Ist das Wurstcroissant das Einzige, was Deutschland und Frankreich verbindet? Welche Geheimbotschaften verbergen sich hinter den IKEA-Namen? Und sind die Österreicher tatsächlich nur die Nachfahren der Fußlahmen, die bei den Völkerwanderungen an den Hängen der Alpen liegen geblieben sind? Sicher ist eines: Ein Deutscher konnte nur Papst werden, weil Benedikt sein Handtuch auf den Heiligen Stuhl gelegt hat.
Wie gut kennen wir unsere Nachbarn? Nach der Lektüre dieses Buches musste ich gestehen, vieles war mir bislang unbekannt. Sebastian Schnoy serviert Wissen immer mit einer vergnüglichen Note und so wird der Ausflug in die Geschichte und politische Landschaft der Mitgliedsstaaten der EU kein langweiliges Unternehmen. Ich weiß jetzt wer die ‚Kleine Seejungfrau‘ in Auftrag gab und wer für Kopf und Körper Modell stand. Das ein Generalstreik anderen geschieht, aber nicht uns braven Deutschen. Wer angeblich das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Europa hat, obwohl sich der Autor hier ein wenig selber widerspricht. Warum man in Grönland wahrscheinlich nicht besonders alt wird und warum Estland von alkoholisierten Finnen heimgesucht wird. Lediglich die gut gemeinten Tipps, wie wir als Deutschen etwas lockerer werden, finde ich weder vergnüglich noch hilfreich, da hätte ich etwas mehr erwartet.
Warum man vielleicht zu diesem Buch greifen sollte: 1. Wenn man einen Blick über den Tellerrand der deutschen Grenzen werfen möchte 2. Man wissen möchte, wie unsere EU-Nachbarn ticken 3. Man eine Europareise plant und auf der Suche nach einem geeigneten Reisebegleiter ist
Fazit: Ich fühlte mich gut informiert und unterhalten, obwohl das Buch für mich nicht an ‚ Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt‘ heranreicht.
Eigentlich eine hervorragende Idee, ein Buch über die Seele und das Wesen aller EU-Staaten zu schreiben, aber was für eine grausliche Ausführung. Kein altes Klischee und blödes Vorurteil, das ausgelassen wird: z.B. die wehrhaften friedfertigen Schweizer, die die Waffen daheim haben und nix passiert, oder die korrupten Italiener, die Griechen, die keinen ordentlichen Wein zusammenbringen... werden sehr dumm breitgetregen und die einseitige und völlig undifferenzierte Sichtweise des Balkankonfliktes ist überhaupt der Gupf der Geschichte.
Da ich von den oben erwähnten Ethnien einigermaßen Ahnung habe, entweder weil ich sie in mir trage, oder weil ich selbst in besagten Ländern länger gearbeitet habe, kann ich zumindest in diesen Fällen beurteilen, wie dumm und realitätsfern diese Betrachtungen sind. Gehe davon aus, dass es in den den anderen Ländern, die ich nicht so gut kenne, nicht anders ist.
Den zweiten Stern gibt es dennoch, denn einige der bösartigen Wuchteln sind eben doch sehr brilliant formuliert, auch wenn sie übelste Klischees und tumbe Vorurteile bedienen.