Anfang 2020 hält die Fachwelt den Atem an – aus Wuhan in China werden schwere Lungenentzündungen gemeldet. Die Virologen sind nervös, was, wenn es wieder ein Virus wie SARS ist? In den nächsten Wochen bewahrheitet sich diese Befürchtung: Eine neue Seuche zieht um die Welt… Vor dem Hintergrund des neuartigen Coronavirus erzählt dieses Buch davon, wie Pandemien entstehen und wieso sogenannte Zoonosen immer öfter auftauchen: Neue Krankheiten, die von Tieren auf Menschen überspringen und extrem gefährlich werden können. Denn auch, wenn wir gerne denken, dass Covid-19 einzigartig ist: Wir leben in einer Welt der Viren. Seuchen sind keine Naturkatastrophen wie Erdbeben. Sie fallen nicht vom Himmel. Stattdessen genügt ein einziger erfolgreicher Übersprung irgendwo auf der Welt, um eine neue Pandemie auszulösen.
Philipp Kohlhöfer, der für das Forschungsnetz Zoonotische Infektionskrankheiten arbeitet, legt hier ein beunruhigendes, gleichzeitig aber auch hoffnungsvolles Buch vor. Er begleitet führende Wissenschaftler wie Christian Drosten bei der Suche nach dem Ursprung von Pandemien, beobachtet sie bei ihrer Arbeit an Viren, wie MERS und Ebola, und dem Versuch, die nächste Seuche zu entdecken, bevor sie ausbricht. Die Reise führt ihn durch die deutschen Lande, aber auch nach Westafrika und Asien. In Labore, Museen und den Regenwald. Dabei erzählt das Buch von der größten Waffe, die die Menschheit im Kampf gegen neuartige Erreger hat: der Wissenschaft.
Inhalt Die Cholera, die Spanische Grippe von 1918, Ebola, die Vogelgrippe H5N1, das Hantavirus - alle sind verheerende Seuchen, aus denen Experten für die Gegenwart lernen konnten und gelernt haben sollten. David Quammen zeigte in „Spillover“, dass die weltweit kopflos wirkende Reaktion auf Covid-19 unnötig gewesen wäre, wenn Erfahrungen aus dem SARS-Ausbruch Anfang unseres Jahrtausends nicht in Vergessenheit geraten wären. Dass ein einziger Flugpassagier eine Seuche auf einen anderen Kontinent bringen kann, dass etwas, das ich nicht sehen kann (und von dem viele glaubten, es existiere nur in Asien) mich und meine Familie töten kann, sollte 2020 nicht mehr neu gewesen sein. Ebenso wenig, dass die Bekämpfung einer Pandemie internationale Kooperation und Aufrichtigkeit innerhalb der Staatengemeinschaft erfordert.
Wie Wissenschaftler ticken, wie sie international zusammenarbeiten und ihre Schlussfolgerungen veränderten Erkenntnissen ständig anpassen, das beschreibt Kohlhöfer in kurzen Abschnitten und mit schnellen Wechseln zwischen Personen, Ländern und Epochen. Aus seinem Text sprang mir förmlich entgegen, wie bitter es sich rächt, wenn man den gesunden Menschenverstand früherer Generationen und ferner Kulturen ignoriert. Die Wirksamkeit von Quarantäne-Maßnahmen zeigte sich bereits während der Spanischen Grippe bei der See-Quarantäne für Australien. Die Region des Ebola-Ausbruchs 1976 in Zentral-Afrika demonstrierte, wie mit einfachen Mitteln durch Isolieren von Kranken eine Ausbreitung der Seuche verhindert werden kann. Hätte das kleine afrikanische Krankenhaus an einer Schnellstraße gelegen, in das die ersten Ebola-Patienten gebracht wurden, wäre der Ausbruch verheerender gewesen. Ebola lehrte ebenfalls, dass Verkehrswege und gerodete Wälder Seuchen die Verbreitung erleichtern und dass zerstörte Lebensräume von Wildtieren sich damit an uns Menschen rächen können, dass diese Tiere näher an unsere Siedlungen und an andere Tierarten gelangen – so dass ein Übersprung der Krankheiten von Tier zu Tier und Tier zu Mensch wahrscheinlicher wird.
Erfahren kann man in „Pandemien“, was ein Virus kennzeichnet und welche Rolle Fledertiere als Überträger spielen. Vermutlich wissen wir längst nicht alles über Fledertiere, ihre Parasiten und was diese Parasiten übertragen. Hoch interessant war für mich die Person des Dr. Weerawarna, dessen Familie aus Sri Lanka stammt, der in Deutschland lebt und rumänische Ärzte im Seuchen-Management fortbildet. Weerawarna wirkt auf mich wie ein Prototyp eines Wissenschaftlers, dessen gesunder Menschenverstand sich aus verschiedenen Kulturen gründete und der international vernetzt ist.
