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Der Kanon-Zyklus #3

Anima ex Machina

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Acht Monate sind vergangen, seit die Wandlerin Ninive aus der Welt jenseits der Bannmauer zurückgekehrt ist und Aris seine Gabe, tote Materie zu beseelen, für sie geopfert hat. Die Kronstadt gerät in Aufruhr, als beunruhigende Gerüchte aus der Pränumerischen Öde die Runde machen, wonach Wildmechanoiden damit begonnen hätten, sich äußerst merkwürdig zu verhalten. So wurde die Paragrafschaft Vapora von einer Invasion Asterscher Dampfkäfer heimgesucht, die sich wie auf ein geheimes Zeichen hin in die Wolken erhoben, um kurz darauf zu Abertausenden leblos wieder herabzuregnen. Handlungsreisende aus dem Distrikt Ampherion erzählen, in Höhlen und Grotten, die sie als nächtliche Ruheplätze aufgesucht hatten, Scharen schutzsuchender Mechas vorgefunden zu haben, und pilgernde Mönche aus dem Kloster Dualon berichten von Schellern und Makula-Tieren, die sich ihre Messerspindeln und Weidewalzen abreißen würden, um Jagd auf Kleinmechanoiden machten, statt friedlich in Auen und an Berghängen zu weiden. Fast scheint es, als würde sich eine Seuche im Land ausbreiten, die seine mechanischen Bewohner zu irrationalem Verhalten verleitet – aggressiv, ungehemmt, unberechenbar. Und über allem schwebt eine Bedrohung, die älter ist als der Kataklysmos, welcher dem Goldenen Zeitalter der Menschen vor Jahrtausenden ein Ende bereitet hatte. Doch von all dem ahnt Ninive nichts, als sie das Hochland verlässt und erstmals seit vielen Jahren wieder vor den Toren der von beseelten Maschinen bewohnten Kronstadt steht …

