Dies ist der inzwischen neunte Band der Herbert W. Franke SF-Werkausgabe, die beim p.machinery Verlag erscheint. Das sehr schöne Hardcover hat ein Lesebändchen und ein ausklappbares Bild von Thomas Franke. Zusätzlich zum Roman enthält das Buch einige editorische Anmerkungen und farbige Titelbildabbildungen vorheriger Ausgaben sowie eine allgemeine Einführung in die Werkausgabe, beides von Ulrich Blode.
Nachdem zuletzt einige Romane erschienen waren, ist dies wieder ein Band mit Erzählungen und Franke ist ein Meister der Kurzform, was er ja schon mit seinem legendären Erstlingswerk »Der grüne Komet« mit über 60 Kurzgeschichten auf knapp 240 Seiten bewies. Demgegenüber sind die vierzehn Erzählungen dieses Bandes länger, einige mit über dreißig Seiten sogar relativ ausführlich, denn Franke formuliert seine Gedanken und Vorstellungen knapp und präzise. Das Buch erschien zum ersten Mal 1972, es ist aber immer noch sehr gut lesbar. Es enthält eine große Bandbreite an Ideen, der Grundtenor ist eher dystopisch, einige Geschichten starten mit einer vom Menschen zerstörten Erde oder schildern Gesellschaften, die ihre Mitglieder – auch aus vorgeblich guten Gründen - einer totalen Kontrolle unterwerfen. Cyberspace Szenarien werden öfter geschildert, bei denen der Geist des Menschen im Computer lebt.
Die Titelgeschichte »Einsteins Erben« beschreibt eine Gesellschaft des Stillstandes: Selbstreparierende Maschinen versorgen die Menschen automatisch mit allem Notwendigen, die Beschäftigung mit Technik und Naturwissenschaft ist nicht mehr erlaubt, da dies das gewünschte gesellschaftliche Gleichgewicht gefährden würde. Der Protagonist möchte aber verstehen und so bricht er die Siegel der Maschinen (z.B. eines Staubsaugers) auf und versucht, zu verstehen und zu reparieren. Er macht sich auf, Naturwissenschaftler zu finden und stößt zuerst auf eine Gruppe, die im Rausch Maschinen zerstört. Dann auf eine andere, die die Naturwissenschaft zur Religion erklärt hat, aber deren Mitglieder beten die Gleichungen nur an, sie verstehen sie schon lange nicht mehr. Gegen Ende gelingt es ihm sogar zu den kontrollierenden Maschinen im Hintergrund vorzudringen...
»Programm ETHIC« beginnt in einem unter einer Smogglocke liegenden Stuttgart und dem Versuch, ein »Programm zur Generierung variabler Spielfilmhandlungen zur Vorführung bei Transatlantikflügen« zu erzeugen. Der Versuch, ethische Grundlagen für die Variabilität der Spielfilmhandlungen zu erstellen, wird weiter und weiter verallgemeinert und führt zu einem unerwarteten Ergebnis. Typisch für Franke sind hier Abschnitte, in denen Wissenschaftler sehr theoretisch miteinander diskutieren, wie insgesamt viele seiner Geschichten in einem wissenschaftlich-technischen Umfeld spielen.
Lange nachdem die Erde durch eine Umweltkatastrophe weitgehend unbewohnbar wurde, starten Überlebende aus ihrer Unterwasser-Enklaven eine »Expedition« und finden Überlebende, was zu ethischen Fragen führt.
Ein ähnliches Szenario schildert »Geweckte Vergangenheit«: Archäologen einer zukünftigen Menschheit finden im radioaktiven Schutt der Vergangenheit in einem geschützten Behälter Überreste eines Menschen. Es gelingt ihnen, in die Vorstellungswelt dieses Menschen einzudringen und hier wird uns dann der Gegensatz zur Zukunftsgesellschaft geschildert, die keinen Hass, keine Rache und keine Geschlechter mehr kennt.
