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Lügen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung.

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Die Mehrheit der Bürger vertraut den Medien nicht mehr. Viele haben erkannt: Eine von Konzerninteressen, Hochglanzwerbung und politischer Agitation à la "Deutschland geht es so gut wie nie zuvor" (Angela Merkel) geprägte "Berichterstattung" hat mit der sozialen Realität wenig gemein. Eine "Kernschmelze des Vertrauens" (Edelman Trust Barometer 2017) findet statt.

Der Medienmainstream antwortet auf Kritik üblicherweise mit Aussagen wie "Wir sind nicht gesteuert, Fehler passieren jedem", oder er verortet die Krisenursachen mit der Behauptung "Verschwörungstheorie!" beim Publikum selbst. Eine umfassende und vielstimmige Medienkritik tut not, die den Bürgern die "intellektuellen Waffen" an die Hand gibt, derlei Ausflüchte und Entmündigungsversuche zu entlarven. Jens Wernicke hat mit zahlreichen Medienexperten über die verschiedenen Facetten der Vertrauenskrise gesprochen und liefert ein unverzichtbares Kompendium der Medienkritik.

Zu Wort kommen die Journalisten Walter van Rossum, David Goeßmann, Ulrich Teusch, Volker Bräutigam, Ulrich Tilgner, Stephan Hebel, Werner Rügemer und Eckart Spoo. Die Wissenschaftler Noam Chomsky, Uwe Krüger, Rainer Mausfeld, Jörg Becker, Michael Walter, Erich Schmidt-Eenboom, Klaus-Jürgen Bruder, Kurt Gritsch und Daniele Ganser. Sowie mit Maren Müller, Hektor Haarkötter, Sabine Schiffer, Gert Hautsch, Rainer Butenschön, Markus Fiedler und Daniela Dahn wichtige Stimmen aus der Zivilgesellschaft.

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Published October 23, 2017

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Jens Wernicke

13 books

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Profile Image for Andreas.
632 reviews42 followers
March 11, 2020
Kurzfassung: Ein hervorragendes Buch mit einer Fülle an Interviews und Essays! Man bekommt eine sehr fundierte Auseinandersetzung, die bei Diskussionen helfen und Richtlinien geben, wie man sich als kritischer Bürger in der Medienlandschaft verhalten sollte.

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Getreu dem Motto, dass jede als Frage formulierte Schlagzeile mit NEIN beantwortet werden kann, sind die Gesprächspartner sehr vorsichtig. Lügen die Medien? Mit Vorsatz nicht - ganz davon abgesehen sind Pauschalverurteilungen jeglicher Art nicht hilfreich. Wie kommt dann aber das schlechte Bild über die Medien zustande?

1. Das Geschäft mit den Nachrichten ist vor allem erst einmal ein Geschäft. Ohne Werbekunden kann sich keine Zeitung halten und diese wirtschaftlichen Interessen bestimmen die inneren Strukturen. Interessanterweise braucht man gar keinen Maulkorb oder Anweisungen von oben. Gegen den Strom schwimmende Redaktionen konnten sich auf dem Markt nicht halten und kleine, unabhängige Zeitungen sind in den letzten Jahrzehnten von den großen Verlagen geschluckt worden. Somit haben wir jetzt die Situation, dass genau das geschrieben wird was erwartet wird.

Hinzu kommt, dass Journalisten häufig als freie Mitarbeiter beschäftigt sind. Sie werden ihre Beiträge so gestalten, dass sie von den Redaktionen akzeptiert werden damit sie was zu essen haben. Perfiderweise gilt das auch für die Öffentlich-Rechtlichen, die wirtschaftlich gesichert sind aber starkem Druck aus der Politik ausgesetzt sind. Kritische Berichte werden produziert, verschwinden aber ins Nachtprogramm.

2. Es werden ständig Nachrichten benötigt. Und diese kommen zum größten Teil von gerade einmal drei großen Presseagenturen: AP, Reuters und AFP, im deutschsprachigen Raum zusätzlich noch dpa, APA und SDA (siehe auch hier). Dadurch steht in dem meisten Zeitungen im Grunde das gleiche. Wenn es jemand schafft, Mitteilungen dort zu platzieren, erreicht er einen Großteil der westlichen Welt.

