Eine Liebeserklärung an die wilde Welt des öffentlichen NahverkehrsMotorpanne am ersten Tag, Bombendrohungen, spontane Partys in ihrem Doppeldecker. Als Busfahrerin in Berlin hat Susanne Schmidt schon alles erlebt. Für sie ist es der schönste Beruf der Welt. Man ist frei, immer unterwegs und Königin der ganzen Stadt."Machen Sie mal zügig die Mitteltüren frei" ist eine Liebeserklärung an alle Heldinnen und Helden des Nahverkehrs. Wo Wahn und Witz dicht beieinanderliegen, sich das soziale Mikroklima an jeder Haltestelle ändert und manchmal sogar ein Fuchs zusteigt. Nach der Lektüre werden Sie Ihre nächste Busfahrerin mit anderen Augen sehen."Die Neugier der Großstadt ist überall zu finden. Die Suche danach beginnt mit dem Warten auf den nächsten Bus."
Ich gebe zu, Donnerstag Nacht suchte ich zum Leidwesen meines Ehemannes die TV Sendung "FrauTV" im WDR.....vor allem die Buchbesprechungen von Christine Westermann sind ein Grund für meine "Abhängigkeit "..... Neulich also stimmte ebendort meine verehrte Christine ein Loblied über "Machen sie mal zügig die Mitteltüren frei" an....was ich als ziemlich ungewöhnlich empfand, da sie sonst nur anspruchsvolle Belletristik empfiehlt....
Also nix wie in die Buchhandlung und das Objekt der Begierde für unsere Dorfbücherei bestellen....
Und was soll ich sagen.....ich bin begeistert!
Erwartet habe ich eine triviale Aneinanderreihung witziger Anekdoten rund um den Berliner öffentlichen Nahverkehr ..... bekommen habe ich ein tiefgründiges Buch über das Leben, die Menschen und die Menschlichkeit.....
Susanne Schmidt schreibt in geschliffener Sprache, unterhaltsam und mit viel Tiefgang ....als Projekt suchte die BVG ältere Damen, die gerne Busfahrerin werden wollen....und fand unter anderem Frau Schmidt....ihre Erlebnisse, Gedanken und Beobachtungen sind reflektiert, objektiv und mit viel Empathie wiedergegeben....
Wem der Respekt vor Busfahrer:innen fehlt, sollte unbedingt dieses Buch lesen. Während bei Büroräume bzgl. Arbeitssicherheit unter anderem auf den Abstand zwischen Wand und Bürostuhl sehr genau geachtet wird, scheint es das Thema Arbeitssicherheit im öffentlichen Nahverkehr, wenn überhaupt nur in einem geringen Maß zu geben. Und das bei der Verantwortung. Ich ziehe meinen Hut vor jedem der in diesem Bereich arbeitet. Und bin zu tiefst erschüttert über die Arbeitsbedingungen. Das Ende des Buches war für mich unerwartet. Danke an die Autorin für diesen ehrlichen Bericht.
Ein unterhaltsam geschriebenes Buch, welches sich sehr gut lesen lässt, insgesamt einfach ein sympathischer Erfahrungsbericht, nur leider inhaltlich sehr "belanglos". Ein zentraler Punkt wird im letzten Kapitel angerissen, etwas was der Geschichte einen besseren Spannungsbogen hätte geben können.
Statt der reinen deskriptiven Beschreibung, wäre es aus meiner Sicht, gerade unter Berücksichtigung des letzten Kapitels, auch möglich gewesen, Gedankenanstöße / Konzeptideen für eine Verbesserung der Situation zu liefern.
So bleibt es halt eine sympathische Beschreibung ohne inhaltlichen Tiefgang.
Ein essentielles Transportmittel sind die Busse des ÖPNV weltweit. Sehr unterschiedlich ausgestaltet und getaktet bereichern sie das öffentliche Leben oder machen es teilweise erst möglich. In Deutschland sticht das äußerst gut ausgebaute Busnetz der BVG in Berlin ins Auge mit seinen leuchtend gelben Bussen. Susanne Schmidt hat ihre Erfahrungen als Busfahrerin in einem Buch nun literarisch ausgefeilt zusammengefasst in „Machen Sie mal zügig die Mitteltüren frei“, erschienen bei hanserblau. „Die ganze Stimmung unserer Stadt sitzt im Bus. Großzügig wird hier Frust mit Lust vermischt, Frechheit mit großer Schnauze zu klugen Sätzen verquirlt, zu viel Egoismus fällt schon mal vom Sitz, Dummheit wird in Berliner Manier auf den Arm genommen.“ (S.200) Kein Buch für einen schnellen Gag und auch nicht ein Schenkelklopfer nach dem andere, erwarten Sie bitte keine Anekdotensammlung, dies ist ein ernstzunehmendes literarisches Buch. Wer Marzahner Fußpflegerinnen mag, wird diese Busfahrerin lieben! (Anspielung auf ‚Fußpflege in Marzahn‘). Susanne Schmidt, eine selbstironisch reflektierte Frau, hat um die letzte Jahrtausendwende die Chance genutzt und ist als erfahrene gestandene Frau Busfahrerin der BVG geworden. Dieses Buch ist eine Reflektion des Erlebten von der Bewerbung bis zur Kündigung. Ich habe sehr viel über den Beruf selbst gelernt, was alles zu wissen, wieviel Verantwortung zu tragen ist und wie einsam es sein kann und vieles mehr! Hier werden nicht platt Fakten abgespult, sondern auch die Zwischentöne gehört und das auch noch literarisch angenehm verpackt! Pro Kapitel wird ein Thema beleuchtet, nie einseitig und facettenreich gut geschrieben! Auf jeden Fall wird man für den Beruf sensibilisiert mit all seinen Belastungen und zum Schmunzeln kommt man auch. Nur Vorsicht, wenn man dieses Buch gelesen hat, kann man zur Nervensäge für alle anderen werden, sichtet man einen ÖPNV-Bus, denn man hat plötzlich viel zu teilen und zu sinnieren. „Sinnvolle Veränderungen warten lange draußen vor der Tür.“ (S 174) Susanne Schmidt setzt sich auch kritisch mit dem System auseinander, aber respektvoll und als Leser merkt man wie sehr ihr die BVG am Herzen liegt.