280 pages, Paperback

First published October 16, 2020

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Michael Marrak

45 books5 followers

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Profile Image for reherrma.
2,168 reviews38 followers
January 19, 2021
Acht Monate sind seit dem Ende der Handlung von Marraks grandiosem Opus Magnum “Der Kanon mechanischer Seelen Der Kanon mechanischer Seelen by Michael Marrak vergangen, bis Michael Marrak während eines mehrmonatigen Aufenthalts in der Stadt Wien (als AiR = Artist in Residence) mit diesem dort geschriebenen Sequel die Handlung fortgeführt hat. Allerdings gibt es die gedruckte Ausgabe nur in einer limitierten Auflage von 333 Exemplaren, kann aber auch als E-Book gelesen werden.
Der Roman kann m.E. auch ohne die Lektüre des „Kanons mechanischer Seelen“ gelesen werden, allerdings macht es aber deutlich mehr Spaß, wenn man das Setting dieses (m.M. nach einer der ungewöhnlichsten deutschsprachigen SF-Roman überhaupt) „Erlebnisses“ kennt. Zum Rekapitulieren, nochmals ein Überblick über die Vorgeschichte:
In ferner Zukunft, nach einem mehrstufigen Kataklysmus, der die Welt vollkommen umgekrempelt hat, gibt es nur noch wenige Menschen auf Erden. Dafür wimmelt es nur so von beseelten Maschinen. Und diese schrulligen Mechas stellen mit ihren Allüren, ihrer Pannenanfälligkeit und ihrer Bereitschaft, sich selbst auch dann noch ernst zu nehmen, wenn sie die bizarrsten Dinge tun, jeden Droiden z.B. aus "Star Wars" in den Schatten.
Individualität bleibt aber nicht allein der Mecha-Fauna vorbehalten. Objekte aller Art können beseelt sein – zum Beispiel ein Fluss. So überlegt man in der Mecha-Stadt, einem besonders verdienten Exemplar ein Gastflussbett(!) zu graben, damit er auf dem Hauptplatz aus einem Springbrunnen hervorsprudeln und die Ehrenbürgerschaft entgegennehmen kann. Sowas oder vergleichbares, sind in diesen „Kanon“-Geschichten an der Tagesordnung.
In „Anima ex Machina“ wurde diese Geschichte weitergeführt und hat auch die zwischendurch erschienene Novelle „Die Reise zum Mittelpunkt der Zeit Die Reise zum Mittelpunkt der Zeit by Michael Marrak kurzerhand integriert, die im vorliegenden Buch nun erweitert wurde und zu einem neuen, eigenständigen Kapitel innerhalb des Romans herangewachsen ist.
Ninive, die Hauptfigur von "Kanon", ist eine Wandlerin; das heißt, sie kann Objekte be- und entseelten. Sie kehrt nun aus dem heimatlichen Hochland in die Stadt zurück, wo ihr alter Gefährte Aris eine weitere Queste plant, auf der Ninives Kräfte von Nutzen sein könnten. Aris sucht nach dem vor langer Zeit verschwundenen Mond – und um dessen Spur zu finden, müssen die beiden zum sagenumwobenen Land Tamuria, der letzten Insel vor der Ewigkeit, aufbrechen. (Dies war der Inhalt der besagten Novelle.)
Danach steht für Ninive und Aris schon die nächste Herausforderung an: Präsident Velocipedior III., Vorsitzender des Dynamo-Rates der Mecha-Stadt, ist auf einem Jagdausflug von Monstern überfallen worden. Ehe unsere Helden zu seiner Rettung aufbrechen können, müssen sie sich allerdings erst einmal die notwendigen Materialien beschaffen, mit denen man sich dieser Ungeheuer erwehren kann.
Und so kommen Ninive und Aris wie Stanislaw Lems Raumfahrer Ijon Tichy von einer absurden Begegnung zur nächsten, werden Zeugen eines Rechtsstreits zwischen einem Lindwurm und einem Basilisken, verfolgen mit Faszination und ein bisschen Ekel mit, wie die Magna-Mater-Maschine Myneura ihre Geburten aufs Förderband legt, oder müssen den Äonenanalysator reparieren, einen Mecha-Koloss, der sie mit seinen Kurzzeitgedächtnislücken zur Verzweiflung treibt.
Die Kapitel werden jeweils mit Vignetten „ Von der Maschine, die alle Probleme löst und unsere Sprache spricht “ eingeleitet, das Cover und die Innen-Illus wurden von Michael Marrak selbst gestaltet, eine schöne und überzeugende Erweiterung des Kanon-Universums ist hier entstanden, das in Punkto Sprachbarock dem „Kanon mechanischer Seelen“ in nichts nachsteht.
Die Kapitel wechseln sich mit unterschiedlichen Handlungsschauplätzen und Personal ab, so dass sich der Eindruck aufdrängt, dass es sich eher um eine Novellen-Sammlung als einen durchgehenden Roman handelt. Es gibt Querverbindungen, die zu finden Spaß machen, wer aber die dazu herangezogenen Marrak-Geschichten nicht kennt, dem tut das Lesevergnügen auch keinen Abbruch.
Unserem ehemaligen SFFS-Stammtisch-Mitglied Michael Marrak ist hier auch wieder ein atemberaubender Mahlstrom aus Wortschöpfungen gelungen, von denen viele nur ein einziges Mal und dann nie wiederauftauchen, die das Ganze aber auch zu einem musikalisch anmutenden Text machen, den zu lesen einfach Spaß bereitet. Insbesondere atmet das Buch auf jeder Seite einen surrealen Humor, verarbeitet und verschwurbelt in herrlichen Dialogen.
Aus der letzten Seite ist zu entnehmen, dass dies noch nicht das Ende des „Kanon-Universums“ sein könnte, ich bin gespannt darauf und erwarte sehnsüchtig auf weitere Abenteuer mit den „Kanon“-Charakteren…
Profile Image for Callibso.
992 reviews20 followers
January 30, 2021
Vor ein paar Jahren hat Michael Marrak für seinen »Kanon mechanischer Seelen« sowohl den Kurd Laßwitz Preis als auch den Seraph bekommen und lag beim Deutschen Science Fiction Preis auf dem dritten Platz. Es war ein Roman voller origineller Ideen und Wortschöpfungen mit einer Fülle von schrägen und meist liebenswerten Figuren in einer Welt, die manchmal wie ein Märchen wirkte. Er hat diesen siebenhundert Seiten starken Wälzer dann durch die kurze Novelle »Die Reise zum Mittelpunkt der Zeit« ergänzt, die mir gut gefiel, bei der ich aber auch einige liebgewonnene Figuren vermisste.