Genau das ist der Job von den PR Agenturen, Lobbyistenverbänden und Pressesprechern. Deren Texte werden häufig 1:1 übernommen ohne die Quellen zu hinterfragen oder das journalistische Gebot nach zwei unabhängigen Quellen zu beachten.

Richtig krass fand ich z.B., dass Reporter für einen Beitrag nur an der richtigen Stelle benötigt werden. Der Text ist vorgegeben. Es ist also nicht so, dass genau dieser Reporter irgendeine Eigenleistung vollbracht hätte oder sich besonders gut auskennen muss. Das ist reine Inszenierung.

Ebenfalls ungeheuerlich ist, wieviele PR Leute beim Militär beschäftigt sind und uns den Krieg schmackhaft machen - und es funktioniert! Oder wie mit Hilfe von NGOs eine gute, uneigennützige Sache vorgegaukelt wird, aber im Hintergrund irgendein Multimilliardär Geld hineinpumpt um in seinem Interesse Politik zu machen.

3. Medien sind so pluralistisch wie die Politik.. Das war ein interessanter Punkt: wenn es mehr unterschiedliche Meinungen in der Politik gibt, schlagen sich die Medien in der Regel auf verschiedene Seiten, wodurch es mehr Vielfalt gibt. Aktuell fehlt es daran in Deutschland und somit sind diese Meinungen in den Medien nur wenig präsent.

4. Vermischung von Wirtschaft, Politik und Journalisten. Sogenannte Alpha-Journalisten sind eng in Netzwerke eingebunden, die sich als Vordenker sehen und das Handeln unserer Zeit bestimmen. Dadurch fehlt es immer mehr an Kritik und das aktuelle System wird als alternativlos dargestellt. Banken müssen gerettet werden, Assad muss vernichtet werden, das Projekt Stuttgart 21 ist alternativlos, Autobahnen werden viel besser wenn sie privatisiert werden, ohne Guantanamo bekommen wir keine Informationen oder Verbrecher laufen frei herum usw. Gegenmeinungen werden nicht zur Kenntnis genommen oder heruntergespielt.

Da der Markt (siehe Punkt 1) kritische Recherchen nicht belohnt, kann auch kein Gegengewicht entstehen. Noam Chomsky und Rainer Mausfeld gehen sogar weiter und interpretieren die Entwicklung im Sinne des Klassenkampfes und den Machterhalt der Elite.


Fazit: trotz einiger Überschneidungen ist dem Autoren ein vielseitiger Blick auf ein polemisches Thema gelungen. Dabei geht es immer um konkrete und nachvollziehbare Beispiele, aus denen der Leser lernen und seine eigene Medienkompetenz verbessern kann.
Profile Image for Steffi.
340 reviews319 followers
January 9, 2018
"Luegen die Medien?" (is the media lying to us?, 2017) is a book I have been waiting for. I am not sure at what point I finally stopped following (German) mainstream news and started seeking information from alternative news sources, it must have been somewhere between the Greece 'bailout', Ukraine or Syria conflicts - in each case the official narrative (and corresponding common CDU-SPD-Greens position) was so insultingly biased including outright lies that I literally felt like I was being taken for a ride.

It seems like, in Germany at least, the official Ukraine narrative was a little too much of obvious transatlantic propaganda for many which led to a massive loss of trust in the mainstream media among 'ordinary citizens'. I am sure that most people are by now also a little suspicious of the Syria story and wondering why there's not a single line on Yemen while we're shipping our weapons to Saudi Arabia (and transfer billions to Turkey and Libya for good measure).

On the bright side, this has resulted in a number of new independent and alternative news outlets in Germany. On the not so bright side, with the rise of the far right, much of the discourse on 'fake news' ('lügenpresse') and the role of the media to 'manifacture consent' for elite projects, has been monopolized by the right and related conspiracy theory circles. Which of course allows the mainstream media to frame any challenge to hegemonic narratives as conspiracy theories with at least right-wing tendencies.