Fazit: Unbedingt im Bus lesen, bereichern lassen und den/die Busfahrer:innen freundlich grüßen!
Die ersten 40 Jahre meines Lebens bin ich sehr viel BVG gefahren. Schon mit 4 Jahren konnte ich alle Stationen der U6 auswendig, weil ich sie sehr oft mit meiner Mutter gefahren bin. Sie sagte auch immer: "Das kommt mein Freund, der Bus", wenn der Große Gelbe um die Ecke bog. Ich mag die Idee des öffentlichen Nahverkehrs, auch wenn ich schon oft geflucht habe, weil ich den Bus verpasst habe oder lange Strecken stehen musste, weil es so voll war. Und jetzt in der Pandemie sind mir das zu viele Kontakte. Aber gerade deshalb hat mir das Buch sehr viel Freunde bereitet. Ich bin in Gedanken überall dabei gewesen, als Frau Schmidt ihre Ausbildung und die ersten Fahrübungen gemacht, sich über Fahrgäste geärgert oder gefreut, sich verfahren und verzweifelt an der Endstation ein Klo gesucht hat. Dieses Buch ist einerseits eine Liebeserklärung an die Stadt Berlin und den ÖPNV allgemein, aber auch eine mutige Kritik über die frauenfeindliche, unmenschliche, unflexible Haltung der BVG-Verwaltung und einiger der männlichen Kollegen. Ich möchte dieses Buch allen ans Herz legen, die in Berlin leben oder Berlin besuchen. Und weil Susanne Schmidt mit Mitte 50 die Ausbildung zur Busfahrerin gemacht hat, ist dies ein Beitrag zur #Ü45_Protagonistinnen Challenge.
Ich weiß nicht, ob dieses Buch "für" oder "gegen" die Berufswahl als Busfahrer sein soll. Es fängt doch schon bei der Ausbildung an: Die BVG sucht nach Frauen, die diesen Beruf ausüben wollen, aber den Ausbildern scheint das irgendwie zu missfallen und das lassen sie teilweise die Frauen auch spüren. Dann ist die Ausbildung vorbei und es geht erst richtig los. Besch... Dienstzeiten, Stress, keine richtige Einweisung in die Strecken usw. Ich hätte das schon längst aufgegeben. Das einzige was hier für den Beruf spricht sind die Interaktionen mit manchen Fahrgästen. Es wird halt nie langweilig. So wirklich mein Ding war das Buch nicht, ich hatte es irgendwie lustiger erwartet. Ja, es gab wirklich tollen Passagen, aber die meiste Zeit fragt man sich nur: Warum tut "Frau" sich sowas an?
Ich habe die Empfehlung für dieses Buch aus dem WDR Radio von Christine Westermann gehört. Da ich ihre Buchbesprechungen gerne höre und ich sie sehr schätze, habe ich mir das Buch gekauft. Dieses Buch gibt einen Einblick in das Arbeiten einer Berliner Busfahrerin von der Ausbildung bis zum täglichen Arbeitseinsatz. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für eine Frau schwierig in dieser Männerdomäne ist und eine Änderung schwer durchzusetzen ist. Das Buch habe ich in zwei Tagen durchgelesen. Es ist unterhaltsam geschrieben. Ich habe geschmunzelt; allerdings lässt es mich auch ein wenig sprachlos zurück: da werden ältere Frauen als Busfahrerinnen gesucht, aber ohne Rücksicht auf die möglichen erforderlichen Veränderungen. Ich kann dieses Buch nur empfehlen.
durch den stark romantisierenden schreibstil verbunden mit den trockenen humor liest es sich sehr gut. auch die sexismus debatte ist sehr interessant gestaltet
Dieses Buch hat mir in einer sehr Unterhaltsamen Art und Weiße gezeigt das es mit dem Busfahrer Beruf mehr auf sich hat als meist sichtbar ist. Gute Fahrt :)