Das englische Buch ist als Theaterstück aufgebaut und erzählt die Geschichte von Eva/Evelyn, die in den Kindertransport vor dem 2. Weltkrieg involviert war. Vor der Unterrichtseinheit wusste ich gar nicht, dass England rund 10.000 Kinder aus Europa vor den Greueltaten des NS-Regimes "gerettet" hat.
Das Cover finde ich jetzt nicht unbedingt schön, aber unheimlich ernst und aussagekräftig, was dem Werk auf jeden Fall gerecht wird. Der Schreibstil war gut zu lesen, die Dialoge und stage instructions verständlich und kein hochtrabendes Englisch wurde gebraucht. Das Stück ist in zwei Handlungen aufgebaut, die sporadisch sogar parallel auf der Bühne geschauspielert werden. Das hat den Einstieg etwas erschwert, da man sich erst über die Verhältnisse und Handlungstränge klar werden musste, bevor man sich zurechtfand. Lang dauerte das aber nicht und so kam ich ziemlich gut durch die gerade mal 96 Seiten.
Sofort war klar, dass der reine Text des Dramas bloß die Spitze des Eisbergs ist und zwischen den Zeilen unendlich viel Symbolik und Information steckt, die der Leser eben selbst erfassen muss. Das war mal erfrischend und man konnte viel interpretieren! Generell fand ich die gewählte Darstellungsform total gut für so ein wichtiges Thema! Hochemotionale Wendepunkte, der ständige Wechsel bzw das Nebeneinander von Vergangenheit und Gegenwart und dann noch die vielen Parallelen zwischen den Handlungssträngen - unfassbar gut gemacht. Man merkt einfach, wie viele Gedanken dahinterstecken, dass jede Requisite, jede Hintergrundmusik, jede Regieanweisung und jedes Wort essentiell wichtig für die Handlung ist. In dieser Ausgabe waren vorn Texte über persönliche, reale Erfahrungen von zahlreichen "Kindern" des Kindertransports. Jedes von ihnen ereilte ein anderes Schicksal und jeder ging anders mit dieser einschneidenden Erfahrung um, so spannend! Und diese ganze Lektüre handelt im Grunde auch von dem Verarbeitungsprozess der Protagonistin, die von der kleinen deutschen Eva zur englischen Mutter Evelyn wurde, sich in diese neue Identität flüchtete und alles Vergangene versucht zu verdrängen und verheimlichen, selbst vor ihrer Tochter Faith. Als diese bei Vorbereitungen für ihren Auszug jedoch Indizien zu der Vergangenheit ihrer Mutter fand, kam das wohlbehütete Geheimnis ans Licht, und plötzlich sieht sich Evelyn wieder konfrontiert mit den altem Erinnerungen. In vier Akten erfahren wir dann Stück für Stück immer mehr über ihre Lebensgeschichte und dass diese wohlgemeinte Rettungsaktion zwar viele Leben schenkte, doch auch unheilbare Wunden hinterließ.
Insgesamt hat mir auch diese letzte Schullektüre im Englisch Leistungskurs wieder gut gefallen, die ein absolut wichtiges Thema behandelt. Sie erzählt eine fiktive Geschichte und dabei tausende reale Schicksale! Auch hier konnte ich meinen Lesehorizont wieder erweitern. Zeitweise waren die Dialoge schwer zu deuten und die plötzlichen Zeitsprünge verwirrend, man sollte es also im wachen Zustand lesen! Ich würde mir auf jeden Fall gerne mal die Bühnenversion anschauen, man kann das so unterschiedlich darstellen!
✒Lieblingssatz: "Evelyn: 'A chipped glass is ruined forever.'" (Diese Symbolik, gosh!)
Deshalb 7/10🌟 Sternen, Standard für Schullektüren