Nach "Kellervogel" war dies das zweite Buch, das ich von Fariba Vafi gelesen habe. Obwohl es auch ein faszinierendes Werk ist, konnte es mich nicht dermassen begeistern wie damals ihr Erstling. Vor allem hat sich hier Vafis Sprache deutlich verändert; was aber auch an der Übersetzung liegen könnte.
Inhaltlich ist das Buch aber dennoch interessant, da es einen Einblick in das uns fremde Land Iran bietet. Auch der Sichtpunkt ist anders als gewohnt: Tarlan möchte Polizist werden. Genau, Polizist, nicht Polizistin.
Gerne hätte ich mehr darüber erfahren, wie es für einen weiblichen Polizisten im Iran ist, welche Aufgaben Tarlan gehabt hätte und wie ihr Alltag ausgesehen hätte. Doch Vafi konzentriert sich hauptsächlich auf das Geschehen während der Ausbildung und auch hier mehr auf die Gespräche der Mädchen untereinander.
Dadurch bekommt die lesende Person einen lebensnahen Einblick in die Realität des Frau-Seins im Iran. Was treibt die Mädchen um? Womit beschäftigen sie sich? Und auch wenn vieles für uns anders ist, so gibt es doch Sachen, die länderübergreifend scheinen. Manchmal fühlte ich mich fast schon ins Schullager zurückversetzt.
Auch wenn sich das Werk nicht als das entpuppte, was ich mir erhofft hatte, bin ich dennoch froh, erneut lesend einen anderen Kulturkreis aufgesucht zu haben, um damit ein wenig auf Tuchfühlung zu gehen. So etwas ist niemals verkehrt, finde ich.