Jump to ratings and reviews
Rate this book

Der Weg der Wünsche: Roman

Rate this book
Es beginnt mit einem Kindergeburtstag im Kreis der Familie, doch nicht nur die Kirschbäume werfen ihren Für die Eltern Teréz und Károly ist das Leben im sozialistischen Ungarn unerträglich geworden. Niemand darf von ihren Fluchtplänen erfahren – schon gar nicht die Kinder Misi und Borbála, die einem Urlaub am Plattensee entgegenfiebern und sich bald wundern müssen, als der geliebte See am Fenster vorbeifliegt. Mit viel Wagemut schaffen es die vier über die Grenze nach Italien – dort stellt sie der sich endlos dehnende Sommer im desolaten Auffanglager auf eine Probe, die keinen von ihnen unberührt lä Károly und Teréz werden sich fremd; der achtjährige Misi erfährt die volle Härte der Erwachsenenwelt; Borbála verliebt sich zum ersten Mal. Auch längst Vergangenes bricht Teréz musste als junges Mädchen vor der heranrückenden Ostfront fliehen, Károly wurde mit seiner Mutter zwangsausgesiedelt. Die Familie droht zu zerbrechen, noch bevor sie ihr Ziel – Deutschland – erreicht ...Akos Doma, der selbst als Jugendlicher mit seiner Familie Ungarn verließ, erzählt die Geschichte einer dramatischen Flucht. Hellsichtig und mit großer sprachlicher Kraft zeigt sein Roman, was Heimatlosigkeit und Ungewissheit im Menschen anrichten können – und wie sie ihn verändern.

Paperback

Published November 17, 2017

Loading...
Loading...

About the author

Akos Doma

15 books2 followers

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
5 (15%)
4 stars
10 (31%)
3 stars
15 (46%)
2 stars
2 (6%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for MaggyGray.
683 reviews33 followers
January 6, 2017
Ein relativ schnell zu lesendes, aber auch emotionales Buch.

Die Flucht aus Ungarn ins "gelobte Land" Deutschland ist momentan ja aktueller denn je (auch wenn zu Ungarn noch unzählige andere Länder dazugekommen sind), deshalb war ich gespannt, wie der Autor das Thema umsetzt.
Doma hat eine Art zu schreiben, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat; ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Zeit- und Perspektivwechsel waren sehr gut in den Geschichtsfluss eingebaut, nur ab und an waren sie - für mich zumindest - ein bisschen langatmig. Auch hatte ich Anfangs ein paar Schwierigkeiten, die beiden Kinder auseinander zu halten - Misi klingt für mich eher weiblich, Bori eher männlich.

Die Flucht selbst, von den Eltern mehr oder weniger heimlich geplant, war in ihrem Ablauf dann aber für mich ein bisschen unverständlich. Dass man auf Schwierigkeiten trifft, ist klar, aber ich hatte ab und an den Eindruck, die Eltern wären völlig ins Blaue hinein aufgebrochen, ohne sich auch nur im Mindesten über die Umstände im Klaren zu sein. So habe ich es zum Beispiel nicht verstanden, warum sie die blauen Pässe nicht mitgenommen haben. Das wäre zwar, wie beschrieben, der ungarischen Geheimpolizei sofort aufgefallen, aber zumindest hätte es an den Grenzen für die Flüchtlinge nicht so viele Probleme gegeben, und sie hätten damit vielleicht einen Zeitbonus gehabt. Auch das Verhalten der beiden Kinder war für mich ab und an ein bisschen schwer verständlich. Während das Mädchen Bori - die die ganze Geschichte über blass und ihm Hintergrund bleibt - völlig kopflos einem Mann nachrennt, fand ich in der gegeben Situation eher unglaubwürdig. (Aber wahrscheinlich kenne ich mich einfach nur nicht aus.) Der Junge Misi ist das Muttersöhnchen, der regerecht verzogen wird, was man ihm in ein paar Situationen auch anmerkt...

Sehr ergreifend fand ich die Situation im Flüchtlingslager, die Zeit des Wartens und des Hoffens; sehr wütend hat mich gemacht, dass die Leidtragenden auch hier vor allem die Mädchen und Frauen sind, die nicht nur körperlich erpresst werden, um an wichtige Dokumente und Unterlagen zu kommen (ich denke, dass ist auch in der heutigen Zeit nicht ganz abwegig), sondern auch noch von (Ehe?-)Männern prostituiert werden, damit ein bisschen Geld in die Kasse kommt. Vor allem Károly wurde mir mit seiner naiven Dummheit in dieser Situation immer unsympathischer.

