Die Renaissance ist eine bemerkenswerte Zeit, in der sich auch Frauen die Chance bot, die öffentliche Bühne zu betreten - als Herrscherinnen, Denkerinnen und Mäzeninnen, als Künst lerinnen, Dichterinnen und Komponistinnen. Frauen begegnen Männern auf Augenhöhe, und gerade in der Malerei findet dies einen einzigartigen Ausdruck: Nicht nur richten Frauen den künstlerischen Blick auf sich selbst, auch die großen Maler begin nen, Frauen um ihrer selbst willen zu porträtieren.
Thomas Blisniewski führt uns durch eine kunst- und kulturgeschichtlich herausragende Epoche im 15. und 16. Jahrhundert, in der - zumindest für kurze Zeit - die Frauen in das Licht des Geschehens rücken.
Das Buch ist qualitativ ansprechend und beinhaltet sehr hochwertige Abbildungen der besprochenen Gemälde. Inhaltlich hätte ich mir an vielen Stellen mehr Ausführung gewünscht, da es zu jeder Frau/Darstellung nur etwa 1-2 Seiten gab. Die Aufteilung in verschiedene „Rollen“ der Frau fand ich sehr gut, auch wenn gerade das Kapitel zur idealisierten Frau vor allem den Blick der Männer zentriert und insgesamt im Buch auch die Ausführungen zu den männlichen Künstlern/Ehemännern/Auftraggebern meiner Meinung nach teilweise die Frauen überschatten, weil zu ihren Errungenschaften selbst kaum etwas erklärt wird. Damit geht der Zweck des Buches für mich ab und an unter. Außerdem hätte ich mir ein Schlusswort bzw. eine Zusammenfassung gewünscht, in der noch einmal nach der Betrachtung der Gemälde und Lebensläufe der Frauen ein Fazit gezogen wird.
Empfehlen würde ich das Buch trotzdem, wenn einen das Thema interessiert, weil es nicht allzu viel Vorwissen voraussetzt in Bezug auf Kunstgeschichte oder biblische Erzählungen. Hier wird meistens kurz und knapp erklärt, um was es geht. Ich habe jedenfalls gut anknüpfen, etwas dazulernen und auch meinen Blick auf die Renaissance schärfen können. Außerdem sind die Kunstwerke wirklich schön und ich werde sicher noch häufiger durch das Buch blättern.