Nun gibt es einen neuen Kanon-Roman, der eine überarbeitete und ergänzte Version der oben genannten Novelle als ersten Teil enthält. Überarbeitungen und Ergänzungen haben eine gewisse Tradition bei Marrak, denn schon der große Kanon-Roman entstand aus einzelnen Erzählungen, die zuerst im NOVA Science-Fiction-Magazin erschienen waren. Der neue Roman enthält die geänderte Novelle am Anfang und zu meiner großen Freude wurden sowohl »der Ofen« wie auch »Clogger« (eine Standuhr!) eingebaut, beides, wie in der Kanon Welt üblich, beseelte Gegenstände, die sprechen und sich bewegen können, ihre Eigenarten haben und ein liebenswertes Chaos verbreiten. Auch der »Cutter« (der Tod) mit seiner Sense taucht wieder auf.

Die Handlung eines Kanon Romans zu erzählen ist nicht einfach. Grundsätzlich spielt er in einer fernen Zukunft, in der es nur noch wenige Menschen, dafür umso mehr beseelte Maschinen gibt. Dabei können nicht nur Maschinen beseelt sein, sondern Objekte aller Art, wie z.B. Türen oder auch ein Fluss. Die beseelten Objekte entwickeln dann ein Eigenleben, eigene Vorstellungen und Marotten, was immer wieder zu wunderbaren Dialogen führt, z.B. mit einem Stadtportal, das einen Reisenden nicht einlassen will in eine Stadt, in der man übrigens für den beseelten Fluss Flodd »ein temporäres Premium-Gastflussbett« graben lassen und ihm die Ehrenbürgerschaft verleihen will.

Ninive, die Hauptfigur aus dem Kanon wird »Äonenkind« genannt und ist eine »Wandlerin«, d.h. sie hat die Gabe Dinge zu be– und entseelen. Im ersten Teil des Buch bricht sie auf, den Mittelpunkt der Zeit zu finden und sucht mit ihrem Begleiter Aris auch den lange verschwundenen Mond der Erde. Im zweiten Teil müssen sie Präsident Velocipedior III. retten, den Vorsitzenden des Dynamo-Rates der Mecha-Stadt. Der dritte Teil beginnt in Ninives Haus und die beiden Beinahe-Menschen Leon und Zenobia bekommen von einem Atlanten einen Spezialauftrag: sie sollen ein Seelengefäß bergen. Dieser Teil verweist auf andere Bücher des Marrak Universums, insbesondere auf »Lord Gamma« und ist nicht wirklich mit den anderen Teilen verbunden, so dass der Roman etwas zerfällt.

Die eigentliche Handlung tritt oft in der Hintergrund, es geht um skurrile Geschehnisse, schrullige Maschinen – Mechas genannt –  und die Beschreibung einer seltsamen Welt in neuen Worten. Dies erinnert durchaus an Geschichten von Stanislaw Lem. Marrak entfacht ein Feuerwerk an Ideen und es ist einfach eine Lust, sich auf seine Sprache einzulassen. Da ist z.B. »Die Maschine, die alle Probleme löst und unsere Sprache spricht«, eine Idee, die Marrak übernommen hat, wie er im Vorwort erläutert. Als Beispiel schlage ich die Seite 10 auf und finde z.B. das »Eiserne Manifest der Postroster«, die »Binärdrachen von Hex« und die »Impakt-Orakler von Paradelphi«. Oder auf S. 141: da gibt es eine schlechte Nachricht, die von der »Hiobs-Nuntia« verbreitet wird und daraufhin versammeln sich alle wichtigen Mechas der Stadt, darunter »der Äthermäzen, der oberste Palastmechanikus, die Berkenflugparkleiterin, die Schwerstrom-Entitätsministerin,  der führende Sonnendenker und der Brennkammerprospektor«.

Michael Marrak hat inzwischen (z.B. im „Memoranda Podcast) verraten, dass es einen weiteren großen Kanon-Roman geben wird. Das kann zwar noch etwas dauern, aber ich bin sicher, dass sich das Warten lohnen wird.
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