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Der Roman handelt von der Reise des Autors von Deutschland nach Sizilien zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts, einer Zeit, in der sich Europa im Umbruch befindet und die Nationalstaaten entstehen, die dann schlußendlich das weltpolitische Geschehen in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts prägen sollten. Unter diesen Vorzeichen habe ich natürlich direkt gedanklich die ganzen angestaubten Interpretationsmuster zur Untersuchung der Bildung einer nationalen Identität herausgekramt. Wie oft wird wohl der Begriff Deutschland fallen? Und wie sieht der Autor andere Nationen wie beispielsweise Italien? Doch damit war ich bei Seume an den falschen geraten. Bezug nimmt er durchaus zum politischen Geschehen der Zeit, doch vor allem immer unter dem Blickwinkel, was das für die Bevölkerung der jeweiligen Region bedeutet, in der er sich befindet. So wird ganz genau beobachtet, wie sich die Wiederherstellung des Kirchenstaats durch Napoleon auf die Landwirtschaft, die Beschaffenheit der Straßen und das Leben der Menschen im Alltag auswirkt. Das besondere dabei ist, dass Seume in den Regionen, die er bereist, intensiven Kontakt zu einem breiten Spektrum an Bevölkerungsschichten hat. Während ihm sein Budget nur gestattet in einfachen Wirtshäusern unterzukommen und eher mit einem geführten Esel als in der bequemen Postkutsche zu reisen sind es seine Bildung und möglicherweise auch sein militärischer Werdegang, die ihn immer wieder in Kontakt mit politischen Würdenträgern und Intellektuellen bringen. Dadurch zeichnet Seume ein überraschend vielschichtiges und eigenwilliges Portrait einer europäischen Bevölkerung im Aufbruch, das lebendig, roh und überhaupt nicht glattgebügelt daherkommt. Denn Seume interessiert die Nation als solche nicht besonders, sondern vielmehr welche Strukturen, die zu Gleichberechtigung führen, ein Staat anbietet. Und dort begegnet er immer wieder dem unsortierten Zustand staatlicher Strukturen, die durch Napoleons Wirken immer mehr feudalistische Züge annehmen. Gleichzeitig geht er auch mit den Menschen vor Ort hart ins Gericht und bedauert auf Sizilien beispielsweise, wie wenig die natürlichen Gegebenheiten für Pflanzenaufzucht genutzt werden. Auch wenn solche Urteile des Autors etwas eigen sind, so ist doch seine Meinung zur Funktion eines Staates als Garant für Gleichberechtigung überraschend modern.
If you love traveling, or hiking, or collecting stamps, you will always have a natural interest in books written by people who share the same passion. I do enjoy walking, strolling and hiking, and I've just spent a short holiday in Sicily, and I am German, so to read a book by a German who travelled from Leipzig to Syracuse in 1802, mostly by walking, seemed to be a perfect companion. To some extent it is. The book is made up of letters to a friend, and as such it is not a thoughtfully composed work, but a rather unfiltered account of the accidental affairs of an early 19th century European traveller: "Ich erzähle Dir nur freundschaftlich, was ich sehe, was mich vielleicht beschäftigt, und wie es mir geht." There's some value in here for students of cultural history, but there are also many allusions not understandable anymore nowadays. Seume has some particular interest in theatre, visual arts, military affairs and strategies, and ancient (Latin or Greek) literature. He is an enlightened fellow, doesn't seem to have any romantic leanings, and his views on politics (e.g. the republics of the day, the relations between church and state, the conquests of Napoleon) are quite modern. So, if a few of the topics mentioned interest you, this book is worth a look or too, but due to its accidental nature, it is quite non-essential on the other hand.
klar, wer einen Reiseführer sucht, ist hier verkehrt, denn es ist ein Reise*bericht* , was Seume selbst auch immer wieder betont (eher wie heutige Diaabende, die ja auch um die persönliche Erfahrung kreisen). Wer eine aus heutiger Sicht veraltete Ausdrucksweise abschreckend findet und sich nicht für griechisch-römische Altertümer oder das Europa der napoleonischen Zeit interessiert, sollte ebenfalls was anderes lesen. Andererseits ist es ein einzigartiger Einblick in das (echt beschwerliche) Reisen und die Verhältnisse in europäischen Ländern damals, von einem Zeitgenossen Goethes, der aber über deutlich beschränktere finanzielle Mittel verfügte, Straßenräuber vermeiden muss, auch schon mal in Sümpfen landet, und anders als andere Schriftsteller der Zeit halt aus dem Volk kommt und die adlige ständische Gesellschaft kritisch sieht. Manchmal verliert er einen Nebensatz über seine Erfahrungen in Russland (fast freiwillig) oder Nordamerika (von hessischen Werbern an die Engländer verkauft), so dass ich als nächstes seine Biografie lesen werde. Nach einiger Eingewöhnung fand ich den Stil sehr lebendig und erfrischend, das Weltbild erstaunlich modern, mit dem Manne hätte ich gerne ein Bier getrunken (Wein mochte er eigentlich nicht, und dann geht der nach Italien!).
Wie bereits im Vorwort geschrieben (wenn ich mich richtig erinnere?) ist Seumes Werk vor allem inhaltlich interessant. Sein Schreibstil hingegen ist - nicht unlesbar - aber doch recht langweilig und trocken.
Trotzdem allgemein zu empfehlen, gerade der lustigen Anekdoten wegen
Alte Bücher... für mich unersetzlich... Bin gerade mit dem Held in Spoleto und werde erinnert an den großen Hannibal Barkas...
Auf Seite 130 befindet sich unser Held in Caserta. Ich lese folgendes: "Auf der Post empfing man mich, obgleich ich ein Fußgänger war, mit vieler Artigkeit, und ich hatte bald einen Trupp Neugieriger um mich her, die mich von Adam bis Pontius Pilatus aufragten; und alle wunderten sich, daß ich den Räubern noch nicht in die Hände gefallen wäre." Mich hat das an meine Reise während des Corona-Lockdowns erinnert. Ich bin über mehrere Grenzen hingweg gefahren. Keiner konnte es glauben. So ist es mit den Leuten, die sich nichts trauen und den anderen, die glauben an sich selbst und bewegen ihren Arsch. .... Ich war gerade eine Woche in Veneto. Habe dieses Buch ins Buchregal meiner Freunde hingetan - heimlich. Wenn das Buch entdeckt wird, werde ich das hier melden. Vielleicht nie!
Eine Wanderung von Leipzig nach Syrakus - das muss Seume erst einmal einer nachmachen. Er hält sich weniger mit den Altertümern auf, sondern erzählt schlicht sein Reisetagebuch - garniert mit Betrachtungen zum Zeitgeschehen. Lesenswert wegen genau dieser - taugt nicht als Reiseführer.