Dieses Buch ist vor über 20 Jahren geschrieben worden. Zu lesen, welche politischen Veränderungen und Konflikte damals schon schwelten oder zumindest absehrbar waren (und möglicherweise entschärft hätten werden können), ist interessant und - einerseits - deprimierend. Andererseits schadet der Hinweis nicht, dass auch in einer Dekade, die heutzutage schon wie eine "gute alte Zeit" scheint, Unsicherheiten und Krisen zur Genüge vorhanden waren. So bilden sich eben in jeder Auflösung eben erst langsam die Konturen des Neuen ab, und wir stecken wohl immer noch in dieser Phase. - Das Buch wäre leichter zu lesen, wenn Scholl-Latour sich nicht eines so selbstgefälligen Schreibstils bedient hätte, der seine Geringschätzung vieler von ihm Beschriebenen oft offen zum Ausdruck bringt.
Mich hat dieses Buch interessiert, da ich mehr über den Schreibstil des Autors erfahren wollte. Es ist die Mischung von Privatem, Hintergrundinformationen und Erlebtem, die seine Bücher so interessant machen. Ich versuche einem ähnlichen Schreibstil in meinen Reiseberichten zu folgen: "Flucht aus Danzig" und "Radtour zum BODENSEE und 49 Jahre danach!". Daneben sind seine geschilderten Erlebnisse über die Krisenherde unserer Welt vor 30 Jahren eine Bestätigung, dass alles noch viel schlimmer geworden ist (z. B. 11. September 2001 in New York und der Krieg in der Ukraine).