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Warum ich nicht im Netz bin: Gedichte und Prosa aus dem Krieg
»Schlimm ist es zu sehen, wie Geschichte entsteht.« Seit Sommer 2014 notiert Serhij Zhadan, was ihm auf seinen Reisen ins ostukrainische Kriegsgebiet widerfährt. Es sind lyrische Momentaufnahmen, die das Essentielle jäh aufscheinen lassen, Kürzestgeschichten über Menschen, die plötzlich auf zwei verfeindeten Seiten stehen oder nicht mehr wissen, wo sie hingehören und was aus ihnen werden soll. Wenige Strophen vermitteln etwas von der Tragödie Millionen Einzelner. In den lakonischen Versen ist die Bedeutung Brechts spürbar, dessen Lyrik Zhadan seit der ukrainischen Revolution übersetzt.
180 pages, Paperback
Published August 8, 2016
About the author
Serhiy Zhadan
123 books1,026 followersSerhiy Zhadan (23 August 1974 in Starobilsk, Luhansk region, Ukraine) is a contemporary Ukrainian novelist, writer, essayist, poet, translator, musician and public figure. Among his most notable works are novels Depeche Mode (2004, translated into into English in 2013 by Glagoslav Publications), Anarchy in the UKR (2005, translation into English is yet to come), Voroshilovgrad (2010, translated into into English in 2016 by Deep Vellum Publishing) and Orphanage (2017, translation into English forthcoming in 2020 by Yale University Press) as well as collection of short stories and poems Mesopotamia (2014, English translation by Yale University Press in 2018).
Please note that this English-language profile is intended for all own literary works of Serhiy Zhadan. For works of other authors translated into Ukrainian from a different language by Zhadan, please add both this profile (as a second author) as well as his Ukrainian-language profile: Сергій Жадан (as a third author)
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Community Reviews
Displaying 1 - 4 of 4 reviews
December 30, 2024
Mit dem ersten Teil des Buches, dem
Lyrischen, konnte Zhadan mich leider nicht so abholen.
Der zweite Teil hat es dann umso mehr wieder herausgerissen.
Auf einer kleinen Tournee tourt Zhadan , der nicht nur Schriftsteller sondern auch Musiker ist ab April 2014 u.a. durch die Ost- Ukraine und führt dabei über Städte , die er besucht und Menschen, auf die er trifft, ein wenig Tagebuch.
Er unterhält sich in der Region Donbass sowohl mit einigen wenigen Separatisten als auch mit Freiwilligen Kämpfern, die für die Unabhängigkeit der Ukraine stehen.
Zhadan spielt hierbei nicht mit unmenschlichen Kriegsgeschehen, sondern zeigt relativ objektiv und daher trotzdem sehr bewegend die Sinnlosigkeit und die Konsequenzen von kriegerischen Handlungen für die Menschen auf…. Egal auf welcher “Seite“ sie stehen. Vor allen Dingen, regt er dazu an, dass man sich Gedanken macht, was uns denn eint , statt nur danach zu schauen, was uns trennt…..
„Unser Eifer kostet uns die Ruhe. Unsere Angst kostet uns die Freude. Unsere Verschlossenheit und die Weigerung, den anderen zu verstehen, kostet uns den Frieden. Wir werden uns voreinander fürchten,uns misstrauen,uns verdächtigen,uns bekämpfen,nicht zuhören,nicht reden. Und wir vergessen all das,was uns eint,all das, was uns glücklich machen und Liebe zu diesem Leben schenken soll.“
Lyrischen, konnte Zhadan mich leider nicht so abholen.
Der zweite Teil hat es dann umso mehr wieder herausgerissen.
Auf einer kleinen Tournee tourt Zhadan , der nicht nur Schriftsteller sondern auch Musiker ist ab April 2014 u.a. durch die Ost- Ukraine und führt dabei über Städte , die er besucht und Menschen, auf die er trifft, ein wenig Tagebuch.
