Wie geht eine Gesellschaft damit um, dass nichts mehr normal ist? Der Soziologe Stephan Lessenich zeigt, wie die Überwindung einer überholten Normalität gelingen kann.
Die Welt befindet sich im permanenten Ausnahmezustand. Nach der Finanzkrise, der Migrationskrise, der Klimakrise hat die Coronakrise den Alltag jedes Einzelnen erfasst. Und dann gibt es auch noch Krieg in Europa. Es wird immer deutlicher, dass die bewährte Normalität, nach der wir uns sehnen, nicht mehr zurückkehren wird. Stattdessen herrscht allgemeine Verunsicherung. Mit klarem Blick analysiert Stephan Lessenich die Reaktion unserer Gesellschaft auf ihre Krisen und denkt über die Fragen nach, die uns alle umtreiben. Wenn die alte Normalität nicht mehr trägt und auch nicht mehr zu ertragen ist: Was tritt dann an ihre Stelle? Und welche Dynamiken setzen ein, wenn gesellschaftliche Mehrheiten sich an Gewissheiten klammern, die immer drängender in Frage gestellt werden?
Stephan Lessenich is co-director (together with Klaus Dörre and Hartmut Rosa) of the German Research Foundation research group “Post-Growth Societies,” and is currently Professor of Sociology at the Ludwig-Maximillians-University in Munich (Germany).
a) "Es wird immer deutlicher, dass die bewährte Normalität, nach der wir uns sehnen, nicht mehr zurückkehren wird" - schreit nach einer zeitlichen und inhaltlichen Präzisierung: Wann soll dies bitte gewesen sein? Während dem 'Wirtschaftswunder' mit einem geteilten Deutschland oder wie oder wann?
b) ich zweifle respektvoll, dass es "die Gesellschaft" gibt oder gab - eher "Cliquen" mit ähnlichen Interessen und Werten wie Beamte, Webdesigner, Fussballfans etc. pp.
c) ich fand es schräg, dass in diesem Buch aus Deutschland die US-Finanzkrise als prägend bezeichnet wird und gleichzeitig die beiden Weltkriege praktisch unerwähnt bleiben (oder die Hyperinflation etc.)
d) die Bezüge auf Covid fand ich zu oberflächlich und effekthascherisch
==> Das Leben ist gefährlich und am Ende ist man tot. Geniessen Sie jeden Tag!
ich hatte etwas anderes erwartet, der anfang ist nicht schlecht (was ist normal, wie entsteht normalität). dann verliert das buch aber den fokus, es bleibt eine zustandsbeschreibung der aktuellen gesellschaftlichen debatten (klima, migration, kapitalismus, identitätspolitik). die einordnung oder der abgleich, was davon normal oder eben nicht mehr normal ist, spielt dann fast keine rolle mehr. schlimmer ist aber der schreibstil, mit dem ich leider gar nicht zurecht gekommen bin. nicht schwierig, aber unnötig kompliziert. ein buch, das man liest, alles versteht, aber nicht sagen kann, um was es am ende eigentlich gegangen ist.
Nichts neues.. Krise folgt auf Krise und die Gesellschaft hat keine Antwort auf diese, außer regressive Reaktionen. Und es kann/soll nicht so weitergehen wie bisher. Lessenich schreibt für einen Soziologen dafür weniger trocken, was das immergleiche Geschreibe dann doch halbwegs erträglich macht