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Paradies 3000. Science-fiction-Erzählungen

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Wie in seinen vorhergehenden Erzählungen und Romanen beschäftigt sich H.W. Franke auch in dieser Sammlung mit einem Themenbereich, den er für den ureigenen der Science-fiction ansieht: Konfliktsituationen zwischen der Gesellschaft und einer expandierenden Wissenschaft, Rückwirkungen technischer Eingriffe - nicht zu berechnen, aber vielleicht doch zu erahnen. Der Mensch inmitten einer künstlichen Umwelt, konfrontiert mit ungewöhnlichen Gefahren, aber auch mit überraschenden Chancen, Extrapolationen von Entwicklungslinien, weit über den heutigen Stand hinaus - Situationen solcher Art konkretisieren sich in Handlungen und Schauplätzen: Die Wohnmaschinen der modernen Stadt, Laboratorien und Forschungsstätten, aber auch Raumstationen und Planeten, weitab von den Geschehnissen des Alltags. Extremsituationen, die Grenzen der Belastbarkeit - das alles in einer nüchternen Sprache geschrieben, gelegentlich sogar in einer pseudodokumentarischen Diktion, in Form von Forschungsberichten, von fingierten Tonbandprotokollen.

Inhalt:
- Paradies 3000
- Der Hölle entronnen
- Endwert Null
- Am Rande des Nebelstroms
- Die Geschichte des Berry Winterstein
- Das rosarote Universum
- Verhandlung
- Ferngelenkt
- Raumfieber
- Kursänderung
- Aufstand der Alten
- Sperrgebiet
- Schaukampf
- 2000 Jahre später

Umschlagzeichnung von Thomas Franke

162 pages, Hardcover

First published January 1, 1981

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About the author

Herbert W. Franke

175 books34 followers
Herbert W. Franke is an Austrian scientist and writer. He is considered one of the most important science fiction authors in the German language. He is also active in the fields of future research, speleology as well as computer graphics and digital art.

Franke studied physics, mathematics, chemistry, psychology and philosophy in Vienna. He received his doctorate in theoretical physics in 1950 by writing a dissertation about electron optics.

Since 1957, he has worked as a freelance author. From 1973 to 1997 he held a lectureship in "Cybernetical Aesthetic" at Munich University (later computer graphics - computer art). In 1979, he co-founded Ars Electronica in Linz/Austria. In 1979 and 1980, he lectured in "introduction to perception psychology" at the Art & Design division of the Bielefeld University of Applied Sciences. Also in 1980 he became a selected member of the German PEN club.

A collection of short stories titled "The Green Comet" was his first book publication. In 1998, Franke attended a SIGGRAPH computer graphics conference in Orlando and was a juror at the "VideoMath Festival" Berlin. He also took part in innumerable performances and presentations.

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1,025 reviews20 followers
March 5, 2022
Ich habe beschlossen, mal wieder ein wenig Herbert W. Franke zu lesen und da kam mir dieser Band mit Kurzgeschichten aus der Werkausgabe gerade recht. Wie immer bei Franke muss man sich auf eine nüchterne Sprache einstellen, bekommt aber originelle Ideen und immer wieder formale Experimente. Dafür sind diese 40 Jahre alten Geschichten allerdings von Männern dominiert, die auch noch hin und wieder rauchen, was in "Verhandlung" sogar fatale Folgen für den Protagonisten hat. Die Geschichten sind durchweg kurz, eigentlich zu kurz für weitergehende Charakterisierungen, die aber ohnehin nicht Frankes Stärke sind. Seine Stärken liegen mehr in der Beschreibung technischer Neuerungen und deren beispielhaften Auswirkungen auf den Menschen. Die Figuren haben meist eine klare Funktion in der Geschichte, aber wenig darüber hinausgehende Eigenschaften.
Fazit: Ein paar lesenswerte Erzählungen, aber im Großen und Ganzen etwas für Fans.

Hier ein paar Details zu den Geschichten, die Pointen werden nicht verraten.

Paradies 3000
In einer zukünftigen Welt gibt es zu viele Menschen, weil Geburtenkontrolle aus religiösen Gründen untersagt ist. Deshalb werden Ressourcen gespart, alles ist reguliert und die Lebenszeit der Menschen auf dreissig Jahre eingeschränkt, bevor man sie einfriert. Andererseits ist man technologisch sehr weit fortgeschritten und hat gerade die Fähigkeit entwickelt, Informationen direkt ins menschliche Gehirn zu spielen.
Insgesamt fand ich diese Welt unglaubwürdig.

Der Hölle entronnen
Ein Mann wird als Vertreter der Erde zu Ausserirdischen geschickt. Geschildert werden seine Gedanken bei der jahrelangen Reise und seine Vorstellungen, was ihn wohl erwarten wird. In der Schlusspointe zeigt sich, dass er nicht alleine gereist ist, er hat seine Probleme mitgenommen.

