Das Leben ist Krieg. Der Krieg hat uns alle leer gemenscht, kaputtgeKRIEGt. Das Leben ist kein Krieg, sondern Sehnsucht, irgendwas zwischen Verachtung und Liebe! Das Leben ist Krebs, er zieht Metastasenstraßen durch meinen Leib. Das Leben ist Konzentrationsamok, ein Garten rot blühender Neurosen. Und ich bin der Menschenkarton mit chemischem Inhalt. All das geschrien, während Genitalien sich duellieren ...
Dirk Bernemanns zweites Werk, die Welt so zu erklären, wie sie wirklich ist. Wieder hat er das literarische Skalpell zur Hand genommen, seine Schnitte gehen tief, treffen zielsicher unseren Verstand und unser Bauchgefühl. Wir fühlen uns ertappt, betrogen und verletzt. Und doch, unter all dem, was wir Leben nennen, ist auch Hoffnung ... oder ist das nur Verfall de Luxe?
Das Leben hat sich in den Augen Bernemanns nicht groß verändert, deshalb blieb der Titel des Buches gleich. Auch wenn es sich um andere Geschichten, andere Schauplätze und andere Charaktere handelt, fühlt man sich wieder beobachtet, von der Unschuld ...
Man muss den ersten Teil nicht gelesen haben, um den zweiten Teil zu verstehen ...
Das sind wirklich krasse Texte. Roh und derb. Am wenigsten auszuhalten fand ich den 2. Text (von 18). Habe überlegt, abzubrechen, aber danach ist eigentlich klar, dass es so ähnlich weitergeht und ich war gewappnet.
Wer den ersten Teil von Ich hab die Unschuld kotzen sehen gelesen hat, der weiss, auf was er sich einlässt. Es ist, im Grunde, genau das gleiche. Natürlich sind die Geschichten anders, die Beziehung zwischen den Geschichten ist immer anders, aber es sind immer noch Geschichten von (menschlichen) Verderben, Verfall und dem allgemeinen, allumfassenden Unglücklichsein, welche irgendwie zusammenhängen. Ich fand das erste Buch grossartig und ich finde auch das zweite Buch grossartig (Ich schätze allerdings auch, dass das umgekehrt genau so funktioniert: Ich fand das erste Buch schlecht und ich finde auch das zweite Buch schlecht.). Kaputte Leben, kaputte Menschen. Ein kaputtes Buch. Dichte Atmosphäre, gnadenlose Aussagen, Perspektiven, die sich gegenseitig beleuchten. Einfach toll. Ich mag das.
Das Buch wurde mir zugetragen, was man daran erkennt, dass ich noch nicht mal den "ersten Teil" davon kenne.
Erwartet habe ich literarisches Junkfood, bekommen habe ich das Erbrochene, was mal abgelaufenes Junkfood war. Doch ich bin mir sicher, dass sogar genau diese Beschreibung Herrn Bernemann schmeichelt, wenn es ihm nicht einfach sowieso im höchsten Maße egal wäre.
Die Kurzgeschichten sind prägnant, immer etwas lose miteinander verbunden, auf keinen Fall langweilig, dafür roh, aggressiv, alles andere als deep, aber dennoch, oder gerade deswegen, irgendwie am Nabel der Zeit. Nichts, worüber ich morgen noch nachgrübeln würde, aber im Moment des Inputs wie ein guter Actionfilm mit Gore, Sex und disgusting stuff.
Lieblingsstellen: "Ich ficke die unbekannte Unschöne, eine, die gerade noch mal so geht. Ich habe eine Mitgenommene mitgenommen. Aus dem Tanzlokal der Verzweifelten in meine 3-Zimmer-Wohnung."
"Chris Rea singt aus Mutters Radio, dass er es cool findet, Weihnachten nach Hause zu fahren. «Driving home for Christmas...», so rockt der gute Mann Christmas. Dieses Lied, diese Stimme, diese Stimmung, zusammengefasst: dieser beschissene Kitsch erregt mentale Destruktivität und gedankliche Autoaggression in mir. Bestimmt sind schon andere Menschen während dieses Liedes gestorben, weil sie einfach vergessen haben zu atmen."
"So gleitet die Existenz aus meinen Händen und mein Leben schreit nach moralischen Grundsätzen. Doch alles ist so weit weg. So weit, die Träume, so weit weg, die Liebe, so dumm, das Leben."
Das Buch ist echt super! Jede Kurzgeschichte hat mich gefesselt. Ich hab schon immer versucht zu erraten, um welche Person es als nächstes gehen könnte. Dirk Bernemann hat die Beziehungen zu den Personen echt toll hingekriegt. Ich kanns echt nur empfehlen, aber nur für Leute, die schon was abkönnen..
Das Buch zeigt uns Dirk Bernemanns Charakter. Es zeigt wie er diese Welt, diese Gesellschaft sieht und ich finde es ist sehr gut gelungen. Der Schreibstil ist sehr einfach und dennoch braucht es meine konzentration es zu verstehen. Die Denkweise regt jemanden an nochmals über dieses Buch nachzudenken und ich frage mich noch immer was genau die Message des Buches war.