"Schwarze Messen" ist ein weitere Reprint von der bekannten Bibliotheka Dracula, die am Anfang des großen Interesses für das Unheimliche in der Nachkriegszeit stand. Die bewährte Mischung aus Quellen und literarischen Texten, wobei der Dokumentarische Teil, der teilweise auch literarisch aufbereitet worden ist, vorangestellt ist. Er beginnt mit einem Bericht des römischen Historikers Livius über die Bacchanalien im römischen Reich, die das Äquivalent zu den Schwarzen Messen in christlicher Zeit sind. Viele Parallelen ergeben sich, die Aufnahmerituale, die Geheimhaltung die Ausschweifungen des Fleisches. Lezteres wurde schon im alten Rom als staatsgefährden angesehen. Ein französicher Autor geht auf die Ursprünge der schwarzen Messen im Hochmittelalter ein. Er beschreibt sie sehr sachlich als Ausdruck des Widerstandes gegen die Unterdrückung durch Adel und Kirche. Sogenannte Hexen, Bräute des Teufels, standen ihnen vor. Es folgt eine ganz eigene Spielart des Satanismus, der Fall des hochangesehenen französichen Ritters Gilles der Rais, der zahllose Kinder blutig dem Teufel geopfert hat. Sexuelle Greuel finden hier erstmals Eingang in den Satanskult. Satanische Messen als Versuch, mit Hilfe des Teufels sich die Macht zu erhalten ist auch im Fall Ravaisson zu erkennen. Für Satanismus scheint besonders die katholische Kirche anfällig zu sein, deren Ritus ja auch damit verhöhnt wird. Höhepunkt und Beginn der fiktionalen Literatur über das Böse ist Marquis de Sade. Da dürfen auch Schwarze Messen als "feierlicher" Höhepunkt der verwerflichen Perversionen nicht fehlen. Jahrzehnte später findet der Satanismus Eingang in die "Blumen des Bösen" von Charles Baudelaire. Die antibürgerliche Haltung ist dabei die individuelle Voraussetzung. Nichtsdestotrotz sind die Gedichte dunkle Kleinode. In der Erzählung von Gustav Meyrink denkt man zuerst gar nicht an Satanskult. Die eindringliche Erzählung steckt voller Überraschungen. Für Meyrink typisch finden in diese Erzählung um den letzten aus dem Geschlecht von Templern, die ja im Verdacht der Teufelsanbetung standen, okkulte und fernöstlich mystische Elemente. Ein Höhepunkt der Dekadence ist "Tief unten" von Joris Karl Huysmans, ein Buch über den Satanskult. Sehr eindringlich und doch wieder fast schon zynisch teilnahmslos wird die heruntergekommene Schar der Teilnehmer geschildert. Eher traditionell wirkt die unheimliche Geschichte von E.F.Bensen. Sie erzählt vom Schicksal der Teufelsanbeter in einer lieblichen Gegend von England. Der Erbe eines Landhauses wird mit diesen konfrontiert. Der Teufel ist verschlüsselt in Form von riesigen Fleischfliegen anwesend. Eine Geschichte um den Okkultisten und Satanisten Crowley, der bei einer Beschwörung des Teufels scheitert, gibt es auch; es ist wieder ein Romanauszug. Die letzte Erzählung ist eher enttäuschend. Robert Bloch dämonisiert hier Jugendbanden, eine Generation gewissermaßen von Succuben gezeugt, während die Männer im Krieg waren- seltsam aber so steht es geschrieben in dieser 19. veröffentlichten Geschichte. Die Aktualtität des Bandes, den man auch zur Information lesen kann, bezeugt das eigens für diese Ausgabe erweiterte Nachwort des Herausgebers.