Lydia, Alexander, Ruppert, Kati. Sie alle sind Schüler eines Elitegymnasiums der DDR. Während die einen mit glühendem Blick im Reimanns subversive Gedanken diskutieren, sehen die anderen unschuldig einer sozialistischen Zukunft entgegen. Der Mauerfall trennt sie schlagartig von ihrer Vergangenheit. Schwankend zwischen H, Verweigerung und Euphorie hören sie die Beteuerungen ihrer Eltern, d alles ganz normal sei. Dabei sieht jeder die Explosion 1989 mit anderen Augen. Dreißig Jahre später zieht jeder der Helden Bilanz. Und sieht sich vor große Fragen Wie lange verfolgt uns die Vergangenheit, oder verfolgen wir sie? Wie viel sind ihre Erfahrungen wert? Damals sind sie davongekommen, aber sie alle jagen einer Freiheit nach, noch immer. Julia Schoch macht den historischen Umbruch in privaten Leben erfahrbar. Und schreibt damit einen beeindruckenden Gesellschaftsroman für unsere Zeit.
Kurz vor der Wende trifft sich die 10. Klasse eines Potsdamer Gymnasiums, um gemeinsam ein Theaterstück einzuüben, das später doch nicht zustande kommen wird. Auf die Jungen der Klasse ist der Druck spürbar, sich für drei Jahre zur Volksarmee zu verpflichten, falls sie danach Wert auf einen Studienplatz legen. Jeder weiß, dass es sich um keine freie Entscheidung handelt. Eine Klassenreise führt in den Ferien nach Poznán zum Arbeitseinsatz in einer Marmeladenfabrik. Die Sommerferien werden zum Wendepunkt, nach dem nichts mehr so sein wird wie gewohnt. Der Übergang zum Ostdeutschland nach der Wende verläuft unmerklich. Plötzlich zieht es alle zur Mauer und in den Westen. Ein Schüler stellt fest, dass die Hälfte seines Freundeskreises inzwischen im Westen lebt. Franziska als ehemaliges Kaderkind wird von den Eltern allein zurückgelassen und beharrt darauf, die Geflüchteten wären in den Westen entführt worden. Lydia und Steffi lassen sich wie betäubt mitten in den neugierigen Massen durch West-Berliner Kaufhäuser treiben. Franziska shoppt mit Verwandten in Hamburg und kann sich mit ihnen weder über Pferde noch über Pauschalurlaube unterhalten. Alexanders Vater wird in der Psychiatrie behandelt, seit er seine Stasi-Akte gelesen hat. Die Erwachsenen reden sich angestrengt Normalität ein und malen zugleich kommende Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot an die Wand. Plötzlich gibt es in allen Familien gravierende Konflikte zwischen Eltern und Kindern, die sich um Konsum, den schönen Schein und Feindbilder aus dem Kalten Krieg drehen. Erst 30 Jahre später treffen wir einige der Beteiligten wieder, unmittelbar nach den Anschlägen von Paris.
Die Lücken zwischen den Statements von rund 20 Schülern müssen vom Leser mit eigenem historischem Wissen über die Ereignisse gefüllt werden. Durch die multiperspektivische Darstellung bleibt vieles aus der Zeit vor der Wende offen, das ich gern genauer gewusst hätte, um die Beziehungen zwischen Eltern und Jugendlichen, Lehrern und Schülern besser nachvollziehen zu können. Fast 20 Icherzähler waren mir hier zu viel, weil die Figuren m. A. zu wenig Konturen erhalten und nicht alle Schüler miteinander agieren. Das sprachliche Zeugnis der Wendejahre im leicht verfremdeten Potsdam lohnt sich zu lesen – vorausgesetzt man mag Multiperspektivität.
„Ich blättere darin herum, ich bleibe an einzelnen Wörtern hängen, ich muss das nicht verstehen.“ (S. 244)
Eine Schulklasse um die Zeit der Wende führt uns in diesem Roman vor Augen, wie sehr die Änderungen des politischen Systems jeden einzelnen persönlich beeinflusste. Dabei begleiten wir die einzelnen Schüler zunächst in der Zeit der politischen Umbrüche, um sie dann im zweiten Teil in unserer Zeit wieder zu treffen. Besonders dort wird deutlich, wie sehr der ein oder andere mit den Umständen zu knapsen hatte.
Ich will nicht sagen, dass mir dieses Buch nicht gefallen hat, dafür habe ich zu wenig davon verstanden. Und dabei fing es so gut an: Eine Schulklasse um die Zeit der Wende, ganz unterschiedliche Figuren, die ganz unterschiedliche Einstellungen zum System haben, und plötzlich wird alles anders. Die politischen Auswirkungen sind uns allen hinlänglich bekannt, doch einen Blick auf die persönlichen Auswirkungen zu erhaschen, das fand ich ziemlich reizvoll.
