Mit dieser Biographie geht Dorothea Leonhart ins Detail, zitiert aus diversen zeitgenössischen Quellen und zeichnet intensiv das Vater-Sohn-Verhältnis nach. Viel Neues lernte ich, z.B., dass Mozarts Frau Konstanze ihn ausnahm wie eine Weihnachtsgans und er damit blind vor Liebe seinen eigenen Absturz einleitete. Insgesamt erschwerten die akribisch aufgelisteten Vermögens- und Schuldbeträge den Lesefluss und die Darstellung eines so überaus naiv und wankelmütigen Mozarts erschien mir zu wertend.
Dorothea Leonhart nimmt sich sehr pointiert einige der Mythen vor, die Biographen (allen voran Konstanze Nissen, die trauernde Witwe) in die Welt gesetzt haben vom darbenden, vergessenen Genie Mozart - der in guten Wiener Jahren laut ihren Berechnungen zwischen 300 000 und 400 000 Euro verdient haben dürfte und ganz einfach nicht mit Geld umgehen konnte.
Ein wenig gestört hat mich manchmal ihr besserwisserischer, abfälliger Ton. Ein Biograph sollte Fakten interpretieren - im Fall von fehlenden Daten (viele Briefe Mozarts sind leider unwiederbringlich verloren) sollte dem Leser die Möglichkeit gelassen werden, selbst die Persönlichkeit der beschriebenen Berühmtheit zu beurteilen. Es war manchmal nicht ganz klar, wann Frau Leonhart einfach nach ihrer eigenen Logik Schlüsse gezogen hat über schlecht belegte Perioden. Die Seitenhiebe, Mozart sei ein kleiner, egoistischer Wicht gewesen, der es sich mit der gesamten Welt vertan hat und die Art, wie kein gutes Haar an der Familie Weber gelassen wird - zu einem großen Teil wohl belegt und bestimmt zu Recht - wirkt manchmal gar zu kleinlich und zu wenig objektiv. Abgesehen von diesem kleinen Manko ein ausgewogenes, ausgezeichnet recherchiertes Buch, das mutig an so manchem Mythos kratzt. Empfehlenswert für alle, die sich für Mozart interessieren und die vielleicht auch weniger bekannte Facetten seines Lebens erforschen möchten.