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Torture: The Role of Ideology in the French-Algerian War

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Published to coincide with the 200th anniversary of France's Declaration of the Rights of Man and of the Citizen , this book looks in depth at the use of torture during the French-Algerian War (1954-1962) to reveal the failure of that liberal democratic state to uphold its obligations on rights. Rita Maran examines the Mission Civilisatrice ideology that justified the routine use of torture during that war and points out that human rights violations traceable to ideology occur irrespective of a state's political system or tradition of rights. The book contrasts the routinization of torture with the contemporaneous global development of norms to assure human rights and abolish torture. Maran concludes that reliance on a state's avowedly benevolent traditions of rights is not necessarily sufficient to protect individuals against state-directed violence, and that international law on human rights can provide significant protection.

The book begins with a brief history of torture in France up to the French-Algerian War. Torture, international human rights law, and civilizing mission ideology are then described and defined. The major portion of the book is devoted to interpretation of the discourse of exemplary people from three sectors of French society--government, the military, and the intellectuals--to demonstrate that reliance on the civilizing mission ideology rationalized the use of torture. Torture is a source of valuable and stimulating ideas for political scientists, historians, lawyers, social psychologists, journalists, ethicists, scholars of colonialism and colonial discourse, and all concerned with human rights as part of international discourse.

230 pages, Hardcover

First published September 7, 1989

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Rita Maran

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September 24, 2026
Rita Marans Torture: The Role of Ideology in the French-Algerian War ist eine Studie über die ideologische Rahmung der Folter im Algerienkrieg. Im Zentrum steht die Frage, welche Rolle die französische Vorstellung von einer „mission civilisatrice“ (Zivilisatorische Mission) dabei spielte, dass Folter trotz des republikanischen und universalistischen Selbstverständnisses Frankreichs mit Wissen und Duldung des Staates praktiziert werden konnte.

Frankreich verstand sich als Träger, ja Speerspitze von Zivilisation, Aufklärung und Menschenrechten – die Französische Revolution und die Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte geschahen genau 200 Jahre vor Veröffentlichung dieser Studie – und sah es zugleich als seine Aufgabe an, diese Werte in Algerien zu verbreiten. Dennoch wurden dort systematisch Menschenrechte verletzt. Maran interessiert sich dabei weniger für die Feststellung, dass Folter stattfand – in welcher Form, von wem, wie oft –, als für die ideologischen Mechanismen, mit denen sie mit dem französischen Selbstbild vereinbar gemacht werden konnte. Die verbreitete Anwendung von Folter wird dabei weitgehend vorausgesetzt.

Die „mission civilisatrice“ beinhaltet die Vorstellung, dass Frankreich bereits einen höheren Stand der Zivilisation erreicht habe und die Algerier erst dorthin geführt werden müssten. Aus dieser paternalistischen Hierarchie ergab sich ein grundlegender Widerspruch: Man konnte sich für die Verbesserung des Lebens der Algerier verantwortlich fühlen und ihnen dennoch die politische Gleichberechtigung und Selbstbestimmung nie zugestehen wollen. Diese Sichtweise konnte so weit gehen, dass man zur Durchsetzung dieses missionarischen Auftrags in der Not auch zu „ungewöhnlichen Maßnahmen“ greifen müsse.

Die besonderen Bedingungen des Guerillakrieges waren eine solche Notsituation: die schwierige Unterscheidung zwischen Kämpfern und Zivilbevölkerung, die Terroranschläge, der enorme Stellenwert von Informationen, Angst, Frustration und die Vorstellung, dass jeder Verdächtige etwas wissen könnte, ein geheimes Netzwerk vorahanden sei. Autoren wie Roger Trinquier entwickelten daraus sogar eine regelrechte Theorie der modernen Aufstandsbekämpfung, die darin gipfelt, dass moderne Kriege nicht mit traditionellen Methoden zu gewinnen seien und „Terroristen“ die Selbstbeschränkung des Rechtsstaates auszunutzen wüssten.

Maran beschreibt die Ideologie allerdings nicht einfach als Ursache der Folter. Die Bedeutung der Ideologie liegt für sie vielmehr darin, dass sie half, diese Gewalt zu rationalisieren und zu rechtfertigen. Aus der Vorstellung, Frankreich verteidige und verbreite Zivilisation, konnte angesichts des algerischen Aufstands die Vorstellung entstehen, dass geradezu die gesamte westliche Zivilisation auf dem Spiel stehe.

