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Requiem für einen Hund

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Humor und Ironie, Götter, Genies, Schriftsteller und Hunde, über all das sprechen Daniel Kehlmann und Sebastian Kleinschmidt. Ein so amüsantes und erhellendes Gespräch, dass der Leser bei jedem Satz bedauern muss, nicht dabei gewesen zu sein.
«Klug, unterhaltsam und witzig, gleichermaßen professionell wie privat, ein Rückblick und eine Vorschau.» (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
«Hier vereinen sich Humor und wissenschaftliche Intellektualität aufs Schönste.» (Spiegel online)
«Erhellend ist dieses Buch, weil sich hier zwei kreative Intellektuelle auf Augenhöhe begegnen.»
(Neue Zürcher Zeitung)
«Wieder einmal zeigt sich, dass Kehlmann nicht nur kluge Romane zu schreiben versteht, sondern auch Kluges über die Kunst des Romans zu sagen hat.»
(Die Welt)
«Ein freundliches Duell und Duett zweier Gehirne.» (Neues Deutschland)

129 pages, Paperback

First published September 1, 2008

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About the author

Daniel Kehlmann

81 books1,378 followers
Daniel Kehlmann is a German-Austrian author.

His novel Measuring the World (German: Die Vermessung der Welt) was translated into more than forty languages. Awards his work has received include the Candide Prize, the Literature Prize of the Konrad Adenauer Foundation, the Heimito von Doderer Literature Award, the Kleist Prize, the WELT Literature Prize, and the Thomas Mann Prize. Kehlmann divides his time between Vienna and Berlin.

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Klaus Mattes.
718 reviews10 followers
December 23, 2024
Seinen seltsamen Titel trägt das kleine Buch, weil Nuschki, Kehlmanns Hund, der während des Gesprächs mit dem „Sinn und Form“-Herausgeber Sebastian Kleinschmidt mit im Zimmer gewesen war, kurz danach eingeschläfert werden musste. Auch sprechen die beiden am Anfang tatsächlich eine Weile über Nuschki und über die Missachtung, die von Seiten der Menschen allen Tieren widerfahre. Das ist, ähnlich wie am Ende des Bändchens die Passage über die verhängnisvolle Leidenschaft deutscher Theater für werk-ungetreues Regietheater, ein eher unnötiger Gesprächsteil.

Wo sich später eine passendere Gelegenheit nicht ergeben wird, lasst es uns hier noch anbringen: Den so von keinem vorhergeahnten Anderthalb-Millionen-Hiterfolg von „Die Vermessung der Welt“ (2005), nächster Roman erst wieder „Ruhm“ (2009), hat der Rowohlt Verlag, bei dem der Autor Kehlmann seinerzeit noch ganz neu gewesen ist, mit einigen nachgeschobenen, an sich fast unnötigen und auf Seitenzahl hoch gepumpten „Büchlein“ gemolken, von denen dieses eines ist. Doch sind sie alle richtig nett geworden: „Leo Richters Porträt“, ein Kehlmann-Porträt enthaltend, „Wo ist Carlos Montúfar?“, Kehlmanns bis dahin verstreute Texte zu den Bücher anderer.

Hier nun trifft sich der aus Ostdeutschland stammende, fast dreißig Jahre ältere „Sinn und Form“-Herausgeber Sebastian Kleinschmidt (in jener Zeitschrift erschien das Gespräch zuerst, dann machte Matthes & Seitz ein Buch daraus, das Rowohlt nach der „Vermessung“ übernahm) mit einem 1975 geborenen Zögling eines Wiener Jesuitengymnasiums. Sein Vater Michael, der ein Theater- und Fernsehregisseur gewesen war, ist vergleichsweise früh in Daniel Kehlmanns Leben - nach einer Demenzerkrankung - verstorben. Das Einzelkind hat in Wien, wo nicht gerade die modernsten Seminare dieser Fächer sind, Philosophie und Germanistik studiert und ist mittlerweile selbst Vater geworden.

Fünf Romane und Novellen, das erzählt Kehlmann ganz gerne, es stimmt aber auch, hatte er veröffentlicht und immer noch gab kaum jemand was auf ihn. Zwischendurch war er bei Suhrkamp und die ließen ihn ziehen zu Rowohlt, die dann das Geld bekamen. Kehlmanns und Kleinschmidts Begegnung ein „Interview“ zu nennen, sollte man vermeiden, der Untertitel sagt ja auch: „ein Gespräch“. Für Interviews lernen angehende Journalisten beispielsweise, dass die schwarzen Flächen der Fragetexte nicht wiederholt sichtlich länger als die der Antworten sein sollten. Aber Sebastian Kleinschmidt redet viel, stellt gern Thesen auf, führt seine weltumspannende Belesenheit in etwa so oft spazieren wie der junge Herr Kehlmann.

Sie unterhalten sich über Tiere, Humor, Ironie, das Komische, die Sterblichkeit, Kinder, „Die Vermessung der Welt“. Wie gesagt auch übers Theater, über die Philosophietradition der Wiener Universität. Über „Ruhm“, Kehlmanns kommendes Buch. Kehlmanns Bildungswucht ist monumental und wird flugs noch umzirkelt: Aristoteles, Shakespeare, Kant, Fichte, Schiller, Goethe, Stendhal, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Rilke, Musil, Kraus, Canetti, Gorki, Chargaff, Gödel, Beckett, Anouilh, J.D. Salinger, Bellow, Naipaul, Kundera, Bernhard, Handke, Menasse, Andreas Neumeister. Daniel Kehlmann weiß Bescheid.

