Dass er "zu sicher gelebt hat", begreift Charles mit Anfang 60, kurz vor seinem Ruhestand. Als seine Frau Maude ihm eröffnet, dass ein anderer Mann fortan das Haus mit ihnen teilen soll, setzt er ihrem Traum zunächst einen eigenen einmal im Leben durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Das Wasser – stark, anziehend, gefahrvoll – verändert Charles' Sicht auf sein auf die drei Sommer der Liebe in den Siebzigern, menschliche Leidenschaften, gescheiterte Utopien.Mit beeindruckender poetischer und psychologischer Intensität, sinnlich und humorvoll erzählt Ulrike Draesner die Geschichte einer Kanalüberquerung, die äußere wie innere Grenzen testet. Ein Aufbruch im Alter, ist das möglich? Gelten die frühen Ideale noch – oder wieder? Der Kanal ist kalt, die Strömung mächtig. Am Ende wird Charles klar, dass er nicht über seinen Schatten springen muss. Er kann ihn durchschwimmen.
Ich fand die Sprache herausragend gut, muss aber auch sagen, dass ich erst Schwierigkeiten hatte, ins Buch reinzukommen. Die Story ist sehr gut, anders! Der Schluß etwas "puzzling". Ich gab das Buch sehr gerne gelesen. Volle Punktzahl!
Mit sechzig Jahren steht Charles vor den Trümmern seines bisherigen Lebens: sein Frau Maude erklärt ihm, dass sie sich in einen anderen Mann verliebt hat. Die beiden haben sich in den letzten Jahren ihrer Ehe nur noch nebeneinander gelebt und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis jemand den Schritt heraus macht. Während Maude ihr neues Leben beginnt, verwirklicht Charles seinen eigenen Traum: er will durch den Ärmelkanal schwimmen.
Die Durchquerung des Ärmelkanals ist für Schwimmer das, was der Mount Everest für Bergsteiger ist: wenn man realistisch ist, bleibt es ein unerfüllter Traum. Trotzdem machen sich jedes Jahr um die 80 Menschen daran, sich diesen Traum zu erfüllen. Charles ist einer von ihnen und auch wenn es so wirkt, als ob er mit seinem Vorhaben nur das Zerbrechen seiner Ehe kompensieren will, ist der Kanal doch mehr für ihn.
Dieses "mehr" sind die Zweifel, von denen Ulrike Draesner schreibt. Für viele ist der erste Schritt in ein großes Unternehmen auch der schwierigste Schritt, nicht so für Charles. Für ihn ist der Schritt ins Wasser noch der einfachste Schritt. Der Kapitän von seinem Begleitboot hat ihm alle möglichen Gefahren auf dem Weg geschildert und jede einzelne davon ist ein jeweils größerer Schritt. Dazu kommen die deutlich sichtbaren Zweifel seiner Begleitcrew, die das Ganze nicht einfacher für Charles machen.
Aber die Durchquerung ist mehr als nur reines Schwimmen für Charles. Während er schwimmt, setzt er sich auch mit seinem bisherigen Leben auseinander und sieht mit dem Abstand vieles klarer. Für mich ist es die Geschichte einer Ehe, in der die Partner nicht genug miteinander geredet und sich für selbstverständlich genommen haben, für Charles ist es eine Kette von Versäumnissen.
Charles war mir kein sympathischer Protagonist. Für mich war er jemand, der sein Leben nach seinen Vorstellungen lebt und von den Menschen in seinem Umfeld erwartet, dass sie das ebenfalls tun. Er kann nicht damit umgehen, wenn etwas anders läuft als geplant. Deshalb ist sein Vorhaben auch so wichtig für ihn: er schwimmt nicht nur durch den Ärmelkanal, er schwimmt sich auch frei.
In ihrem eindrucksvollen Roman „Kanalschwimmer“ entführt uns die Autorin in die Lebenswelt von Charles, einem Mann in den Sechzigern, der kurz vor seinem Ruhestand steht. Die Geschichte beginnt mit einemschmerzhaften Wendepunkt: Seine Frau Maude verlässt ihn für Silas, seinen besten Freund. Diese unerwartete Trennung stürzt Charles in eine existenzielle Krise, die er mit Trotz und Entschlossenheit zu bewältigen versucht.
Um seinen inneren Konflikt zu verarbeiten, stellt sich Charles der gewaltigen Herausforderung, den Ärmelkanal schwimmend zu überqueren. Diese Metapher für seinen Kampf gegen die Widrigkeiten des Lebens wird von der Autorin in einer poetischenund eindringlichen Sprache erzählt. Die Beschreibungen der Natur, des Wassers und der menschlichen Erschöpfung sind beeindruckend und verleihen der Geschichte eine tiefere Dimension.
Der Sprachstil ist ein Highlights des Buches. Die Autorin schafft es, die Leser in die Gedankenwelt von Charles zu ziehen, während er im Wasser schwimmt und über sein Leben nachdenkt. Diese poetische Erzählweise ist anspruchsvoll und herausfordernd.
Dennoch gibt es auch kritische Punkte. Während die Naturbeschreibungen und der innere Kampf von Charles fesselnd sind, empfand ich das Beziehungswirrwarr als zu oberflächlich. Die Dynamik zwischen Charles, Maude und Silas bleibt für mich unzureichend ausgearbeitet, was dazu führte, dass ich in diesen Passagen das Interesse verlor.
Trotz dieser Schwächen bleibt die zentrale Frage, ob Charles seine Herausforderung meistern kann, ein starker Antrieb, der mich bis zum Ende des Buches fesselte. Die Mischung aus persönlichem Kampf und der Auseinandersetzung mit der Naturmacht zu einer lesenswerten, wenn auch nicht durchweg packenden Lektüre.
Insgesamt ist dieses Buch eine gelungene Erkundung von Verlust, Freundschaft und der Suche nach Sinn im Angesicht von Veränderungen. Es ist eine Einladung, sich mit den eigenen Ängsten und Herausforderungen auseinanderzusetzen – und das es zu einer bereichernden Leseerfahrung.
Ach, ich weiss nicht - dieses Lesejahr meint es bisher nicht besonders gut mit mir. Kanalschwimmer begleitet den Protagonisten Charles auf seiner Kanalüberquerung und auf seiner Reise zu sich selbst. Die Grundidee hat mich angesprochen, die Umsetzung jedoch nicht überzeugt.
Der Schreibstil ist fragmentiert, unstrukturiert. Manchmal wechseln Perspektiven, ohne auch nur eine Leerzeile - 5,6x muss man lesen, bis man versteht wer da auf einmal denkt.
Die Handlung könnte tief sein, ist es aber nicht wirklich. Keine der Figuren wirkt sympathisch, weder der weisse Fische Charles, die pummelige Lehrerin, Silas, Abbie, Maude. Vielleicht Brendan, als einziger, der Kapitän, der Retter.
Ganz ehrlich, ich habe das Ende nicht verstanden. Keine Ahnung wie die Geschichte ausgegangen ist.
intensives Buch, bei dem man als Leser mit der Hauptfigur Charles mitschwimmt und hofft, das er ankommt, an der französischen Küste und in seinem Leben