Allerdings geht diese Rationalisierung nie so weit, dass Folter offen zugegeben wird. Stattdessen rechtfertigt man etwas, das es offiziell gar nicht gibt.

Dabei erweist sich die „mission civilisatrice“ als wesentlich ambivalenter, als es die Bezeichnung zunächst vermuten lässt. Denn der Glaube an universelle Werte konnte bei manchen Beteiligten dazu führen, dass sie diese für unaufgebbar hielten, wie exemplarisch bei Jacques Paris de Bollardière. Die Ideologie ist also keine automatische Handlungsanweisung, sondern ein Deutungsrahmen, innerhalb dessen sowohl die Ablehnung als auch die Rechtfertigung der Gewalt möglich wurden.

Etwas abstrakter wird Maran dort, wo sie die Bedeutung des Rechts diskutiert. Sie stellt den moralischen Widerspruch zwischen französischem Selbstverständnis und tatsächlichem Handeln der internationalen Menschenrechtsordnung gegenüber. Ihr Argument scheint mir hier weniger zu sein, dass rechtliche Normen moralischen Argumenten grundsätzlich überlegen seien. Ihr praktischer Vorteil liegt vielmehr darin, dass sie die ideologische Rechtfertigung des Staates umgehen können: Entscheidend ist dann nicht mehr, ob Frankreich seine Gewalt als notwendig, zivilisatorisch oder defensiv bezeichnet, sondern ob ein bestimmtes Recht des Individuums verletzt wurde. Gleichzeitig zeigt gerade die französische Kolonialgeschichte, wie leicht solche Rechte durch unterschiedliche rechtliche Kategorien und Ausnahmen relativiert werden konnten.

Man sollte aber bemerken, dass das Buch eine eng begrenzte Fragestellung abdeckt. Es wird weder der Algerienkrieg an sich noch die Folter im Detail erörtert. Vor allem aber wird kaum systematisch diskutiert, welche anderen Ideologien, Rationalisierungsmechanismen und Ursachen neben der „mission civilisatrice“ eine Rolle gespielt haben könnten. Die Passagen über einfache Soldaten lassen erkennen, wie viel zusätzlich durch Kriegserfahrung, Fremdheit, Angst, Frustration, Gruppendynamik und gelegentlich auch schlichte Brutalität erklärt werden könnte.

Das ist nicht unbedingt ein Einwand gegen Marans These – diese Faktoren können durchaus neben der ideologischen Rahmung bestehen. Fraglicher ist für mich vielmehr, wie überzeugend es ist, aus den von ihr untersuchten Diskursen auf die tatsächliche Bedeutung der „mission civilisatrice“ für die Folterpraxis zu schließen, wenn andere mögliche Erklärungen nur begrenzt systematisch untersucht werden. Die „mission civilisatrice“ kann einen Deutungsrahmen liefern; ob sie aber tatsächlich die zentrale Rolle spielte, die ihr Marans Untersuchung zuschreibt, bleibt für mich etwas offener. Gerade weil sie von vielen Beteiligten offenbar gar nicht ausdrücklich thematisiert wurde, hätte ich mir hier eine stärkere Auseinandersetzung mit alternativen Erklärungen gewünscht.

Dadurch entsteht gelegentlich der Eindruck, dass Maran das Phänomen nicht in erster Linie möglichst umfassend erklären, sondern vor allem die von ihr angenommene Rolle der „mission civilisatrice“ sichtbar machen möchte. Das wird nicht platt und die Argumentation bleibt insgesamt solide, aber ganz ergebnisoffen wirkt die Untersuchung dadurch nicht.

Als Studie ist das Buch keine allzu leichte Kost. Dafür bietet es eine große Zahl an Literaturhinweisen und eröffnet doch noch weitere Perspektiven auf das Thema. Für mich liegt sein Wert deshalb weniger darin, eine abschließende Erklärung der Folter zu liefern, als darin, einen spezifischen Zusammenhang zwischen kolonialer Ideologie und staatlicher Gewalt sichtbar zu machen, der bei einer bloßen Geschichte der Folter leicht übersehen werden könnte.

Rating: 4/5
Sprache gelesen: Deutsch
Gelesen im Jahr: 2026
Gelesen als: Gebunden, Besitz
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