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Das Mädchen vom Amazonas

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Als Kind lebte Catherina Rust in Mashipurimo, einem Urwalddorf am Amazonas. Während ihre Eltern, beide Deutsche, die Lebensweise der Aparai-Wajana-Indianer erforschten, wuchs sie wie eine Indianerin auf. Ganz und gar im Einklang mit der Natur, geborgen in den Ritualen einer steinzeitlichen Stammesgemeinschaft.Denkt Catherina Rust heute in Berlin an das Dorf am Fluss zurück, hat es ihr im Urwald an nichts gefehlt. Im Obwohl das Leben fernab des westlichen Komforts elementare Bedrohungen mit sich bringt, war es das Paradies. Nirgendwo sonst hat sie mehr Nähe und Geborgenheit erlebt, und sie fragt sich, ob unser heutiges Besitz-, Wohlstands- und Sicherheitsstreben das einzig wahre Lebensmodell sein kann.Für ihre kleine Tochter hat Cathrina Rust jetzt ihre Geschichte Sie erzählt, dass ihr Spielplatz der Urwald war, mit verschlungenen Pflanzen und turmhohen Bäumen, deren tiefgrünes Blätterdach die tropische Sonne abhielt. Dass sie an Lianen schaukelte und im lauwarmen, nach Holz duftenden Rio Paru schwimmen lernte. Dass sie an guten Tagen Affeneintopf aß und an schlechten Piranhas, und dass sie das Brüllen des Jaguars bis heute im Ohr hat. Sie erzählt von ihrer ersten Sprache Aparai, in der es kein Wort für »Einsamkeit« gibt, von Geisterdörfern und Tamoko-Ungeheuern und davon, wie die Indianer aus Mashipurimo zu ihrer Familie wurden und deren Lebensweise und Kultur zu ihrer eigenen.

Paperback

First published October 3, 2011

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Catherina Rust

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1 review
November 24, 2013
Es ist das beste Buch dass ich 2011 (27.12.2011 in Steyr bei Weltbild) gefunden und sofort gelesen habe. Die 348 Seiten las ich innerhalb von nur 24 Stunden - mein persönlicher Rekord bei einem Buch . Ich selbst hätte liebend gern so eine Jugend gehabt, bestens beschützt durch 3 Freunde und in unvergesslicher Geborgenheit und Lebenserfahrung. Auch fand ich den Satz, den ich immer schon mit mir herumtrage: "Wer in der Erinnerung seiner Nachfahren keine Rolle mehr spielte, hatte umsonst gelebt." Ich habe noch nie besser lesen und erfahren können, wie Kinder schöner und lebenserfahrener durch selbständiges Denken und Handeln aufwachsen könnten. Es ist wohl der größte menschliche Verlust, wenn den Aparai durch Naturzerstörung und Missionierung ihrer menschlichen Lebensgrundlagen und ihre Großartigkeit an Menschlichkeit verlieren würden. Slums und Favelas zeigen uns wo entwurzelte Menschen landen, wenn sie dennoch überleben wollen (siehe: Tagebuch der Armut, Quarto de despejo von Carolina Maria de Jesus
Profile Image for Martin.
206 reviews4 followers
February 11, 2026
Mit Das Mädchen vom Amazonas legt Catherina Rust einen sehr persönlichen, engagierten Blick auf ihre frühe Kindheit bei den Aparai-Wajana vor. Sie verbindet dabei die Perspektive des Kindes mit der Stimme ihres heutigen Ichs – einer Ethnologin und engagierten Fürsprecherin dieser Menschen.

Die Autorin schildert ihr damaliges Leben als frei und glücklich. Die Rückkehr in ein ihr fremd gewordenes Deutschland mit Schulpflicht, Zeitregime und als kühl oder einengend empfundenen Strukturen ließ das Leben im Amazonas rückblickend als das bessere erscheinen. Diese Empfindung kann ich ohne Abstriche nachvollziehen – ich kenne ähnliche Gefühle aus eigener Erfahrung.

Ein Buch, das sich auf die kindliche Wahrnehmung konzentriert und diese durch eine reflektierende Erwachsenenstimme behutsam einordnet, hätte auch literarisch überzeugen können. Doch die Gegenüberstellung eines kalten, lieblosen Deutschlands und eines nahezu idealisierten Amazoniens gerät im Tonfall der erwachsenen Erzählerin oft zu plakativ. Pauschale Urteile über „die Deutschen“ stehen neben einer fast durchweg positiven Zeichnung der Aparai-Wajana. Die Begeisterung für ihre Gastfamilie ist nachvollziehbar und berührend – doch gerade wenn die erwachsene Autorin sich selbst zu Wort meldet, fehlt mitunter die kritische Distanz, die man von ihr erwarten dürfte.