But! We shouldn't leave media critique to the neonazis and anti-semites. There's a very clear difference between the critique from the right and the left. As the book makes very clear: there are no puppet masters or individuals pulling the strings, conspiring to take over world power. In line with Chomsky and others, the many interviews in the book highlight the systemic problem with media corporations who are dependent on advertisement revenues and other favours by the political and financial elites. It's also a little more complex than that, in the end it comes down to hegemonic ideology (doesn't it always?) - there is a very tight and powerful network of big business and neoliberal and pro-NATO foundations, think tanks, universities, lobbyists, PR agencies and leading news corporations, public intellectuals and journalists. So it's no surprise that with the exception of a few 'dissident voices' the Spiegel, Zeit, SZ, FAZ etc present the same narrative, mostly oversimplified by omitting facts and always beating the war drum: responsibility to protect, human rights, 'no-fly zone'. They are literally telling us War is Peace (Afghanistan, Iraq, Syria, Libya etc) or that there's nothing politics could do about rising inequality and poverty (demographic context, global competitiveness), like, lol that the fact that soon a majority of Germans will not be able to live off their pensions is just something we have to accept. And higher wages destroy jobs! And taxing the rich destroys jobs! And if anybody dare challenging this humbug (Corbyn, Bernie, Die Linke) they'll be mocked and portrayed as backward, economy destroying irrational idiots.

Anyway, the majority of the book are interviews (many previously published at Nachdenkseiten) with media experts, academics and journalists on whether the media are actually lying to us or whether it's a little more complex and how this relates to democracy, ie how can the media be a watch dog for politics when they represent the very same interests, systemically, ideologically speaking. And what actually happens when people lose trust in politics and the media?

The book is called a media critique 'compendium' for a reason: it provides info and analyses on all aspects of the media, including the workings and networks of the PR industry, press agencies, secret services, foreign correspondents, foundations and think tanks, media corporations, governents, militaries and lobbyists.
I obviously knew that the mainstream media by and large manufactures and reflects the ideological status quo and gets us ready for the next war and austerity measure but I really had no idea of the massive industrial complex behind it.



Profile Image for Wedma.
438 reviews11 followers
October 4, 2018
Dieses Buch ist definitiv ein Muss. Diese Inhalte sollte jeder kennen und sich entspr. Gedanken über den Zustand der Demokratie uvm. machen. So klar, unverblümt und vielseitig wird man zu dem Thema wohl kaum woanders unterrichtet.

Das Buch stellt eine Ansammlung von Interviews dar und ist in drei Teile geordnet:

1. „Die Macher“. Hier kommen erfahrene Journalisten zu Wort wie Walter van Rossum, David Goeßmann, Ulrich Teusch, Volker Bräutigam, Ulrich Tilgner, Stephan Hebel, Werner Rügemer und Eckart Spoo und erzählen aus ihrer Sicht, mit vielen einleuchtenden Beispielen aus eigener langjähriger Praxis, wie es um die Meinungsfreiheit in den dt Leitmedien bestellt ist und beantworten die Frage von Jens Wernicke: Lügen die Medien?
2. „Die Denker“ wie Noam Chomsky, Uwe Krüger, Rainer Mausfeld, Jörg Becker, Michael Walter, Erich Schmidt-Eenboom, Klaus-Jürgen Bruder, Kurt Gritsch und Daniele Ganser erklären aus ihrer Sicht als Wissenschaftler, was es mit den „offiziellen“ Medien auf sich hat und warum das so ist, wie es ist.
3. „Die Zivilgesellschaft“: Maren Müller, Hektor Haarkötter, Sabine Schiffer, Gert Hautsch, Rainer Butenschön, Markus Fiedler und Daniela Dahn erzählen u.a., wie sie versuchen, auf die Leitmedien positiv einzuwirken: „Wir wollen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk wieder seinem originären Auftrag nachkommen – und zwar ohne Manipulation des Publikums, ohne Auslassung wichtiger Informationen, ohne Freund-Feind-Schemen, ohne Propaganda und ohne Klamauk aus der Mottenkiste. Damit fordern wir nichts anderes, als dass sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk an die Vorgaben der Rundfunkstaatsverträge hält. Die Sichtworte hier heißen: wahrheitsgemäße Berichterstattung, gründliche Recherche, Sorgfaltspflicht, Ausgewogenheit, Unparteilichkeit und Vollständigkeit der Informationen.“ Zitat aus dem Interview mit Maren Müller, Vorsitzender der Ständigen Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien.