Endwert Null
Ein Professor forscht an "autonomen Computerprogrammen" und entdeckt, dass dabei das entstehen könnte, was wir heute eine “Künstliche Intelligenz” nennen würden. Die Geschichte enthält verschiedene spezielle Elemente, wie einen Brief, Auszüge aus Protokollen und Zeitungskommentare. So entsteht in der Kürze eine interessante Auseinandersetzung mit den Fragen, die die Entstehung einer KI aufwirft. Allerdings ist das keine Geschichte, sondern es gibt ein paar schablonenhafte Figuren, die bestimmte Positionen in der Diskussion einnehmen und man hätte dies alles auch gleich als theoretische Abhandlung aufschreiben können.

Am Rande des Nebelstroms
Eine interessante Geschichte, in der ein Wissenschaftler alleine in einer Station in einer Molekülwolke lebt und experimentiert. Seine Vorgängerin ist unter rätselhaften Umständen gestorben. Aus seinen Tonbandaufzeichnungen(!) kann man entnehmen, wie er sich mehr und mehr verändert.
Eine der besten Erzählungen im Buch.

Die Geschichte des Berry Winterstein
Der Ich-Erzähler berichtet vom Leben seines Freundes Berry, der ein großer Erfinder war. Das ist ganz nett, witzig aber auch unglaubwürdig und sicher nicht ganz ernst gemeint.

Das rosarote Universum
Diese 40 Jahre alte Geschichte liefert eine interessante Kombination zweier SF-Themen, die heute sehr aktuell sind. Ein Mann entwickelt die Software für ein Computerspiel und verliert sich mehr und mehr in der erschaffenen virtuellen, er nennt sie "holografischen", Realität. Er lebt in einer streng durchregulierten Gesellschaft, die Abweichungen von der vorgegebenen Tagesordnung nicht erlaubt.
Die im Text enthaltenen Zeilen Pseudocode wirken befremdlich und die Handlung des Computerspiels ist wenig überraschend (Flugfantasien, Kampf in einer alten Festung, junge Frau zum Verlieben und Befreien), verströmte aber immerhin soviel Reiz, dass ich das Lesen nicht bereut habe.

Verhandlung
Eine kurze Pointen-Erstkontakt-Fingerübungs-Geschichte.

Ferngelenkt
Eine kurze Geschichte, deren Pointe schon im Titel verraten wird.

Raumfieber
Ein Wissenschaftler steht in dieser ziemlich kurzen Geschichte vor der Frage, ob er ein unerprobtes Mittel Raumfahrern vor einem langen Flug verabreichen soll oder nicht. Formal interessant ist, dass jetzt beide Möglichkeiten durchgespielt werden und zu ähnlichen Ergebnissen führen. Trotzdem ist es vor allem eine reine kurze Pointengeschichte.

Kursänderung
Ein Raumfahrer verliert die Kontrolle über sein Raumschiff, weil der Computer sich auf die Seite zweier Vögel schlägt, die sich stark vermehren und dadurch die Sicherheit gefährden.
Interessant sind eigentlich nur einige Diskussionen mit dem Bordcomputer, aber solche Themen hat Asimov in seinen Robotergeschichten besser behandelt.

Aufstand der Alten
Die Alten, d.h. die über 60-jährigen revoltieren und übernehmen die Macht. Die Welt ist seltsam, in ihr werden die Alten diskriminiert und es heisst: "Wir sind mit den progressiven Linken fertig geworden, und wir haben mit den Feministen aufgeräumt."(S. 105). Die Machtübernahme der Alten ist also eher positiv zu sehen.

Sperrgebiet
Ein Wissenschaftler flieht mit seiner Familie aus dem Sperrgebiet der einen Macht zu einer anderen. Er ist erfüllt von seiner Arbeit und dem Wunsch nach Erkenntnis. Darüber vernachlässigt er seine Familie und muss am Ende eine bittere Wahrheit verkraften.
Eine interessante Geschichte, aber keine Science-Fiction.

Schaukampf
Für mich die beste Geschichte in dieser Sammlung. Sie spielt auf einer Erde der Zukunft, in der Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tod in großen Arenen stattfinden. Menschen kämpfen gegen große wilde Tiere von anderen Welten. Dies geschieht zur Erbauung der Zuschauer, die sich anscheinend sonst nur noch langweilen. Alf Fisher ist so ein Kämpfer und er hat schon mehrere Kämpfe lebend überstanden. Die Geschichte transportiert zwar auch wieder ein uraltes Frauenbild, hat aber dennoch ihre Stärken, z.B. in der Beziehung zwischen Alf und Christa und in den Gedanken von Alf, als ein Kampf ziemlich knapp wird. Das Ende wartet noch mit einer Überraschung auf.

2000 Jahre später
Hier wird uns das Zwillingsparadoxon vorgeführt: eine Gruppe von Wissenschaftlern hat das Universum bereist und erforscht und kehrt nun auf die Erde zurück, auf der viel mehr Zeit vergangen ist. Schön beschrieben sind die damit verbundenen Hoffnungen der Besatzungsmitglieder (natürlich alles Männer). Die Erde hat sich stark verändert, was hier aber nicht verraten werden soll.

Ein interessantes Nachwort von Bartholomäus Figatowski beendet den Band.
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