Philipp Kohlhöfer schreibt u. a. als Wissenschaftsjournalist und kann seinen Lesern leicht lesbar vermitteln, was Wissenschaftler antreibt und was Wissenschaft ausmacht. Er kann verständlich und manchmal hochironisch erklären, warum die Dinge sind wie sie sind. Die kurzen Abschnitte im Reportage-Stil, oft mit Focus auf beteiligte Personen, sind mir persönlich zwar zu kurz, sie fördern jedoch für eilige Leser die Lesbarkeit des Buches. Kohlhöfers populäres Sachbuch, auf dem Stand von März 2021, brilliert mit 54 Seiten Literatur und Quellenverzeichnis.
Fazit Da ich über Pandemien als einziges Buch das zeitlose „Spillover“ gelesen habe und Kohlhöfer es als erstes Buch zum Thema las, gibt es zwar Überschneidungen zwischen beiden Büchern. Die entscheidenden Punkte wirken jedoch eindringlicher, indem sie von unterschiedlichen Stimmen und aus dem Abstand von 2 Jahrzehnten formuliert werden. Es ist ein Buch des „hätte“ – was wir vor 2020 hätten wissen können und was wir während der Pandemie hätten lernen können. Es erinnert an die Wertschätzung, die Ärzte, Forscher und Pflegepersonal verdienen – und es verschweigt nicht, dass das Corona-Desaster untrennbar verbunden ist mit männlicher Überheblichkeit, mit der lange verharmlost wurde, anstatt zu handeln. Denken wir stets an den einen Flugpassagier, der ein tödliches Virus auf einen anderen Kontinent trägt …
Etwas weniger Polemik hätte dem Buch gut getan. Der Überblick über Infektionskrankheiten ist interessant dargestellt und sehr anschaulich beschrieben, zumal die Personen um ihre Entdeckung und Bekämpfung in den Mittelpunkt gerückt werden. Das Thema Zoonosen ist mE etwas oberflächlich dargestellt. Hier wäre über über den Zeitgeist der Kritik an Naturzerstörung und Massentierhaltung mehr Platz für wissenschaftliche Differenzierung gewesen.
Wenn mir 2019 jemand gesagt hätte, dass ich mich in ein paar Jahren so sehr für Viren und Krankheiten interessieren würde und ein Buch nach dem andern darüber verschlinge, dann hätte ich mich mindestens sehr gewundert. Ich interessiere mich schon länger sehr für Geschichte und erst durch die Pandemie ist mir klar geworden wie sehr Infektionskrankheiten Teil davon sind und es auch weiterhin bleiben werden.
Philipp Kohlhöfer hat einen Weg gefunden spannend, kurzweilig und unterhaltsam über die großen Pandemien der Menschheit zu sprechen. Es geht nicht nur um Covid-19 und SARS1, sondern auch um Ebola, die Vogelgrippe, AIDS und die Pocken. Und noch einige mehr. Man muss allerdings aufmerksam zuhören (bzw. lesen), denn es wird oft in den Jahrzehnten gesprungen.
Ich habe mal wieder einiges gelernt. Insbesondere wie unglaublich faszinierend und komplex Viren sind. Und wie wenig man als Laie darüber eigentlich weiß.
Dieses Buch sollte jeder Impfgegner lesen (ich weiß, sie werden es nicht tun). Aber auch alle, die noch zweifeln, soll die Impfung gemacht werden oder lasse ich es lieber. Der Autor hat einen ein wenig eigenartigen Erzählstil. Aber das Thema ist sehr spannend beschrieben mit vielen interessanten Details und Fakten. Die wichtigsten Punkte, die man auch als nicht wissenschaftler verstehen soll, sind sehr gut und prägnant auf den Punkt gebracht. Tatsachen werden nicht irgendwie schön und politisch korrekt drumherum beschrieben, sondern direkt genannt wie sie sind, wie sie wissenschaftlich erforscht wurden und was sie für unser Leben bedeuten. Ein Satz hat mir besonders gefallen: "Objektiv bedeutet nicht, beide Seiten wiederzugeben, wenn eine Seite schon lange wiederlegten Unsinn erzählt". Mein Interesse an Viren ist entfacht. Ich gehe mal weitere Bücher zu diesem Thema lesen.
Kein richtiges Sachbuch, aber auch kein richtiger Roman. Philipp Kohlhammer hat es geschafft, das ich Viren nun für eines der interessantesten Dinge auf dieser Welr halte. Ich habe so viel gelernt. Über Viren, Tests und Impfstoffe. Über verschiedene Pandemien und durftel Parallelen erfahren. Gut strukturiert und niemals langweilig.
Extrem spannend, mit einer großen Bandbreite an Viren und Informationen.
Wobei der Schreibstil gewöhnungsbedürftig ist. (Nicht abwertend gemeint, nur etwas eigen.) Ich würde daher empfehlen zuerst eine Leseprobe zu lesen um zu sehen ob es einem selbst gefällt.
Wenn man nicht an hitzigem Frieselfieber sterben möchte - wieso es dann eine phantastische Idee ist, sich dem Arten- und Umweltschutz zu verschreiben. Hilft definitiv gegen Wissenschaftsmüdigkeit.