Man denke an Karl Kraus’ „Mein Vorurteil gegen Piscator“ von 1927, eine polemische Analyse von Piscators „Räuber“-Inszenierung in Berlin.

Tja, denk mal an. Das „1927“ werden sie nachgeschaut und nachher eingeflickt haben. Oder Nuschki hat es eingesagt, damit sie sich um ihn noch mal kümmerten. Gewissermaßen zwangsläufig fragt man sich irgendwann, ob dieser ewige Jüngling von etwa dreißig Jahren noch paar Jahrzehnte magere Erzählungen um seine intellektuellen Gespinste wird flechten müssen, damit sie jemand kauft. Muss er nicht allmählich seine Philosophieshow im Fernsehen bekommen oder machen das Schwätzer wie Lanz und Precht denn noch besser?

Wem jetzt dieser Ton nicht gefallen hat: Laut Kehlmann konnten Schiller und später auch Handke ganz schön pampig werden, weil man das Hehre so leicht verjuxen kann, wenn man nur will. Er dagegen fände so was gut. Kleinschmidt sagt, Lachen zerstört die Poesie und führt Rilke an, aber Kehlmann beharrt, er könne sich gut ein poetisches Lachen vorstellen. Lachen zersetze zwar, sei teuflisch, aber solche Angriffe müsse das Göttliche durchstehen, Allerdings sei es sehr schwer, tatsächlich witzig zu schreiben und nicht etwa nur blöd herüberzukommen.

sk / In Martin Mosebachs „Häresie der Formlosigkeit“ steht der Satz: „Ein Mongolenschamane sagte mir, daß ein Stein, der aus dem Boden gegraben werde, sich darüber jahrelang nicht beruhigen könne. Mehr Empathie in der Weltwahrnehmung ist kaum möglich. Extremer Animismus, und hochpoetisch. So was hätten Sie doch einbauen können in Ihren Roman. Humboldt war auch Archäologe, er hätte in Südamerika ohne weiteres einen Schamanen treffen können. Die Stelle wäre gut geeignet für eine humoristische Destruktion. Aber dann ginge leider ihr Sinn verloren.

dk / Animismus hat immer etwas Faszinierendes, er ist eine große Metaphernquelle. Und daraus schöpfen sowohl Poesie als auch Humor. Im Grunde fasziniert uns dieser Satz über den Stein nicht, weil wir es schön finden, daß der Stein sich beunruhigt, sondern weil wir es als Metapher für unsere eigene Lage nehmen. Wir denken, der Stein ist aus der Ruhe gerissen, aber ich noch viel mehr. Wir verbinden die Ruhe des Steins sofort mit unserer Lebensunruhe.

sk / Mir geht an dieser Stelle ganz anderes durch den Kopf, nämlich: Mein Gott, wie stumpf ist eigentlich dein Bewußtsein. Was dieser Schamane sieht und hört, das würde ich auch gern sehen und hören. Und gleichzeitig glaubt man es ja nicht, weil man weiß, es ist Mystik, poetische Wahrnehmung, Anthropomorphisierung.

dk / Ich habe es als Metapher für den eigenen Zustand gesehen. Und ich sehe in dem Bild vom beunruhigten Stein auch komisches Potential. Sie haben gesagt, es ließe sich humoristisch dekonstruieren. Ich finde, daß auch bei humoristischer Behandlung die Poesie des Bildes erhalten bleibt. Ähnlich wie Don Quichotte, der sowohl eine komische als auch eine poetische Figur ist. Mir scheint die Nichtvereinbarkeit von Poesie und Humor nur gegeben, wenn das Poetische ins Pathetische gesteigert ist. Hölderlin verträgt keinen Humor. Das stimmt. Aber in der mittleren Stimmlage ist beides vereinbar.

Mit der Zeit wundert man sich schon ein wenig, dass der Subtext dieser Begegnung gar nicht „Oh hallo, aus Ihnen könnte noch was Großes werden in der deutschen Literatur“ oder „Ich hab eben nicht nachgelassen, dann auch mal Glück gehabt, demnächst geht’s vielleicht wieder runter“ ist, vielmehr als hätte den Zeitschriftenmacher die Ehre einer Audienz bei einem der geistigen Könige Europas ereilt. Dabei war erst unlängst noch behauptet worden, Volks-Schriftsteller wie Heinrich Böll und Günter Grass wären im Internetzeitalter nicht mehr denkbar. Diese Zwei dagegen sind sich einig, der junge Kehlmann ist mit den Kategorien „Größe“ und „Genie“ zu messen. Nicht von ungefähr gehe es darum immer wieder in seinen Büchern, berichtet Sebastian Kleinschmidt.
Profile Image for eviwa ♡.
63 reviews
February 16, 2024
Vieles habe ich nicht verstanden, weil mit philosophischen Zitaten und Fachbegriffen nur so um sich geworfen wird. Das Gespräch hat mir dennoch sehr gefallen und die pasagenweisen Erläuterungen DKs zu seinen Werken waren sehr spannend und augenöffnend.
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