Spätestens bei diesem Buch fragte ich mich: Wie bin ich als Geisteswissenschaftler in den Kosmos der Ökonomie-Bücher gerutscht? Nicht, weil Mythos Geldknappheit als Ganzes so viel komplexer wäre als anderes, das ich in dieser Richtung gelesen habe, sondern weil es besonders zu Beginn den sehr ernsthaften Anspruch hat, (für mich) relativ komplexe Theorie zu verankern.
Die Theorie ist, wie der Begriff „Modern Monetary Theory“ bereits verrät, das A und O aller Konzepte in diesem Buch – deswegen will ich mich nicht beschweren. Doch hätten es geringere Detailverliebtheit und ein paar undurchschaubere Skizzen weniger für mich ebenfalls getan. Das ist aber kein Problem des Buches; ich bin mit meinem kalten Einstieg ins Thema Wirtschaftspolitik einfach am äußersten Rand der Zielgruppe.
Im zweiten Teil jedoch, wenn die Theorie endlich verinnerlicht ist, bietet das Buch viele spannende realpolitische Ideen, die selbst andere systemkritische Bücher in dieser Form nur selten äußern. Einerseits wegen des (leider immer noch) unkonventionellen MMT-Ansatzes, der sich durch alle Kapitel zieht; andererseits, weil Maurice Höfgen, wie gewohnt, weniger idealistisch ans Thema Wirtschaftspolitik herangeht. So werden zum Beispiel beliebte Luftschlösser wie das Bedingungslose Grundeinkommen mit realpolitisch plausibleren und effektiveren Ideen aus dem Weg geräumt.
Außerdem: Von allen Dingen, die ich mir vor fünf Jahren hätte vorstellen können, hätte ich nie geglaubt, mich eines Tages für das dröge Konzept Schuldenbremse radikalisieren zu können. Spätestens dieses Buch hat es endgültig geschafft.