»Manche Dinge bleiben besser für immer unentdeckt.« Nur kurz denkt die 14-jährige Sophia an diesen Rat, als sie das Erbe ihres geheimnisvollen Großvaters Der alte Mann, den sie nie selbst gekannt hat, vermacht ihr eine komplexe kleine Maschine, die wie ein Uhrwerk voller Zahnrädchen und Halbkugeln aussieht. Und dazu einen Schlüssel – vor dem ein Brief des Großvaters eindringlich warnt. Der verbotene Schlüssel – Sophia kann ihm nicht Sie zieht das Uhrwerk auf und findet sich in einem bizarren, gefährlichen Reich wieder. Mekanis, das perfekte, gefühllose Land, erwacht durch sie zu neuem Leben. Und Sophia ist keineswegs Theo, ein ebenso rätselhafter wie anziehender Junge, ist seit Jahrhunderten in dieser Welt gefangen. Und der dunkle Herrscher des fremden Reichs lauert mindestens ebenso lange auf die unheilvolle Chance, die Sophia ihm jetzt eröffnet.Ein Schlüssel – eine fantastische Welt – und zwei Jugendliche im Kampf gegen ein uraltes UnheilEin Buch über die Macht der Fantasie und die Kraft der menschlichen Seele
Ralf Isau hat all seine für ihn wichtigen Werte von seinen Eltern vermittelt bekommen. Seine Mutter, eine Pelznäherin, brachte ihm den Glauben an Gott nahe. Von seinem Vater hat er die Erzählkunst. Sein Vater war ein sehr blumiger Erzähler und spielte Ralf oft auf seiner Mundharmonika vor, vor allem wenn dieser wieder einen Wutanfall hatte und das ganze Mietshaus in Westberlin zusamenbrüllte. Isau wollte nicht immer Schriftsteller werden, zum Beginn seiner Schulzeit hatte er sogar Probleme mit dem Schreiben, zeigte jedoch schon immer seine blühende Fantasie. Später begann er Gedichte zu schreiben und band seine Schulreferate wie Bücher ein. Ralf Isau wollte entgegen dem Wunsch seiner Eltern nach dem Abitur nicht studieren, sondern machte eine Ausbildung zum EDV-Kaufmann wobei er den Umgang mit Programiersprachen erlernte. Er merkte jedoch schnell, dass auch Programmieren nicht sein Traumberuf ist, so fing er 1988 an sein erstes Buch zu schreiben. Mit dem Roman wollte er seiner damals neunjährigen Tochter eine Freude machen. Das Buch sollte nur für sie sein, richtig dick sein und so spannend, dass man es zur Schlafenszeit noch mit der Taschenlampe unter der Bettdecke weiterliest. Allerdings ist dieser Schmöker nicht sein erstes Buch, denn nach drei Jahren des Arbeitens daran stellt er fest, dass es immer noch nicht fertig ist. Um das Versprechen an seine Tochter dennoch einzulösen und ein eigenes Buch für sie zu schreiben, verfasst er eines an nur einem einzigen Tag und bindet den 'Drachen Gertrud' eigenhändig für seine Tochter in das Leder eines alten Stiefels ein. Als Michael Ende eine Lesung gab, schenkte Isau ihm eines seiner selbstgebundenen Werke. Dieser war gefesselt vom Drachen Gertrud und schickte das Buch seinem Verlag, der sich daraufhin bei Isau meldete und auch die Neschan Triologie herausbrachte. So begann die Karriere des Schriftstellers.
Die vierzehnjährige Sophia hat gerade so einigermaßen den mysteriösen Unfalltod ihrer Eltern verdaut, als sie erfährt, dass ihr Großvater gestorben ist. Sie hatte keine persönliche Beziehung zu dem alten Herrn, kannte ihn nicht einmal, doch er hat sie offenbar zu seiner Erbin eingesetzt und ihr unter anderem ein Fabergé-Ei vermacht, in dessen Inneren sich eine uralte Taschenuhr, ein sogenanntes Nürnberger Ei, befindet. In den beigefügten handschriftlichen Aufzeichnungen warnt er Sophia eindringlich davor, die Uhr unbedacht aufzuziehen ... doch da ist es bereits zu spät.