Leider fiel es mir so schwer, dem Buch zu folgen, dass es für mich keinen Lesegenuss bot. Die Schulklasse scheint nahezu vollständig aus Philosophen zu bestehen, den Eindruck erwecken jedenfalls die vielen tiefsinnigen Gedanken, doch abgesehen davon? Jedes Kapitel ist aus der Sicht eines anderen (ehemaligen) Schülers geschrieben, die sich keine Mühe geben, ihre Handlungen und Gedanken mit Hintergrund zu unterfüttern. Schon klar, für die Personen ergibt das auch keinen Sinn, und mich nerven übertriebene Nebensätze im Sinne von „Der Hans, der ja letzten Monat seine Frau verloren hat…“, die nur der Erklärung für den Leser dienen, im Normalfall auch. Aber dass ich mir Zeitsprünge selbst überlegen muss, ebenso den Fall der Mauer (sie können problemlos in den Westen fahren, also wird das jetzt wohl schon passiert sein), warum irgendjemand eine Alibibeziehung braucht (lesbisch? Wer weiß das schon…), das wird auf fast dreißig Seiten dann doch anstrengend. Hinzu kommt die Fülle an Figuren, zu denen ich durch den Aufbau einfach keine Bindung aufbauen konnte, und der Sätze wir „Ellen rief mich an“ kompliziert macht. Wer war Ellen noch gleich?
„Vielleicht ist alles ganz einfach, wenn etwas tatsächlich passiert. Vielleicht ist das Schreckliche immer nur die Vorstellung.“ (S. 35) „[…] die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte wandernder Grenzzäune, jedes Mal mit viel Natur dazwischen.“ (S. 85) „Das Scheißsystem macht sich vom Acker, aber das Schlechte lässt es da, findest du das nicht ungerecht?“ (S. 108)
All das sorgte leider dafür, dass ich keinen Spaß daran hatte, dieses Buch zu lesen. Es lief nebenher mit, wenn ich mich zwischendurch mal überwinden konnte, weiter zu lesen, und machte mir ansonsten eher ein schlechtes Gewissen. Ich hoffe jedoch sehr, dass es Menschen gibt, die meine Kritikpunkte eher reizvoll finden und diesem Roman die Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen, die ich ihm durchaus gönne.
ein schönes und kluges buch, vieles hat mir darin immer wieder gefallen - aber die viel zu zahlreichen erzählperspektiven machten es leider unmöglich, den einzelnenen figuren wirklich zu folgen und sich an sie zu erinnern. es entsteht eher eine art chor, ein kollektives bewusstsein, mit kleinen liebes- und leidensgeschichten, hoffnungen und enttäuschungen, erste ausflüge in den westen nach dem mauerfall - und dann, später, das übliche: kinder, kita, jobs, reisen, affairen... so entsteht leider der eindruck, es ginge um alles - und um nichts, denn nichts davon wird man erinnern können. ich finde es schade, dass die autorin - die sehr schön schreiben kann - sich nicht auf ein paar wenige figuren konzentriert hat, und mehr über sie erzählt hat, so dass man den einzelnen geschichten hätte folgen und sich an sie erinnern können.
Het eerste deel vond ik heel aardig, de beschrijving van een hogere gymnasiumklas in de DDR rond de Wende. Elke leerling krijgt een hoofdstukje. Puberleven in de DDR. In deel twee zijn we twintig tot dertig jaar later en krijgt elke ex-leerling opnieuw een hoofdstukje. Maar het zijn er zo veel dat ik vergeten ben wie dat ook alweer was. Dat is nog niet het ergste. De levens lopen zo uiteen, dat ze weinig gemeenschappelijks meer hebben, en daarmee vervalt de noodzaak van de beschrijving, want wat moet je met al die korte stukjes over mensen die je nauwelijks hebt leren kennen? Het is net een reünie van een klas waar je maar kort van deel hebt uitgemaakt. Daar kun je beter van wegblijven om teleurstellingen te voorkomen.
Ich habe es dann doch nicht zu Ende gelesen. Zu viele Charaktere, die kaum verbunden nebeneinander stehen und die man durch die kurzen Schlaglichter, die auf sie geworfen werden, auch kaum kennenlernen kann. Dadurch ist die Entwicklung, die sie bis "heute" vollzogen haben, auch nicht nachzuvollziehen. Schade, die Idee fand ich gut.