Er unterhält sich in der Region Donbass sowohl mit einigen wenigen Separatisten als auch mit Freiwilligen Kämpfern, die für die Unabhängigkeit der Ukraine stehen.
Zhadan spielt hierbei nicht mit unmenschlichen Kriegsgeschehen, sondern zeigt relativ objektiv und daher trotzdem sehr bewegend die Sinnlosigkeit und die Konsequenzen von kriegerischen Handlungen für die Menschen auf…. Egal auf welcher “Seite“ sie stehen. Vor allen Dingen, regt er dazu an, dass man sich Gedanken macht, was uns denn eint , statt nur danach zu schauen, was uns trennt…..
„Unser Eifer kostet uns die Ruhe. Unsere Angst kostet uns die Freude. Unsere Verschlossenheit und die Weigerung, den anderen zu verstehen, kostet uns den Frieden. Wir werden uns voreinander fürchten,uns misstrauen,uns verdächtigen,uns bekämpfen,nicht zuhören,nicht reden. Und wir vergessen all das,was uns eint,all das, was uns glücklich machen und Liebe zu diesem Leben schenken soll.“
Read
November 1, 2022sprachliche bilder, die nicht so schnell wieder loslassen.
May 31, 2023
Serhij Zhadan ist ein ukrainischer Dichter und Musiker, der in diesem Buch seine Gedanken und Erlebnisse in Bezug auf den Krieg verarbeitet. Neben Gedichten nutzt er auch die Form von Songtexten und Tagebucheinträgen. Die Gedichte in diesem Band wurden zwischen 2012 und 2016 verfasst und beziehen sich damit nicht auf die russische Invasion, die 2022 begann, sondern auf die Kriegsjahre davor. Natürlich sind die Texte aber dennoch sehr aktuell, da sich an dem Schrecken des Krieges nicht viel verändert hat.
Zu den Gedichten, die den ersten Teil des Buchs ausmachen, habe ich leider nicht so den Zugang gefunden. Manche waren mir sprachlich und formell (Kreuzreim) zu simpel, teilweise zu erzwungen gereimt, und das obwohl der Inhalt so gewaltig ist. Das kann natürlich auch an der Übersetzung liegen - manche Sprachbilder ergeben vielleicht im Deutschen weniger Sinn oder sind im Original zu sperrig.
Inhaltlich geht es u.a. häufig um Glauben und Unglauben im Krieg, um verlorene Städte und was von den übrigen Städten übrig bleibt.
Leider wird recht viel diskriminierende Sprache reproduziert, in Bezug auf Antiziganismus, Ableismus und Fatshaming, was nicht weiter eingeordnet oder kommentiert wird (aber was will man da auch einordnen 🥴).
Der zweite Teil, Zhadans 'Luhansker Tagebuch' vom Frühjahr 2014, hat mich hingegen mehr erreicht. Sehr deutlich werden die Ohnmachtsgefühle gegenüber dem Krieg und der Politik. Auch der Zwiespalt, den der Autor oder von ihm beschriebene Personen verspüren, wenn Freund*innen sich einem feindlichen Lager zuwenden, wird sehr nachvollziehbar geschildert. Jeder Akt, jede Freundschaft wird plötzlich politisch, dazu ist Tod und Zerstörung allgegenwärtig.
Ich hätte mir gewünscht, dass dem Buch mehr Kontext zugesprochen wird, z.B. in Form eines Vor- oder Nachworts. So lässt es Lesende leider etwas in der Luft hängen und erfordert Vorwissen, das man sich anderswo holen muss, um die Texte einordnen zu können.
