Ich war auf der Suche nach einem Buch über User Stories das mir bei zwei Sachen behilflich sein kann: - Als Leseempfehlung für ein Team das noch nie mit User Stories gearbeitet hat. - Für mich als Inspiration/Leitfaden um entsprechende Trainings und Workshops zusammen zu stellen.
Scrum kenne ich schon deshalb, wollte ich direkt ins Thema User Stories springen. Nach einem Blick in das Inhaltsverzeichnis und dem Lesen aller Kapitelzusammenfassungen hatte ich beschlossen das Buch nicht von vorne nach hinten zu lesen, sondern in der folgenden Kapitelreihenfolge:
(1) Einführung (2) Scrumcoaches (4) User Stories (7) Backlog (8) User Story Mapping (9) Akzeptanztesten (13) Release Planung ... erst danach wollte ich die restlichen Kapitel lesen.
Beim Lesen der aufgelisteten Kapitel war ich von dem Buch begeistert. Genau das was ich gesucht habe! Ich stehe zwar der einen oder anderen Praktik kritisch gegenüber, aber unterschiedlicher Meinung sein ist ja erlaubt. Ein paar Beispiele: Es wird empfohlen Bugs zwecks Behebung im Sprint zu US hinzuzufügen auch wenn es gar keinen Bezug gibt. Das sehe ich kritisch, aber es ist trotzdem eine valide Idee. Release Sprints mit der Unterstützung von Studenten, eigene Burndown Charts für Bugs und Refactoring sind weitere Themen, die ich kritisch sehe, fand die Ideen aber durchaus spannend zu lesen.
Abgesehen von diesen paar Beispielen ist das Buch ganz wundervoll mit praxisrelevanten Ideen und Erzählungen gespickt!
Als ich dazu übergegangen bin die restlichen Kapitel zu lesen, hat sich meine Einschätzung leicht geändert. Sehr viele Kapitel haben mit User Stories nicht wirklich etwas zu tun, sondern erklären einfach nur Scrum (das allerdings ziemlich gut) ohne wirklichen Bezug zu User Stories. Warum? Ich dachte es ist ein Buch über den Einsatz von User Stories? Bei mir ist der Eindruck entstanden als wäre es eine Mischung aus zwei Büchern: ein kompaktes über Scrum und eines über User Stories. Für mich eine nicht recht nützliche Vermischung.
Hier noch ein paar Verbesserungsvorschläge, die mir beim Lesen aufgefallen sind:
- Gefehlt hat mir ein Kapitel oder Anhang wo ein durchgängiges Workshopdesign nochmal zusammengefasst ist. - Schade ist auch daß es das Buch nicht auf Englisch gibt, weshalb ich das Buch meinen Teams nicht wirklich weiterempfehlen kann. - Weglassen der Kapitel über Scrum, die kaum Bezug zum Einsatz von User Stories haben. Ein Literaturverweis auf ein einschlägiges Scrum Buch oder den Scrum Guide würde reichen und dem Buch mehr Fokus schenken. - Magic Estimation hat mir als wichtige Technik gefehlt für: (1) schätzen einer großen Anzahl von Stories (2) initiales etablieren einer Story Point Skala - Verweis auf weitere Methoden, die zu User Stories führen können wie zB Impact Mapping
Fazit:
Das Buch ist eine merkwürdige Mischung: es erklärt den Einsatz von User Stories wirklich ausgezeichnet. Es erklärt wie Scrum funktioniert, das aber dann doch recht flott. Ich würde mir wünschen daß ein Buch das sich auf ein Thema (User Stories) spezialisiert auch bei dem Thema bleibt. Als Einführung zu Scrum ist es zu sehr auf User Stories spezialisiert und als Einführung zu User Stories enthält es zu viele unnötige Kapitel über Scrum. Weiterempfehlen werde ich es auf jedem Fall (mit entsprechendem Hinweis) .