Marin Trenk zeigt, wie sich in den vergangenen 500 Jahren bis heute nicht nur fremde Lebensmittel und einzelne Speisen, sondern komplette Küchen erfolgreich ausgebreitet haben. Dabei erfährt man, wie heute in anderen Kulturen gekocht wird. Das Buch öffnet uns die Augen für die mitunter sonderbar anmutenden Tabus, mit denen wir manche Speisen belegen. Und es macht Lust, die vielen kleinen kulinarischen Inseln zu entdecken, an denen der Geschmack der Welt bisher vorübergezogen ist. Nicht zuletzt wirft der Autor einen Blick in die Zukunft kulinarischer Entwicklungen.
"Döner Hawaii" ist ein noch gutes Buch, von dem ich mir insgesamt aber mehr erhofft hatte.
Der erste Teil des Buches befasst sich mit drei Wellen kulinarischer Globalisierung: Zuerst verbreiteten sich einzelne Nahrungsmittel (z.B. die Chili), danach einzelne Rezepte (z.B. die Guacamole), bis zum Schluss ganze Küchen (z.B. die Tex-Mex-Küche) über den Globus exportiert werden. Der zweite Teil befasst sich mit der Verbreitung und Dominanz einzelner Küchen in Deutschland, bevor im dritten Teil ein Blick auf globale Foodtrends geworfen wird.
Das Buch beginnt super spannend und jede Seite des ersten Kapitels bietet einen Aha-Moment. Auch werden interessante Fragen gestellt, die der Autor im Verlaufe des Buches zu beantworten versucht.: Warum ist die "deutsche Küche" bei uns bis auf regionale Spezialitäten wie Käsespätzle nahezu verschwunden, während in Italien oder Frankreich noch sehr stolz auf die eigene Küche geschaut wird? Gab es die "deutsche Küche" überhaupt jemals?
Leider stellt das Buch aber mehr interessante Fragen, als dass es zufriedenstellende Antworten liefert. Vieles wird mit Anekdoten oder Vermutungen beantwortet, Gerüchte werden in den Raum gestellt, bleiben aber unbeantwortet. So soll auf Speisekarten in Peking ein Gericht nach Helmut Kohl benannt sein, weil dieser etwas "Süßsaures", das er aus deutschen China-Restaurants kannte, essen wollte. Da dieser Geschmack in China aber gänzlich unbekannt ist, mussten die Köche angeblich ein Gericht improvisieren, das noch heute auf Speisekarten zu finden sei. Leider wird diesem und anderen Gerüchten nicht nachgegangen, von einem Ethnologen habe ich mehr Tiefgang und weniger anekdotisches Erzählen erwartet.
Ebenso merkt man dem Autor leider an, dass er von vegetarisch/veganer Ernährung nicht viel zu halten scheint. Anstatt im letzten Kapitel einen gnadenlos ehrlichen Blick auf die heutige Fleischproduktion zu werfen und Gedankenspiele über den immer weiter wachsenden Anteil an Vegetariern diesseits und jenseits des Atlantiks zu wagen, scheint der Autor insgesamt dann doch Vegetarier dafür zu bemitleiden, dass sie der Fleischeslust abgeschworen haben.
Auch stilistisch ist das Buch nicht immer angenehm zu lesen, das liegt an der Vorliebe des Autors für das relative wo (ein Essen, wo viel drin ist) und dem Wort freilich. Freilich kann man auf jeder Seite das Wort freilich benutzen, irgendwann wird es freilich aber auch a weng zu viel.