In »Asyl« hat eine kleine Gruppe von Menschen die Erde, die ihnen zu restriktiv erschien, verlassen und sucht einen anderen Planeten jenseits der »erforschten Distrikte«. Sie finden tatsächlich Asyl und treffen auf menschenähnliche, seltsam passive Wesen, die ein Geheimnis umgibt. Sie versuchen, mehr über diese Menschen herauszufinden, was ihnen schließlich gelingt und dazu führt, dass man sie vor eine Alternative stellt, wie sie weiterleben möchten: passiv und fremdbestimmt als Menschen oder aktiv als »Kyborgs – isolierte Gehirne, über Funk mit einem Manipulationssystem und einer zentralen Einheit verbunden«. Die Schilderung der Raumfahrt in dieser Geschichte fand ich irritierend naiv, aber dies war dem Autor auch nicht wichtig.
In »Zentrale der Welt« erleben wir Lebewesen, die die Geschicke des Universums steuern und kontrollieren. Der Protagonist A7 dupliziert sich, damit sein Duplikat die Verwaltungsarbeit weiterführen kann. Danach übernimmt er von der Zentrale den Auftrag, einen unerwarteten Aufstand auf einem Planeten zu untersuchen. Insgesamt ist die Zentrale irritiert darüber, dass sie nicht alles kontrollieren und planen kann und dass es immer wieder zufällige Ereignisse gibt. A7 findet die Ursache für den Aufstand, allerdings führt ihn dies nur weiter zur Frage, warum es etwas wie den Zufall überhaupt gibt. Er dringt ein in »den Raum außerhalb des Raums« um eine planende Instanz über der Zentrale der Welt zu suchen. Was er dort erlebt ist so fremdartig, dass er seine Ergebnisse nicht formulieren und kommunizieren kann.
Von den weiteren Geschichten hat mich z.B. »Die Koordinatorin« beeindruckt, die eine Gesellschaft ohne Männer schildert, weil diese durch ihre Aggressionen soviel Unglück über die Welt gebracht haben. Allerdings ist die total kontrollierte, angeblich aggressionsfreie Gesellschaft keine positive Alternative. In der bösen Geschichte »Warum schießt du nicht auf Peggy«rebellieren die süßen Roboterspielzeugtiere, in »Kleopatra III« versucht ein Wissenschaftler, Katzen intelligenter zu machen und muss sich mit dem Eigensinn dieser Tiere auseinandersetzen.
Frankes Stil ist manchmal nicht einfach: immer wieder gibt es Stellen, die sehr trocken aufzählen und analysieren, »sachlich, präzise, genau. Ohne Emotion«, wie es auch am Anfang von »Expedition« heißt. In diesem Stil wirft er immer wieder wichtige Fragen auf und beschäftigt sich mit ethischen Problemen. Das ist nicht immer für zwischendurch geeignet, hat mir aber gut gefallen.
Von Herbert W. Franke habe ich mehr Erzählungen als Romane gelesen. Und dieser Erzählungen haben mich als Jugendlicher sehr beeindruckt, und auch meine Vorstellung von Science Fiction mitgeprägt. Ich habe sie damals in der Stadtbibliothek für mich entdeckt. Eine Vielfalt an Themen werden von den Erzählungen behandelt. Sozialer Zerfall, Kontakt mit Außerirdischen, Anpassung an eine zerstörte und vermüllte Welt und Cyborgs. „Ein Cyborg namens Joe“ ist wohl die bekannteste Erzählung aus dieser Sammlung. In der zeigt sich ein Cyborg bei einer Weltraummission, in der er einem Menschen unterstellt ist, selbst als unerwartet menschlich. Ich kann mich auch erinnern, dass in einer Geschichte Gravitonen erwähnt wurden. Diese spekulativen Teilchen fielen mir ein, als ich von der Theorie der Dunklen Materie hörte. Ich weiß nicht, welcher SF-Autor (oder SF-Autorin) Gravitonen noch erwähnt hat.
Three weeks later, I don't remember much about the short stories in this book. I remember a general vibe of impending doom. Overpopulation, pollution, genetic manipulation, the threat of uncontrollable technology. All this written from a time and perspective when cybernetics was all the rage.
If there's one positive, it's the choice of topics. Franke's themes and the conception of most stories are still relevant 50 years after writing. It's the writing itself that feels old.