Hinzu kommt ein Problem der Darstellung: Nicht immer macht die Autorin deutlich, was tatsächlich erinnerte Szene, was später angelesenes Wissen und was literarische Rekonstruktion ist. Oft ist es klar, manchmal sagt sei es auch, aber allzuoft eben auch nicht. Wenn die Scheibhaltung einheitlich oder deutlich getrennt wäre, wäre das weniger ein Problem. Insgesamt scheint das Fundament eher aus punktuellen Erinnerungen und starken atmosphärischen Eindrücken zu bestehen als aus einem lückenlos verlässlichen Gedächtnis, was an sich bei dem Alter des Kindes nachvollziehbar ist. Ein kleines, aber bezeichnendes Detail war für mich die wiederholte Bezeichnung bestimmter Insekten als „Hornissen“ – obwohl es in Südamerika keine Hornissen gibt. Das entwertet nicht das gesamte Buch, mahnt aber zur Vorsicht gegenüber der Genauigkeit einzelner Darstellungen.

Deutlich spürbar ist ihre Bewunderung für den Vater, den Ethnologen und Sammler Manfred Rauschert. Als Kind erinnert sie ihn vor allem als jemanden, der ständig mit Interviews und Textarbeit beschäftigt war; rückblickend erscheinen seine Studien bei ihr als Beitrag zum Erhalt einer bedrohten Kultur. Scharfe Kritik richtet sie gegen die Missionare, die ebenfalls Sprache und Kultur studierten, jedoch als Zerstörer traditioneller Lebensformen zugunsten eines – aus ihrer Sicht – fremden Glaubens auftreten. Die Kritik an missionarischem Eifer teile ich, die Begeisterung für die Rolle der Ethnografie weniger. Auch diese ist nicht neutral, sondern bewegt sich häufig, wie hier, zwischen Paternalismus, Romantisierung und dem Anspruch aufklärerischen Wissenssammelns. Den reinen Beobachter gibt es nicht und sie will ihn auch nicht, sondern rechtfertigt Eingriffe. Aber selbst humanistisch motivierte Eingriffe – ethisch motivierte Babyrettungen oder der Aufbau einer „Urwaldapotheke“ – verändern Machtverhältnisse und greifen normativ in eine Lebenswelt ein.

Catherina Rust durfte als Kind – ohne gefragt worden zu sein – etwas Außergewöhnliches erleben. Das weckt beim Leser Neugier, vielleicht sogar einen leisen Neid. Aus erster Hand davon berichten zu können, ist ein Privileg. Dass sie diese Erfahrung nutzt, um als Fürsprecherin indigener Gemeinschaften aufzutreten, ist verständlich und respektabel. Dennoch bleibt ein Unbehagen: Am Ende entsteht trotz aller guten Absichten auch ein exotisierender Blick auf „die Anderen“. Ich kenne selbst die Faszination für das Fremde und kann sie nachvollziehen. Aber zum Lesen hätte ich mir eine weniger polemische, weniger stereotyperzählende und selbstkritischere Perspektive gewünscht, ie ihre Gefühle nicht vertecken muss, aber anders verpackt.

Literarisch ist das Buch für mich kein großer Wurf. Persönlich jedoch ist es bedeutsam – weil ich den emotionalen Impuls, aus dem es entstanden ist, sehr gut verstehe. Aber ich halte es für notwendig, es nicht nur empathisch, sondern auch nüchtern zu lesen.

Rating: 3/5
Sprache gelesen: Deutsch
Gelesen im Jahr: 2012 + 2026
Profile Image for Susana.
114 reviews
March 19, 2024
Ein schöner Erfahrungsbericht einer Kindheit bei den Aparai.
Die westliche Zivilisation könnte so viel von den Aparai lernen. Stattdessen zerstört sie durch die Rodung des Regenwalds deren Lebensraum.
„Ein Dorf voller ausgeglichener, glücklicher, stolzer Aparai-Kinder, die den ganzen Tag herumtobten und, wenn sie schon ein wenig größer waren, den Erwachsenen mit einer solchen Begeisterung bei den täglichen Aufgaben halfen, als handle es sich um ein spannendes Spiel. Es war faszinierend zu sehen, wie geduldig die Erwachsenen mit Kindern umgingen, mit welchem Respekt selbst die Kleinsten behandelt wurden.“ (S. 325)
Wie von Jean Liedloff in den Siebzigerjahren bei den Yequanas beschrieben, sind die Babys auch hier immer bei ihren Eltern auf dem Arm oder im Tragetuch.
Es ist selbstverständlich, ihr Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit zu erfüllen. Weinende Babys, „Schlafprogramme“, Angst vor dem „Verwöhnen“ und überforderte, erschöpfte Eltern sind den Aparai fremd.
„Kein Geschrei, keine weinenden, nörgeligen, unzufriedenen Babys, nirgendwo trotzige Kleinkinder. Selbst die Jugendlichen wirken seltsam vernünftig und beinahe würdevoll.“ (S. 48)
Der respektvolle Umgang untereinander und mit ihrer Umgebung ermöglichte, dass die Aparai und andere Amazonasvölker jahrtausendelang im Einklang mit der Natur leben konnten. Schon allein deshalb sollte ihr Lebensraum geschützt und ihr Wissen weitergegeben werden. Dieses Buch ist ein wertvoller Beitrag.
Profile Image for Marta.
75 reviews1 follower
November 20, 2022
The book has left me hungry for more experiences and adventures in the jungle. The stories are captivating, beautiful, terrifying, and written in a way that makes me want to know more about the author and the jungle. Thank you! ❤️
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