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598 pages, Hardcover
First published January 1, 1955
Warum sucht man so wild? Um zu verbergen, daß man schon etwas gefunden hat. Es liegt ja so nahe. Man weiß, daß man nur eine kleine Bewegung zu machen hat, um die Wahrheit aufzuheben. Man wagt sich nicht an sie heran.Vermutlich wagt man sich nicht an sie heran, weil es keine erträgliche Wahrheit gibt. Das könnte man als Erkenntnis aus Döblins letztem Roman mitnehmen. Darin geht es um Wahrheitsfindung und Verdrängung, aber auch um die psychischen Nachwirkungen des Krieges. Interessant fand ich die Mischung aus psychoanalytischen und literarischen Motiven (nach dem Motto: Freud meets Shakespeare). Leider beginnt die Handlung nach dem dramatischen Höhepunkt (d.h. Katharsis und Heilung) zunehmend zu zerfasern. Es hätte nicht geschadet, wenn an dieser Stelle Schluss gewesen wäre. Döblin war bekanntlich nicht nur Schriftsteller, sondern auch Psychiater. In diesem Fall hat wohl eher der Analytiker in ihm die Schreibfeder geführt. Was eventuell der Grund sein könnte, weshalb das Erzählkonstrukt insgesamt zu kopflastig wirkt.
Wir reden, wir überzeugen, wir lernen. Möge sich aber keiner zum Sklaven seiner eigenen Meinung machen. Wer Augen hat zu sehen, sehe; wer Ohren hat zu hören, höre. Unsere Devise ist: aufmerksam und willig folgen, wir erwarten von jedem Geduld und Nachsicht gegenüber seinem Nächsten, selbst wenn man ihn nicht begreift. Wenn wir nicht so verfahren, sind wir Streiter, die auf ihren Pferden sitzen und über das Feld jagen, aber aneinander vorbeischießen, – also überhaupt nicht kämpfen.Worte, die wir uns alle zu Herzen nehmen sollten.