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Shakespeares Hamlet und alles, was ihn für uns zum kulturellen Gedächtnis macht

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Nach seinen Bestsellern Bildung und Männer machte sich Dietrich Schwanitz an ein neues Projekt, das ihm besonders am Herzen lag. Als Anglist hegte er bereits seit seiner Studienzeit eine besondere Begeisterung für William Shakespeare. In seinem nächsten Buch wollte er die großen Dramen dieses berühmtesten aller Dichter nacherzählen und zugleich erläutern -- also eine komplexe Sache einem breiteren Publikum auf unterhaltsame, aber nie oberflächliche Weise nahe bringen, so wie in allen seinen Sachbüchern. Im Jahr 2004 aber vereitelte der Tod die Vollendung dieses Buchprojektes. Nun erscheint aus dem Nachlass Dietrich Schwanitz wenigstens der Teil über Hamlet, ohnehin Shakespeares wichtigstes Werk und wohl das meistgespielte Theaterstück überhaupt.

Hamlet, dieser "melancholische Hysteriker und selbstmörderische Komödiant", wird auf Shakespeares Bühne zum "ersten Intellektuellen, gedankenreich und tatenarm, und zum Urbild des romantischen Menschen, der sich mit ideologischen Fieberträumen und den Halluzinationen des Selbstzweifels herumschlägt". Von Dietrich Schwanitz an die Hand genommen, durchstreifen wir dieses weltberühmte und schon so oft inszenierte Drama von der ersten bis zur letzten Szene und erleben es wie neu unter seinen Erklärungen. Eigentlich wundert man sich, dass man es bisher überhaupt verstehen und genießen konnte, so ein Kosmos an Bedeutungen ist unter der Oberfläche versteckt; und so schwer ist Shakespeares von Bildern und Wortspielen reiche Sprache zu übersetzen. Wenn Hamlet im dritten Akt etwa Ophelia rät, ins Kloster zu gehen, erklärt uns Schwanitz, dass "nunnery" aber nicht nur Kloster, sondern umgangssprachlich auch Bordell bedeutet. Und solcher Feinheiten gibt es viele, die erst durch die Erläuterungen eines Fachmanns wie Schwanitz deutlich werden und Shakepeares Meisterwerk noch heller funkeln lassen. --Christian Stahl

185 pages, Paperback

First published January 1, 2008

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About the author

Dietrich Schwanitz

33 books35 followers
German professor and author, grew up in Switzerland.

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Displaying 1 - 3 of 3 reviews
Profile Image for Frank.
641 reviews129 followers
November 13, 2020
Man sieht, dass Schwanitz ein begnadeter Philologe war, der seinen Gegenstand beherrscht. Man muss dem Band auch zugute halten, dass er einem Fragment entstammt und eigentlich Teil eines größeren Projekts war. Warum aber haben die Herausgeber den Titel dann um den Zusatz "alles, was ihn für uns zum kulturellen Gedächtnis macht", ergänzt? Ein Schüler, der glaubt, er könne mit der Lektüre dieses Buches den Prozess zum Wissen um unser "kulturelles Gedächtnis" abkürzen, wird nicht fündig werden. Nutzt er das Buch als Stundenvorbereitung, wird es ihm ebenfalls kaum helfen. Am Ende kennt er mehr Details zu Wortbedeutungen und womöglich dem historischen Hintergrund mancher Wendung als sein Lehrer/ seine Lehrerin, allein ob er/sie "den Sinn" deswegen erfasst hat? Schwanitz präsentiert keinen "Sinn" (was "kulturelles Gedächtnis" wohl sollte), sondern begnügt sich mit einer "dichten Beschreibung" des Textes. Clifford Geertz hatte diese Methode einst in die Geschichtswissenschaft eingeführt, um die Leerstelle zu besetzen, die nach dem "Ende der großen Erzählung" (Lyotard) entstanden war. In diesem Sinne sind Freuds Hamlet- Interpretation oder auch Adaptationen des Themas wie "Papa Hamlet" von Arno Holz "große Erzählungen" und Schwanitz führt diese nun zurück auf den Text und dessen zeitgenössische Bedeutung. Nicht, dass das verwerflich wäre; für ein Einführungsseminar reicht es allemal. Aber um Hamlet als "kulturelles Gedächtnis" vorzuführen, gehört dazu die Geschichte der Interpretationen, da eben diese - und nicht der Shakespeare- Text als solcher - den Fortgang unserer "Kultur" zeigen. Diesen Anspruch erfüllt der Band mitnichten. Aber auch was die Textinterpretation anbelangt, bleiben viele Fragen offen, weil jede dieser Interpretationen für sich genommen eine "Geschichte" ist, die mindestens ebenso viel über ihren Verfasser wie über den besprochenen Text aussagt. Sprichwörtlich für das, was "kulturelles (Bildungs-)Gedächtnis" mit Hamlet verbindet, ist z.B. dessen Zögern. Angeführt werden die auf Freud zurück gehende Ödipus- Komplex- Geschichte und die Deutung, die Goethe in Faust I (Gretchen=Ophelia) liefert, ohne dass beide näher erläutert werden. Ich glaube nicht, dass Schwanitz, der so einsichtig über "Bildung" schrieb, der Meinung war, dass seine "textimmanente" Deutung die anderen überflüssig macht. Das Ding mit der Textimmanenz müssen Literatur-Wissenschafts- Student/innen zwar lernen, weil es Handwerkszeug ist, ansonsten ist es aber ein alter Hut. Wenn es um das "kulturelle Gedächtnis" geht, sind Aspekte der Wirkungs-, Einfluss- und Rezeptionsforschung mindestens so interessant, nicht zu reden von der Beschäftigung der feministisch orientierten Literaturwissenschaft mit der Ophelia und Shakespeares Misstrauen Frauen gegenüber. Kurz: Der Text ist nicht falsch und bietet demjenigen, der an seiner Originalgestalt, der historischen Aufführungspraxis und dem Zeithorizont der zeitgenössischen Rezeption interessiert ist, manch beachtenswerten Hinweis. Den verkündeten Anspruch irgend etwas über europäisches kulturelles Gedächtnis zu sagen (es sei denn, man rechnet mit dessen Verlöschen und erzählt die Story für diejenigen, denen der Text "zu schwer" ist!) löst es aber nicht ein und ist insofern eines unter vielen interessanten Büchern über Shakespeare. Für mich sind das drei Punkte.
Profile Image for juls_readingcorner.
104 reviews2 followers
May 7, 2023
Sehr interessantes Buch, dass einem viele Dinge zeigt, die man sonst in Hamlet so nie erkannt hätte
Profile Image for Tina.
105 reviews
September 19, 2010
Dietrich Schwanitz erzählt in diesem Buch die komplette Geschichte Hamlets nach und interpretiert sie gleichzeitig. Das Ganze ist unterhaltsam geschrieben. Das einzige was mir nicht so ganz gefällt ist, dass Schwanitz an manchen Stellen die unterschiedliche Interpretationen zulassen nur eine nennt. Andererseits ist dieses Buch auch eher als Einstieg in die Thematik gedacht und es wäre wahrscheinlich zu verwirrend alle Interpretationsweisen zu erläutern. (Notiz an mich: Es wäre sinnvoller gewesen dieses Buch vor dem Uni-Wissen zu lesen)
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