihen und auch sich selbst vergeben. Wie Efeu schlingt sich Oak Valley um ihre Füße und lässt sie einen Platz im Leben finden, eine Heimat.
Dress me in Wildflowers erzählt eine süße Geschichte, es ist auch eine Liebesgeschichte, bei der sogar ich ab und zu seufzen musste. Es ist die Art von Geschichte, bei der man schon am Anfang weiß, wie es weitergeht und wo es enden wird, und trotzdem irgendwann alles nur noch verschwommen durch einen Tränenschleier lesen kann.
Trish Milburn schreibt so lebendig, dass man die Menschen, die kleine Stadt, die atemberaubenden Appalachian Mountains vor Augen hat und den Herbst riechen kann. Das Designen von Kleidern ist unaufdringlich in die Geschichte eingebunden, so dass man sich etwas darunter vorstellen kann, es aber nicht in Exkursen ausartet. Der Roman ist natürlich sehr emotional, dennoch hatte ich nie das Gefühl, dass die Konflikte zu dick aufgetragen wären. Perfekt.