Über den Engländer sind viele Klischees im Umlauf, und sie sind alle Er hängt an Traditionen; er ist so höflich, dass er sich sogar entschuldigt, wenn man ihm auf den Fuß tritt; er ist sportbesessen, was sich jedoch mehr oder weniger aufs Zuschauen beschränkt; er hält seine Insel für den Mittelpunkt der Welt und fühlt sich anderen Nationen überlegen; er hasst es, Emotionen zu zeigen; er hält Sex für eine ausländische Erfindung, kauft aber massenhaft die Sun mit ihrem nackten Seite-3-Mädel; er findet die englische Küche mit ihren absurden, den Gaumen schädigenden Gerichten vorzüglich. Jeremy Paxman schrieb in seinem Buch "The English", dass die Engländer stets Wärmflaschen an Stelle eines Sexuallebens "Wie sie sich vermehrten, war eins der Mysterien der westlichen Welt." Statt dessen taten sie ohne zu murren ihre Pflicht. "Meine Güte, ich habe mein Bein verloren", sagte der Graf von Uxbridge, nachdem ihn in der Schlacht von Waterloo eine Kanonenkugel getroffen hatte. "Meine Güte, das hast du tatsächlich", antwortete der Herzog von Wellington.Als in Dublin lebender England-Korrespondent der taz weiß niemand besser Bescheid über die tiefe Wahrheit der Vorurteile, die über die Engländer im Umlauf sind.
Herr Sotschek malt hier mit bitterböser Ironie das "Psychogramm eines komischen Volkes", der Iren nämlich. Abseits vom Kitsch und der Verklärung des Landes a la Böll wirft der Journalist in teils grotesken, teils bizarren und teils unglaublich anmutenden Anekdoten einen Blick auf das moderne Irland. Inkompetenz, Dummheit, Leichtgläubigkeit, Korruption und Missstände aller Art scheinen sich dort an jeder Ecke ein fröhliches Stelldichein bei einem (oder zwei oder drei?) Guinness zu geben.
Was Sotschek berichtet, hat zwar alles seine Richtigkeit, aber was dem Buch ganz eindeutig fehlt, ist - um's mal auf Irisch zu sagen - "a good craic", ein bisschen Spaß. Gibt's denn aus Irland neben all diesen grässlichen Skandalen und Ärgernissen so gar nichts Positives zu berichten? Man hat ein bisschen den Eindruck, hier legt ein Deutscher den Finger auf die Wunden einer ganzen Nation und wühlt gnadenlos darin herum. Das ist zwar kurzweilig und unterhaltsam zu lesen, liefert aber nur ein verzerrtes Bild von Land und Leuten.
Ganz klar, Ralf Sotscheck konnte mich mit seiner Betrachtungsweise zum schmunzeln bringen. Hemmungslos berichtet er wie dämlich, fett und zum abgewöhnen die Engländer sind. Lässt er dabei noch das ein oder andere gute Haar an ihnen? Nein. Obwohl ich ebenso wie Ralf Sotscheck mit den Iren leide und keinesfalls gutheiße was die Engländer über Generationen hinweg mit ihnen gemacht haben, mag ich das schlangestehende Völkchen. Nicht jeder Ire ist ein lustiger Kumpel mit dem man im Pub singen kann und auch nicht jeder Engländer betrinkt sich bis zum Pupillenstillstand. Wer etwas gegen Verallgemeinerungen hat, sollte jedenfalls nicht zu diesem Buch greifen und auch Union Jack schwingende Sensibelchen, kann ich von dieser Lektüre nur abraten. Das Buch ist eher für Menschen geeignet, die Engländer nicht ausstehen können und ihre Vorurteile noch mit der ein oder anderen netten Anekdote würzen wollen. Klar ist England nicht perfekt, aber welches Land ist das schon? Wichtig zu wissen ist, dass dieses Buch sich sehr viel an Diskussionen in der Presse entlang handelt. Irgendwelche irrwitzigen Politiker, die Zwangswiegen einführen wollen, welche planen die Schulkinder einzuschließen in den Pausen, damit sie nicht zur nächsten Fast-Food-Kette eilen können und am besten noch eine Racherlaubnis einmal im Jahr von Hausarzt ausstellen lassen wollen. Politiker wie diese findet man auch in Deutschland und überall auf der Welt. Viele der Dinge wurden nur diskutiert und nie durchgesetzt. Der Autor neigt dazu Dinge zu überspitzen und zu übertreiben. Dabei ist für den Englandliebhaber nicht viel Neues dabei und dieses Buch plätschert nur so an der Oberfläche. ‚Nichts gegen Engländer‘ scheint keineswegs aus dem englischen Leben herausgeschrieben worden zu sein. Es wirkt eher, als habe der Autor sich durch Berge an Zeitungen gekämpft und alles herausgefiltert, was an England störend, skurill und nervtötend sein könnte.
Positiv: - Der Autor konnte mich mit seinen bösartigen Formulierungen zum schmunzeln bringen - Liest sich in einem Rutsch weg
Neutral: - Das Buch bietet eher Zündstoff für Englandhasser und ist nicht unbedingt Lektüre für Englandliebhaber
Negativ: - Das Buch bezieht sich auf politische Diskussionen von ca. 2005, die zumeist verworfen wurde - Es wird kein gutes Haar an den Engländern gelassen - Sehr viele Dinge werden überdramatisiert und überspitzt - Der Autor stellt sich sehr arrogant über die Briten und kritisiert Dinge, die in Deutschland nicht viel besser sind. Ganz nach dem Motto ‚wer im Glashaus sitzt...‘ - Das Buch plätschert so an der Oberfläche - Das Buch gönnt sich auch immer Abstecher in die Vulgarität
Fazit: Dieses Buch könnte auch ‚Das Englandhasser Buch‘ heißen und richtet sich auch genau an diese Zielgruppe.