Das handliche Büchlein versammelt acht Kurzporträts von Fotografinnen der Pariser Moderne, die ihren männlichen Kollegen in nichts nachstanden, bis heute jedoch von der Öffentlichkeit nur selten wahrgenommen werden. Während Künstler wie Man Ray, Edward Steichen oder Henri Cartier-Bresson schon zu Lebzeiten Weltruhm erlangten, bleiben Namen wie Lee Miller, Dora Maar oder Gisèle Freund im Dunkeln oder dringen erst spät ins gesellschaftliche Bewusstsein ein. Häufig aus gutem Hause fehlte es den Frauen weder an Bildung noch an Tatendrang, um ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Neuen Sehen umzusetzen und sämtliche Bereiche vom Journalismus über die Werbung bis hin zum Porträt radikal zu verändern.
Unda Hörner schafft es, das Paris des frühen 20. Jahrhunderts lebendig werden zu lassen und einen ersten Eindruck der Pionierinnen zu vermitteln. Ob die experimentellen, an den Konstruktivismus angelegten Arbeiten einer Florence Henri oder die dokumentarischen Bilder einer Germaine Krull - die Stadt an der Seine bot nicht nur die ideale Kulisse für die fotografischen Ambitionen der Frauen, sondern ebnete oft auch ihren zukünftigen künstlerischen Weg. Die einzelnen biografischen Stationen hätte Hörner allerdings ebenso wie die Beschreibungen der technischen sowie stilistischen Neuerungen genauer ausleuchten können. Zudem wäre eine reichere Bebilderung wünschenswert gewesen, um die Leistungen und unterschiedlichen Ausrichtungen der Künstlerinnen noch stärker zu betonen. Dass der Leser somit "nur" einen groben Überblick zum Thema erhält, muss wohl vor allem dem Genre sowie dem Umfang und der Ausrichtung der Reihe zugeschrieben werden.
Alles in allem ein knapper, aber anregender Einstieg in die weibliche Fotografiegeschichte, die noch lange nicht auserzählt ist.