Ich bin wirklich absolut nicht warm geworden mit diesem Buch.
Zwar habe ich den größten Respekt für alle Kriegsreporter, aber dieses Buch hat es mir nicht leicht gemacht, sie wirklich zu mögen. Ich fand den Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig und frage mich, ob jemals ein Lektor oder eine Lektorin drübergelesen hat.
Weil sollte dem so sein, dann frage ich mich wirklich, warum niemand dieses ständige "unsereiner" rausgestrichen hat. Ich kann dieses Wort beim besten Willen nicht mehr hören. Und das Schlimmste daran ist, dass ich mir am Anfang nicht einmal sicher war, wen Antonia Rados damit eigentlich meint. Reporter? Westliche Leute? Frauen? Jedes Mal aufs Neue musste ich mich das fragen. Wer ist "unsereiner"? Ich bin nach wie vor ratlos, spekuliere aber durch den Inhalt des Buches, dass sie Kriegsreporter meint (wobei an unterschiedlichen Stellen alle meine genannten Ideen irgendwie gepasst haben, also who knows).
Vielleicht hatte ich auch falsche Erwartungen an dieses Buch. Aber wirklich viel Inhalt hatte es nicht. Natürlich ist es eine Art Tagebuch - soviel sagt ja bereits der Titel - aber manche Tage waren doch sehr inhaltslos und hätten einfach nicht reingemusst, da sie keinerlei Mehrwert hatten. Auf der anderen Seite wurde dann aber häufig mit Fachworten oder Abkürzungen um sich geworfen, dass ich streckenweise Google nicht schließen konnte. Auf der einen Seite las sich das Buch also sehr seicht, auf der anderen Seite wurde aber offenbar viel Vorwissen vorausgesetzt. Etwas, was ich gerade im Bezug auf den Irakkrieg nicht habe. Offenbar war also kein Platz für ein Glossar oder eine kurze Timeline, aber immerhin hat Antonia Rados zwei- oder dreimal die Zeit gefunden einen wirklich unlustigen Witz niederzuschreiben, den die Journalisten sich untereinander über Saddam Hussein erzählten. Vielleicht war es auch einfach nicht mein Humor und ich bin hier gerade unfair.
Und zum Schluss fand ich die Art und Weise der Erzählung auch reichlich...respektlos? Respektlos klingt etwas zu extrem, aber manchmal hat mir doch etwas das Feingefühl gefehlt. Insbesondere wenn über die Einheimischen geschrieben wurde. Ich kann den Finger nicht direkt drauflegen - was mich etwas an mir Zweifeln lässt - aber irgendetwas an der Art und Weise hat mir ein ungutes Gefühl gegeben. Gut möglich, dass es auch einfach nur an dem Format liegt: Natürlich geht es in dem Buch um Antonia Rados' Erfahrungen als Kriegsreporterin und nicht direkt um die Bevölkerung, aber gleichwohl hat mich stutzig gemacht, wie wenig diese thematisiert wurde (und wenn sie es doch wurde, dann die distanzierte, fast schon arrogante (westliche) Art).
Naja, definitv kein Buch für mich und ich bin etwas traurig mehrere Stunden reininvestiert zu haben.
3 Sterne Sehr interessantes Thema (das zieht dir Bewertung sehr nach oben), leider kein schöner Schreibstil und sehr viele Grammatikfehler etc. - gerade von ihr hätte ich stilistisch sehr viel mehr erwartet (hier zeigt sich wahrscheinlich der Unterschied zwischen Journalistin und Fernseh-Reporterin). Auch inhaltlich ist es nicht gut fokussiert - einerseits Aufzählen von sehr vielen Namen der Kolleg*innen, andererseits fehlt Kontext/fehlen Hintergrundinfos & Einordnungen. Auf Grund des Blicks hinter die Kulissen kann man es mal lesen, auch wenn es schon über 20 Jahre her ist. Das Buch hat mein Interesse geweckt, mehr zur Arbeitsweise etc. von (Auslands-)Journalist*innen lesen zu wollen. Von der Autorin will ich aber keine weiteren Bücher lesen.