Übersetzt von Claudia Dathe und Esther Kinsky
CN: Krieg, Tod, Gewaltschilderungen, Ableismus, Antiziganismus, Z-Wort, Fatshaming
Zu den Gedichten, die den ersten Teil des Buchs ausmachen, habe ich leider nicht so den Zugang gefunden. Manche waren mir sprachlich und formell (Kreuzreim) zu simpel, teilweise zu erzwungen gereimt, und das obwohl der Inhalt so gewaltig ist. Das kann natürlich auch an der Übersetzung liegen - manche Sprachbilder ergeben vielleicht im Deutschen weniger Sinn oder sind im Original zu sperrig.
Inhaltlich geht es u.a. häufig um Glauben und Unglauben im Krieg, um verlorene Städte und was von den übrigen Städten übrig bleibt.
Leider wird recht viel diskriminierende Sprache reproduziert, in Bezug auf Antiziganismus, Ableismus und Fatshaming, was nicht weiter eingeordnet oder kommentiert wird (aber was will man da auch einordnen 🥴).
Der zweite Teil, Zhadans 'Luhansker Tagebuch' vom Frühjahr 2014, hat mich hingegen mehr erreicht. Sehr deutlich werden die Ohnmachtsgefühle gegenüber dem Krieg und der Politik. Auch der Zwiespalt, den der Autor oder von ihm beschriebene Personen verspüren, wenn Freund*innen sich einem feindlichen Lager zuwenden, wird sehr nachvollziehbar geschildert. Jeder Akt, jede Freundschaft wird plötzlich politisch, dazu ist Tod und Zerstörung allgegenwärtig.
Ich hätte mir gewünscht, dass dem Buch mehr Kontext zugesprochen wird, z.B. in Form eines Vor- oder Nachworts. So lässt es Lesende leider etwas in der Luft hängen und erfordert Vorwissen, das man sich anderswo holen muss, um die Texte einordnen zu können.
Übersetzt von Claudia Dathe und Esther Kinsky
CN: Krieg, Tod, Gewaltschilderungen, Ableismus, Antiziganismus, Z-Wort, Fatshaming
September 7, 2022
"Zudem verändert der Krieg die Farben. Für viele Menschen verschwinden ein für alle Mal die Schattierungen, plötzlich ist die Welt schwarz-weiß, fest umrissen, streng konturiert. Und auch die Sprache ist für viele plötzlich schwarz-weiß. Ihr Gewicht nimmt zu, aber ihr Anwendungsbereich schrumpft dramatisch. Abseits des Krieges ist Kriegssprache kaum verständlich."
Dieses Buch wurde vom Autoren extra für den Suhrkampverlag zusammengestellt.
Mit seinen Gedichten (2012 bis 2015) bin ich leider weniger warm geworden, mit seinem "Luhansker Tagebuch" dagegen deutlich mehr.
"In der Bibliothek fehlen die Fensterscheiben, ein früherer Einschlag. Die Bücher liegen auf Haufen über den ganzen Raum verstreut. Wenn der Unterricht wieder beginnt, wird man die Bibliothek neu ausstatten müssen. Vielleicht sind die Bibliotheken nicht das Wichtigste, aber ohne sie geht es keinesfalls. [...] Hier liegen verschiedene Bücher. Manche sind noch aus den Sechzigern. Neuerscheinungen gibt es so gut wie keine, abgesehen von ein paar offiziellen Broschüren aus den Neunzigern. Ukrainische und sowjetische Klassik, Stoff aus dem Lehrplan. [...] Sie liegen herum und beschließen ihre Tage. Keiner ist da, der sie rettet, keiner, der sie liest. Auch sie haben niemanden gerettet, niemanden gemäßigt, niemanden zur Einsicht gebracht. Und so dauern die Gefechte an, und der Winterregen ergießt sich in die Bibliothek. [...] Wir hatten doch die gleichen Lehrpläne, überhaupt hatten wir allerhand Gemeinsames - die gelesenen Bücher, die gesehenen Filme, die Zeitungen, Zeitschriften, Witze, Helden, Wünsche, Hoffnungen. Wo sind sie abgeblieben? Warum werden plötzlich Klassenzimmer beschossen?"
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