»Heimat ist, wonach das Herz sich sehnt.« Immer wieder zieht es die Schriftstellerin Claudia Rusch auf die Insel ihrer Kindheit. Begeistert, heiter und bestens informiert erzählt sie vom Aufwachsen am Ostseestrand, der wilden Schönheit des Nordens, von Hühnergöttern, Piraten und dem Geräusch des Meeres. Eine persönliche Hommage, die Sagen und Fakten über Rügen verdichtet.
Claudia Rusch, geboren 1971, wuchs auf der Insel Rügen, in der Mark Brandenburg und ab 1982 in Berlin auf. Sie studierte Germanistik und Romanistik und lebt als freie Schriftstellerin in Berlin. 2003 erschien im S. Fischer Verlag ihr Bestseller »Meine freie deutsche Jugend«, 2009 folgte »Aufbau Ost. Unterwegs zwischen Zinnowitz und Zwickau« und 2010 »Mein Rügen«.
Sie wurde 2004 nominiert für den Deutschen Bücherpreis.
Solche persönlichen Reisebegleiter sind oft mit Vorsicht zu genießen und so ging ich an die Lektüre dieses Buches ohne große Erwartungen.
Doch dann merkte ich schnell, dass das Buch wie für mich geschrieben ist. Claudia Rusch stammt genau aus der Ecke Rügens, in die ich demnächst reisen werde: Die Halbinsel Wittow. Und nicht nur das – sie macht mir auch einen Teil Wittows schmackhaft, den ich bereits von der Liste potenzieller Ausflugsziele gestrichen hatte, nachdem ich las, dass es dort vor allem häßliche Plattenbausiedlungen gebe: Drenske. Doch hat Drenske nicht nur eine wechselvolle, oft militärische Geschichte, es bietet wohl auch eine erstklassige Sicht auf Hiddensee und bei klarer Sicht auf dänische Inseln. Und die Autorin knüpft hier so intensive Kindheitserinnerungen an den Ort, dass ich glaube, sie nachvollziehen zu können, wenn ich dort demnächst zwischen den Plattenbauten stehe, vielleicht einen Song von Manfred Krug auf den Ohren (den Rusch sehr mag) und diese Zeilen lese:
Ich sehe nachts von meinem Bett aus an den Fenstern der gegenüberliegenden Blocks grüne, blaue und lila Neonröhren, die in den Siebziger Jahren Mode waren und einen fahlen, ungesunden Schein ins Dunkel warfen. Ich rieche das muffig kühle Treppenhaus unseres Aufgangs auf dessen glatten Steintreppen ich oft gestürzt bin. Ich schmecke die dicken, fruchtigen Hagebutten, denen ich nie widerstehen konnte und die ich im Vorbeigehen pflückte, aufbrach, mit dem Finger entkernte und in den Mund steckte. Ich spüre den Schmerz in der empfindlichen Wölbung zwischen Ballen und Ferse meines nackten Fußes beim Laufen über das Feuersteingeröll am Strand.
Was man alles an Stränden finden kann, wo es sich am schönsten baden lässt, wo ein Schloss, das eine Nachbildung der Nachbildung des Schlosses Lichtenstein der gleichnamigen Geschichte von Wilhelm Hauff steht, was die Autorin persönlich von Prora, Binz und Sassnitz hält, das alles liest sich leicht und ist informativ. Auch der anfängliche Verdacht, es könnte hier Ostalgie vermittelt werden, zerstreut sich schnell; eine Liebeserklärung an die Insel ist es aber sehr wohl.
Für meinen Urlaub habe ich jedenfalls einige sehr gute Anregungen erhalten.
Ich habe das Buch während der Zugfahrt nach Rügen gelesen, und die Erinnerungen und Anektoten im Buch haben die Ferienvorfreude gleich noch verstärkt. Viele Plätze die schon auf der List waren, sind in dem Buch auch nochmals empfohlen worden. Anderes, wofür leider keine Zeit blieb, konnte zumindest durch das Lesen etwas miterlebt werden.
Eigentlich währe es ein Buch zum Behalten, ich habe es aber trotzdem im Seebad Binz auf Rügen gelassen und hoffe, dass sonst noch jemand Freude daran haben wird.
Interessante, persönliche Eindrücke, die jedem an Rügen Interessierten viele neue Einblicke verschaffen, vor allem in die Zeit vor der Wende. Lockerer, unterhaltsam zu lesender Schreibstil.
We gaan dit jaar naar Rügen op vakantie, en dan is dit een prima voorbereiding. Rusch heeft een deel van haar DDR-jeugd op het eiland doorgebracht en deelt haar ervaringen met wetenswaardigheden over heden en verleden. Jammer is dat alle hoofdstukken over de kustplaatsen en -stroken gaan, terwijl wij juist meer het binnenland opzoeken.