Und der Schluss? Ich stelle mir einfach vor, dass die Mutter Hilfe geholt hat...

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch!
Profile Image for Daniel.
563 reviews73 followers
April 10, 2017
Flucht einer Familie aus dem sozialistischen Ungarn 1971/72 über Jugoslawien und Italien in Richtung Deutschland.
Sehr kurze Kapitel, die in mehreren Teilen, die Erfahrungen der einzelnen Familienmitglieder sowie die Zustände während der Flucht beschreiben. Sehr offenes Ende.
Aktueller denn je!
Profile Image for yexxo.
927 reviews28 followers
September 26, 2017
Und noch ein Flüchtlingsbuch, allerdings aus einer Zeit, in der Flüchtlinge aus dem Osten noch eher selten waren. Es ist 1980, Ungarn hat eine autoritäre kommunistische Regierung, die durch die Sowjetunion gesteuert wird, wobei im Vergleich zu seinen Nachbarstaaten Polen, Tschechoslowakei usw. in vielen Bereichen eine gewisse Liberalität Einzug gehalten hat. Doch Ungarinnen und Ungarn, die sich weigern, Mitglied der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei zu werden und/oder nicht mit deren Meinung übereinstimmen, haben es schwer in ihrem Leben. Sie und ihre Familien müssen sich mit schlechten Wohnverhältnissen zufriedengeben, werden im Berufsleben benachteiligt und laufen Gefahr, überall drangsaliert zu werden. Teréz und Károly halten dies nicht mehr aus, vor allem Teréz will dieses Land, das sie trotz allem liebt, mit ihrem Mann und den beiden Kindern verlassen. Im Sommer ist es soweit: Offiziell brechen sie zum Plattensee auf, um dort Ferien zu machen. Doch ihre Fahrt geht weiter: nach Jugoslawien, um von dort die Grenze nach Italien zu überqueren und weiter nach Deutschland zu fahren.
Für Jemanden, der sein Leben lang ein Heim hatte, ist es schwer nachvollziehbar, was es bedeutet, auf der Flucht zu sein. Am Beispiel der Familie Kallay schildert Akos Doma überzeugend, welche Hoffnungen, aber auch wieviel Druck und und Angst dieser Exodus mit sich bringt. Die Freude auf ein Leben in Freiheit und ohne Bespitzelung; auf eine gerechte Behandlung ohne Furcht vor Wilkür. Aber auch die Last des untätigen Wartens auf die erlösenden Papiere; die zunehmende Besorgnis was werden soll, wenn die Papiere nicht kommen. Das Paar Kallay mag bemerkenswert naiv wirken in ihrem Glauben an das Gelingen ihrer Flucht, doch ihre jeweiligen Vergangenheiten, die als Erinnerungen oder Erzählungen immer wieder in die laufende Geschichte eingeschoben sind, machen klar, dass es keine Naivität ist, die sie so hoffnungsvoll sein lässt. Beide haben sich den Optimismus und die innere Überzeugung an das Gute im Menschen und im Leben bewahrt, sodass sie trotz ungeahnter Schwierigkeiten im gelobten Westen, weitermachen. Ungeachtet diverser Rückschläge und obwohl der Schluss des Buches das Ende der Reise offen lässt, bin ich mir sicher: Es wird gelingen; ihre Reise und ihr Ankommen in einem neuen Leben.
Ein schönes Buch, doch ein bisschen wundert es mich schon, dass es auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 zu finden ist. Aber da habe ich mich ja schon ein paar Mal gewundert ;-)
Profile Image for Elisabeth Schinagl.
78 reviews6 followers
April 30, 2018
Einfühlsam erzählt Doma die Geschichte einer Familie und ihrer Flucht aus dem kommunistischen Ungarn. Der Weg in die neue Heimat ist nicht nur steinig, er ist vor allem auch ein verzweifelter Kampf um die eigene Würde. Dabei gelingt es dem Autor, die Tristesse des Übergangslagers, das Ausgeliefertsein seiner Bewohner und und das zermürbende Warten, zu dem seine Protagonisten verdammt sind, auch sprachlich nachzuzeichnen. Ich würde mir mehr Bücher wie dieses wünschen. Unbedingt empfehlenswert!
Displaying 1 - 4 of 4 reviews