Ich habe generell keine hohen Erwartungen an Christmas Romance. Sie müssen nicht die besten Liebesromane sein. Aber ich möchte doch etwas schönes lesen, eine Liebesgeschichte, die irgendwie funkt und ein bisschen spannend ist. Und vor allem möchte ich von cozy Momenten und weihnachtlicher Stimmung lesen.
In diesem Buch geht es um Alexis und Maron, die gemeinsam als Weihnachtselfe und Santa in einer Mall arbeiten. Weihnachten pur, könnte man meinen. Aber tatsächlich bekommen wir von dem Job und der damit einhergehenden sinnlichen Stimmung nicht allzu viel mit. Der einzige Moment, der mir mit den beiden als Santa und Elfe im Kopf geblieben ist, ist der als Alexis von einem kleinen Mädchen angekotzt wird. Und zwar so richtig. Es wird nicht übertrieben detailliert beschrieben. Aber ehrlich gesagt reicht da schon die Vorstellung, wie sie mit vollgekotzter Kleidung durch die Mall zur Toilette laufen muss. Richtig ekelhaft … und nicht wirklich cozy und weihnachtlich.
Meine Erwartungen an ein weihnachtliches Setting mit cozy Momenten wurde als nicht erfüllt. Aber wie sieht es mit den anderen Punkten aus?
SPANNUNG
Liebesgeschichten haben für mich auch immer etwas spannendes. Oder sollten sie zumindest haben. Dieses Kribbeln des Neuen, die Aufregung des Verliebtsein, die sexuelle Spannung vielleicht sogar.
In »Remember Last Christmas« gab es zusätzliches Spannungspotenzial aufgrund des One-Night-Stand, den Alexis und Maron vor einem Jahr hatten - und an den Maron sich nicht erinnern kann. Das nagt natürlich an Alexis und als Leserin fragte ich mich die ganze Zeit: Wie kann es sein, dass er sich nicht mehr erinnert?
Zusätzlich werden die beiden an Weihnachten nach ihrer Schicht in der Mall versehentlich eingesperrt. Zwei Personen ganz allein in der Mall ohne Handynetz oder irgendeiner anderen Möglichkeit, nach Hilfe zu rufen. Das könnte sich theoretisch zu einem meiner liebsten Tropes entwickeln. Dieses eingesperrt sein und gezwungen sein, sich miteinander zu beschäftigen. Ehrlich, ich fand diesen Plottwist so genial. Als ich das gelesen habe, war ich hellauf begeistert.
Die Begeisterung hielt allerdings nicht lange an. Denn leider hat sich die Situation im Buch nicht ganz so spannend dargestellt, wie gedacht. Alexis und Maron versuchen sich von ihrer auswegslosen Situation abzulenken und veranstalten dabei die unterschiedlichsten Dinge. Ob es ein Wettrennen auf Holzpferden ist oder ein Ausflug auf der im Kreis fahrenden Lokomotive.
Versteht mich nicht falsch, das sind Dinge, die sicherlich sehr viel Spaß machen und in der Realität unterhaltsam sind. Aber gelesen haben sie sich ehrlich gesagt wahnsinnig albern. Es war mehr ein »Was machen die da?!« als ein »Das ist ja cool!«. Und dadurch blieb der Unterhaltungswert für mich aus.
LOVESTORY
Aber mal abgesehen von der weihnachtlichen Stimmung oder der romantischen Spannung geht es in einem Liebesroman ja immer noch um das Paar. Und das sind in diesem Fall Alexis und Maron, die gemeinsam zur Highschool gingen, aber nicht besonders viel miteinander zu tun hatten. Im Verlauf der Geschichte kommt heraus, dass sich beide auf unterschiedlichste Weise doch wahr genommen haben, aber mehr als ein kurzes Nicken auf den Schulfluren scheint nie gewesen zu sein.
Und ehrlich gesagt fühlt es sich auch jetzt nicht nach mehr an. Ich habe die Funken zwischen den beiden überhaupt nicht gespürt. Alexis und Maron waren für mich nicht so richtig auf einer Wellenlänge und die Dialoge wirkten extrem gekünstelt. Die Erwiderungen haben auch nicht immer ganz zusammen gepasst. Manchmal wirkten einige Sätze wie Wortspiele, die einfach vollkommen daneben gegangen sind. Maron sagt einmal, er fände Alexis sehr schlagfertig und das möge er an ihr. Aber für mich funktioniert Schlagfertigkeit nur, wenn das gesagte auch zum vorangegangenen passt.
FAZIT
Von »Remember Last Christmas« bin ich ein bisschen enttäuscht. Ich wollte einen weihnachtlichen Liebesroman, habe aber weder von der Weihnachtsstimmung noch von der Lovestory besonders viel mitnehmen können. Die Charaktere wirkten eher blass, ihre Dialoge waren sehr inszeniert und die Funken waren überhaupt nicht vorhanden. Für Zwischendurch ist das Buch ganz nett, aber definitiv kein Muss.