Das Buch bietet erhellende Aussagen von Betroffenen und schildert ausgewogen Aspekte der Sexarbeit. Wenn es denn mal wirklich um Sexarbeit geht. Denn der Untertitel "warum Sexarbeit uns alle angeht", ist tatsächlich eine genaue Beschreibung. Die Autorin, selber keine Sexarbeitende, erzählt die ersten 100 Seiten hauptsächlich von Feminismus allgemein und gesellschaftlichen Einstellungen über Sex, während das Thema Sexarbeit nur einen Bruchteil der Seiten beansprucht. Dazu redet die Autorin immer wieder über sich selbst und was das alles mit ihr zu tun hat.
Es ging mir von Anfang an auf die Nerven. Traut sie den Leser*innen nicht zu, aus den Schilderungen selbst Rückschlüsse zu ziehen und ja, sich auch eine eigene Meinung zu bilden? Stattdessen fühlt es sich so an, als würde sie eine*m am Arm packen und in die richtige Richtung zerren. Und wohlbemerkt, ich bin größtenteils völlig einer Meinung mit ihr und fand es trotzdem schwer zu ertragen, wie sie mir erklärt, was ich zu denken habe und was dieser und jener Aspekt für eine Bedeutung hat. Ich hab's gleich verstanden oder schon anderswo besser gelesen, hör mir auf.
Zudem wird es nur wenig besser, wenn ab circa Seite 100 Betroffene vorgestellt werden, die zwar viel interessanter als die Autorin sind, welche aber auch ständig von Einschüben der Autorin unterbrochen werden, obwohl ich bereits die Zusammenhänge mitgekriegt habe, die die Autorin mir aber unbedingt nochmal erklären muss. Und das Buch hat nur 230 Seiten. Ich hätte fast gleich zu Anfang wegen dem Schreibstil aufgehört und habe nur wegen den Berichten der Sexarbeitenden später durchgehalten, für die hat es sich aber auch gelohnt, weiterzulesen.