Es fing so gut an. Eine kreative, innovative Fantasy-Geschichte, eine tolle Verwendung des typischen Motivs des “Auserwaehlten” (hier wird der Charakter mal wieder “auserwaehlt um die Welt zu retten”, allerdings indem er fuer sie stirbt), ein interessantes Setting.
Man kann das Buch sicherlich als Dark Fantasy einordnen. Es ist duester und teilweise sehr brutal (nichts fuer schwache Maegen). Auch ist es ziemlich realistisch. Magie gibt es nur wenig (eigentlich nur die Seelentaenzer), und auch anderes, wie Fabelwesen, was das Setting als “Fantasy” qualifiziert ist rar. Es hat teilweise mehr von einer alternativen Realitaet mit Mittelalter-Setting.
Doch nach dem guten Start ging es dann Berg ab. Der Erzaehlstil ist sehr schwerfaellig, es zieht sich alles unnoetig lang, die Geschichte kommt nicht in Gang. Vieles wird viel zu breitgetreten. Teilweise gab es Stellen (zB nach dem Tsunami, mit der Langmaehne), die ewig hinausgezoegert wurden, vermutlich um Spannung zu erzeugen, bei denen man als Leser aber schon lange wusste was passiert war bzw. es sofort durchschaute.
Die Perspektive wechselt oft, teilweise zu totalen Nebencharakteren, von denen man dann nie wieder etwas hoert. Man bekommt viele Details erzaehlt, die nicht immer interessant sind, bei Beschreibungen von Landschaften oder Kleidung oder der Gesellschaft. Zu viel “Exposition”, das bekannte “show, don't tell” haette ich mir oefter gewuenscht.
Manche Ideen (Braeuche der Bewohner der Welt zB) sind toll, faszinierend, erschuetternd. Andere hingegen wirken nicht wie sie sollen. Boese Bestien = Riesenvoegel? Es gibt so viele fantastische Wesen … und praktisch alle erscheinen mir geeigneter um die Rolle der furchteinfloessenden Tiere einer Fantasy-Welt zu uebernehmen als Voegel.
Ausserdem fehlt der rote Faden, ein Ziel, irgendetwas worauf die Geschichte sozusagen hinarbeitet. Nicht dass man sowas unbedingt brauchen wuerde, aber hier guckt man ueber einen Zeitraum von mehreren Jahren einfach den verschiedenen Charas bei ihren taeglichen Taten zu, die von total belanglosen und langweiligen Sachen bis zu Mord und Totschlag reichen, ohne dass irgendwie eine Prioritaet gesetzt wird. So bekommt die Geschichte extreme Laengen. Ich mag generell “Slice of Life”, aber in diesem Fall war es vorallem langweilig. Man haette zum Beispiel die Sache mit dem Atemdieb, den Fabelwesen, der Suche nach der Wahrheit etc. schon frueher einfuehren koennen, Seruns Erkennen seiner Kraefte und die Auseinandersetzung mit seinem Stamm haette auch schneller in Gang kommen koennen, usw.
Die Langeweile beim Lesen kam aber auch dadurch auf, dass ich als Leser leider kaum eine Verbindungen zu den Charakteren aufbauen konnte. Es war toll, dass sie sehr menschlich sind, mal egoistisch, brutal, mal idealistisch, freundlich, aber das allein reichte irgendwie nicht. Alessandra ist nervig mit ihrer ewigen Bockigkeit und leider auch nicht sehr helle >_< Serun ist einfach nur langweilig, Francisco ist so schrecklich naiv ... Und dann gibt es noch haufenweise andere, Charakterentwicklung hingegen gibt es nur minimal. Vielleicht waere hier etwas weniger mehr gewesen.
Am Ende haelt die Geschichte noch ein paar nette Ueberraschung bereit. Der Autor hat sich definitiv Gedanken gemacht und alles von Anfang bis Ende durchgeplant. Aber fuer mich muessen solche Ueberraschungen ueber das ganze Buch verteilt sein, vorallem wenn es so lang ist und ueber so einen langen Zeitraum geht, aber auch generell. Ich haette gern viel frueher schon mit den Charas mitgefiebert.
Man muss dem Werk lassen, dass es definitiv keine typische Fanatasy ist, keine 472839. Neuauflage des Herrn der Ringe, sondern etwas sehr eigenes. Ich hatte mich daher auch wirklich auf das Buch gefreut, aber es hat einfach nicht gepasst. Wer aber nach “anderer” Fantasy sucht, kann die Reihe sicherlich mal antesten und vielleicht passt es besser als bei mir :)