Jeder Beitrag ist sehr interessant und aufschlussreich. Jedes Interview beleuchtet das Problem von einem etwas anderen Blickwinkel und offenbart den Lesern immer neue Aspekte wie eine Reihe spannender Erkenntnisse zu dem im Titel benannten Thema.
Wenn man dieses Buch liest/hört, begreift man, wie die Meinung der breiten Masse „gemacht“ wird, wer mit welchen Interessen dahintersteckt, wie die Steuerzahler dazu gebracht werden, das zu denken, was sie aus der Sicht der Eliten zu denken haben, z.B. über die Ukraine Krise oder auch Griechenlandverschuldung uvm., vgl. insb. das Interview mit Prof. Rainer Mausfeld.
Man begreift auch, dass es ein inhärentes Systemfehler ist, den noch Karl Marx beschrieben/moniert hatte, der die Leitmedien zu Handlangern der Eliten macht, denn wer zahlt, wer bestellt die Musik, s. dazu z.B. den Beitrag von Noam Chomsky wie auch seine weiteren Werke wie „Manufacturing Consent“.
Eingängig wurden das Thema Verschwörungstheorien und der Einsatz dieses Begriffs bei den von Eliten unerwünschten Meinungen beleuchtet, insb. im Interview mit Daniele Ganser. Man kennt es: Alles, was von der offiziellen Meinungslinie abweicht, wird prompt wie leichtfertig mit dem Wort Verschwörungstheorie abgestempelt. Welch eine simple Lösung. Aus der Sicht der Meinungsmacher.
„Jens Wernicke hat mit zahlreichen Medienexperten über die verschiedenen Facetten der Vertrauenskrise gesprochen und liefert ein unverzichtbares Kompendium der Medienkritik“, liest man im Klappentext. Dem stimme ich voll zu. Jens Wernicke liefert hier auch eigene sehr gute Texte, die das Problem auf den Punkt bringen. Diese findet man in der Einführung, zum Schluss und zwischen den Kapiteln. Jens Wernicke stellt zudem seinen Gesprächspartnern sehr gute Fragen. Im Resümee fasst er das Wichtigste nochmals zusammen, geht auf besonders bemerkenswerte Aspekte ein und beantwortet die im Titel gestellt Frage. Er empfiehlt auch paar sehr gute Quellen, Bücher und Autoren.
Als nächstes steht auf meinem Plan „Warum schweigen die Lämmer?“ von Prof. Rainer Mausfeld. Habe mir schon während dieser Lektüre mehr aus seiner Feder gewünscht. Nun ist sein Buch da und ich bin darauf sehr gespannt.
Dieses Buch habe ich hpts. gehört. E-Book steht mir auch zur Verfügung. Alles, was ich nicht so leicht lesen kann, denn oft genug blieb mir ob der Erkenntnisse die Luft weg, kann ich immer noch gut hören. Toll, dass es dieses Buch auch als Hörbuch gibt.

Der Sprecher Patrick Zwingmann hat sehr gut gelesen. Eine wohl ausgebildete, angenehme Profi-Vorleserstimme, die die Inhalte schön deutlich spricht. Die Übergänge zwischen den Fragen und Antworten hätten etwas klarer heraushörbar sein können, aber gut, man kommt da insg. prima zurecht.

Fazit: Wenn Sie nur ein Buch im Jahr zum Thema Medien lesen, lesen Sie unbedingt dieses. Erleuchtung garantiert.


Profile Image for Rainer König.
188 reviews4 followers
August 4, 2024
Ein Buch, das im Prinzip aus vielen Interviews besteht. Durchaus interessante Themen, Einblicke und doch lässt es mich etwas zwiespältig zurück. Das Buch erschien nach der russischen Besetzung der Krim und dem Maidan, viele Interviews kritisierten die Haltung der Medien, die sehr stark pro Nato und contra Russland war. Seit dem Februar 2022 hat die Geschichte jedoch deutlich gezeigt, dass Putin durchaus als der Bösewicht angesehen werden kann.

Problematisch ist auch, dass einige der Interviewpartner heute als "Verschwörungstheoretiker" betrachtet werden, wobei es natürlich auch erwähnt wird, dass diese Bezeichnung ebenso verwendet wird um kritische Stimmen zum verstummen zu bringen.

Interessant fand ich den Einblick in die Redaktionen der Medien der zeigt, dass die Pressefreiheit hier ihre Grenzen an der politischen Einstellung des Verlegers findet.

Insgesamt ein interessantes Buch, auch wenn es von der Geschichte überholt wurde.
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