Welche Wege führen uns aus der Klimakrise und welche nicht? Verständlich erklärt vom Experten für regenerative Energien und Initiator der „Scientists for Future-Bewegung.
Wie kommen wir aus der Klimakrise? Reicht die Energie von Sonne und Wind? Sind Elektroautos wirklich umweltfreundlich? Ist Wasserstoff der Heilsbringer? Was können wir selber tun, auch wenn es uns schwerfällt, unsere Lebensgewohnheiten zu ändern? Solche Fragen stellt man am besten Volker Quaschning, einem der weltweit führenden Experten für regenerative Energien. Mit seiner Frau Cornelia Quaschning erklärt er an konkreten Beispielen, wie der Umstieg auf eine nachhaltige Wirtschaft gelingen kann. Aber eines machen die beiden auch klar: Die Zeit wird knapp. Eine Energiewende reicht nicht, es braucht eine Energierevolution.
Als Hörer des Podcasts von den Quaschnings ist das Buch eine Bereicherung, um das Gesagte nun auch schriftlich vor sich zu haben. Das Buch ordnet die Treibhausgasemissionen (mit Fokus auf Deutschland) den Sektoren Energie, Verkehr, Industrie, Gebäude und Landwirtschaft zu und zeigt die notwendigen Massnahmen zur Reduktion der Emissionen faktisch und klar auf, um das 1,5 Grad Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen. Die Reduktionswege werden deutlich dargestellt und Irrwege, die von Politik and Lobbygruppen oftmals aufgezeigt werden, als solche erklärt und benannt. Kritikpunkte aus meiner Sicht sind der Schreibstil, der hin und wieder in Richtung Moralpredigt und Polemik abschweift (wo Fakten für sich sprechen) und die privilegierte Sichtweise, die als solche kein Kritikpunkt ist, sondern eher die fehlende andere Perspektive (nicht jeder macht Fernfluege aus purem Luxus, sondern weil Familie etc.).
Das Buch gibt einen zielgerichteten Überblick über die verschiedenen Energien, die zur Verfügung oder zumindest zur Diskussion stehen, wenn es um den dringend nötigen Wandel der deutschen Energien geht. Die Argumente für oder gegen die jeweiligen Optionen werden neben dem Umweltfaktor vor allem mit technischen und finanziellen Argumenten bewertet. Das war sehr gelungen. Meine Kritik aber war die weitgehende Auslassung der sozialen Aspekte. Die tauchten als Argument hauptsächlich dann auf, wenn es darum geht, wie und ob bestimmte Optionen von der Mehrheit der Bevölkerung Akzeptanz finden würden. Das sind gute Überlegungen, aber für mein Denken über das Klima fehlte da doch zu oft der eigentlich springende Punkt: Gerechtigkeit. Wie schaffen wir es, unsere Energieversorgung zu revolutionieren und dabei die soziale Frage nicht nur als Nebenpunkt mitzubehandeln, sondern ebenso zentral mitzudenken? Dennoch würde ich das Buch immer empfehlen. Es sollte halt nicht das einzige Buch sein, das dazu gelesen wird. Ach ja, der Humor hat zwar nicht gehittet, war aber sympathisch.
Ich habe vor ein paar Monaten "Sustainable Energy - Without the hot air" von David McKay gelesen und dachte mir, dass es so eine umfassende, für Laien zugängliche Erklärung des britischen Energiehaushaltes und wie man ihn transformieren kann auch für Deutschland geben sollte. Ich finde Volker und Cornelia Quaschning ist das sehr sehr gut gelungen.
Den halben Stern Abzug gebe ich für das letzte Kapitel in dem einige Erklärungen zusammengefasst werden, weswegen Klimaschutz nicht schon längst konsequent umgesetzt wird. Hier fehlen mir ehrlich gesagt die inhaltliche Tiefe und die Betonung struktureller, politischer und medialer Erklärungen.
Der Rest des Buches hat mich aber in meinem persönlichen Verständnis so viel weiter gebracht, dass ich es für Menschen die erstmals etwas tiefergehend über Deutschlands Energiehaushalt, Emissionen und Umsetzungsmöglichkeiten der notwendigen umfassenden Transformation lesen wollen absolut empfehlen würde.
Der Schluss macht Lust auf Anpacken für die Energierevolution. Die Erläuterungen bzgl. politischer Zusammenhänge sind erhellend. Leider vermisse ich an einigen Stellen in den technischeren Abschnitten Zahlen und optimalerweise Quellenangaben (das Literaturverzeichnis ist lang, die sind bestimmt da) zum besseren Nachvollziehen. Stattdessen waren dort häufiger undifferenzierte Aussagen und starke Meinungsäußerungen, die mMn von mehr Belegen profitiert hätten.