Sophia wird unversehens in eine seltsame Welt voller Maschinen und mechanischer Wesen hineingesogen und erfährt nach und nach, was es tatsächlich mit dem Nürnberger Ei auf sich hat und warum sie als neue Besitzerin des kleinen Wunderwerks der Uhrmacherkunst einen mächtigen Gegner hat, der begierig ist, ihr die Uhr abzujagen.
Das Mysterium der Zeit und die Faszination ausgeklügelter Uhrwerke hat Ralf Isau schon in "Der Herr der Unruhe" aufgegriffen und schön in eine Fantasygeschichte verwoben. In diesem Jugendroman spinnt er rund um Sophia und die alte Uhr die Art von Erzählung, die er am besten beherrscht: junge Heldin in geheimer und gefährlicher Mission, deren Dreh- und Angelpunkt ein Artefakt von besonderer Bedeutung ist, und eine böse, starke Macht, die es nach eben diesem Gegenstand gelüstet, um noch mächtiger zu werden.
Die Handlung ist zwischen unserer und einer fremden, von metallenen Maschinenwesen bevölkerten Welt namens Mekanis angesiedelt und macht ein paar zeitliche Abstecher in die Antike und das Mittelalter. Was ich an Isau schätze, ist seine gute Recherche und sein Riecher für ungewöhnliche Fakten, die er in seine Geschichten einzuflechten versteht, was zwischendurch gerne mal zum Nachschlagen einlädt (besonders interessant fand ich hier den Mechanismus von Antikythera). Auch bekannte Legenden finden ihren Weg in dieses Buch wie die bretonische Sage über die untergegangene Stadt Ys, die er gekonnt für seine Erzählzwecke adaptiert hat.
Ein bisschen zu platt kommt manchmal die Namensgebung daher, und ab und zu klingen seine Formulierungen etwas zu sehr nach Creative-Writing-Seminar, doch der Mix aus Mystery, Action und Wissen ist unterhaltsam und spannend, zumal es ihm gelingt, auch Erklärpassagen gut einzubinden, ohne erklärbärig zu werden, und er einige tolle Kreaturen und sympathische Charaktere geschaffen hat.. Schön auch, dass die beiden Welten nicht stupide schwarzweiß gezeichnet sind.
Ich hätte sogar noch auf die eine oder andere Kampfeinlage verzichten können und lieber mehr über Legenden, rätselhafte Objekte und Uhrmacherei gelesen, aber das sähe die eigentliche Zielgruppe wahrscheinlich anders.
Dieses Buch ist eine gelungene Fantasy/history Geschichte, wie man sie von Ralf isau kennt. Für alle die Fantasy mit Bezug zur echten Welt und auch history mit Bezug zur Antike mögen, ein absolut gelungener Roman. Auch Liebhaber des technischen insbesondere des uhrmacher Handwerks oder Kenner von isaus Werk "der Herr der unruhe" kommen auf ihre Kosten. Für mich persönlich war es eine spannende Geschichte in zwei Welten mit Momenten zum lachen und weinen. Besonders hat mir auch die Begegnung der Antike mit der modernen Welt in Form von Theo gefallen. Einen Stern abzug für die teilweise etwas gezogene Story und den Faktor das es weder jugendbuch noch richtig erwachsenenbuch/young adult ist. Ansonsten klare Empfehlung für alle Fantasy und history fans !
Mein erster Roman von Ralf Isau konnte mich leider gar nicht überzeugen. Sophia ging mir ziemlich auf die Nerven und erst in den Erzählungen über Mekanis kam für mich etwas Fahrt in die Geschichte.
Eine gute Idee die leider nicht so gut umgesetzt werden konnte. Ralf Isau hat ein Gespür für stilistische Mittel und seine Schreibweise ist flüssig und verständlich. Dennoch... Die Protagonistin ging mir etwas auf den Keks. Ihr Art lag mir nicht und ihre Gedanken und Handlungen konnte ich kaum nachvollziehen. Was den männlichen Prota angeht, so kann ich auch hier nur sagen, dass mir das zeitliche Gespringe nicht gut gefallen hat und damit die ganze Story etwas zu langatmig wurde. Das Ende war im Vergleich dazu dann auch viel zu kurz geraten 🙈
Wer griechische Geschichte mag, kann sich jedoch trotzdem gerne an dem Buch versuchen. Denn letztendlich war es eine tolle Idee gespickt mit einem hundertjährigen Abenteuer ☺️