Kein anderes Thema hat die europäische Politik in den letzten Jahren so beeinflusst wie die Debatte um Geflüchtete, Asyl und Migration. Dabei wird die Diskussion dominiert von Schlagworten, falschen Tatsachenbehauptungen und Scheinlösungen. Gerald Knaus erklärt in seinem Buch, worum es tatsächlich geht, und zeigt, dass humane Grenzen möglich sind. Der Migrationsexperte, dessen Analysen Regierungen in ganz Europa beeinflusst haben, erklärt, welche Grundsatzprobleme wir dafür lösen müssten und warum seine Ideen mehrheitsfähig und umsetzbar sind.
Pflichtlektüre für alle, die glauben eine fundierte Meinung zum Thema Flüchtlinge, Migration und Asyl zu haben. Nach dem man dieses Buch gelesen hat, kann man sich dann wirklich faktenbasiert zum Thema äußern und dabei sicherlich so einige auf Mythen und Märchen beruhenden Argumente entkräften. Der Autor zeigt anhand erfolgreicher Beispiele aus der Vergangenheit, dass eine pragmatische Flüchtlingspolitik möglich ist, in der Menschlichkeit keinen Kontrollverlust bedeutet.
Must read für alle! Ja eigentlich echt für alle! Dieses Buch bringt die Argumente, die man heutzutage in Grundsatzdiskussionen über Flucht und Migration braucht. Fakten, Zahlen, Analysen. Hier steht alles schwarz auf weiß und trotzdem oder gerade deshalb ist die Menschlichkeit und Solidarität im Mittelpunkt des Buches. Denn ohne diese kann es keine gerechte Welt und Gesellschaft geben.
Die Ausführungen zur Flüchtlingskrise im Südchinesischen Meer im vergangenen Jahrhundert lasen sich für mich etwas zäh, umso interessanter waren dann Knaus‘ Ausführungen zum EU-Türkei-Deal, den Dynamiken der Seenotrettung und Missverständnissen über die Wirkung von Grenzschutz.
Knaus argumentiert aus einem ethischen Verantwortungsgefühl heraus und bleibt dennoch pragmatisch. Seine Vorschläge zu Migrationsabkommen mit Fluchtländern wirken so einleuchtend, dass man sich vier Jahre nach Erscheinen des Buches über die außenpolitische Bilanz der Ampel etwas wundern muss - gerade weil Knaus als Architekt jenes Türkei-Deals trotz aller Schwächen schon einmal etwas Fundamentales vorgelegt hatte.
Nur wie Integration letztendlich gelingt und man der Entstehung von Parallelgesellschaften, Ängsten und Ressentiments in der Bevölkerung und Kriminalität vorbeugt, bleibt in seiner Betrachtung leider außen vor.
Fakten- und zahlenbasierte Schreibweise, viele anschauliche Beispiele aus der Vergangenheit und persönliche Geschichten - all das vereint dieses Buch. Allerdings habe ich mir oft gewünscht, dass man ein bisschen schneller auf den Punkt kommt- sprich ein paar Details mehr auslässt, um dafür den Lösungen und wirklich wichtigen Erkenntnissen mehr Raum zu geben
Ansonsten eine große Empfehlung für alle, die dieses Thema beschäftigt oder die sich auch einfach informieren wollen
Hat mich inhaltlich bei dem Thema extrem vorangebracht, Solidarität und Empathie stehen im Mittelpunkt- und zwar mit richtig guten sachlichen Argumenten, Fakten und Zahlen gestützt!
Ein sehr gutes und interessantes Buch des Sozialwissenschaftlers und Migrationsforschers Gerald Knaus, der unter anderem maßgeblich am EU-Türkei-Abkommen im Jahr 2016 beteiligt war. In seinem Buch gibt er einen umfassenden Überblick über die aktuelleren Aspekte von Migration und Flucht, sowie andere Beispiele aus der Geschichte (etwa aus der Zeit des dritten Reichs).
Knaus betont mehrmals, dass seine Argumentationskette auf Basis des EU-Rechts aufgebaut ist. Da die EU der Genfer Flüchtlingskonvention zugestimmt hat und die Menschrechteskonvention 1950 unter anderem auch von Deutschland unterzeichnet wurde, sieht er diese Vereinbarungen als die Grundlage aller Diskussionen über die Flüchtlingsfrage. Politische Aussagen diverser Staatsoberhäupter die dem widersprechen bzw. bewusst falsche Zahlen für das Vorantreiben ihrer politischen Position nutzen, nimmt er dementsprechend (zurecht) in die Zange.
Knaus vertritt stark die Drittstaatenlösung und setzt vor allem auf Verhandlungen zwischen der EU und anderen Ländern. Er führt unter anderem das Problem an, dass Menschen, die ein Recht auf Asyl hätten, die EU nie erreichen, weil sie auf der gefährlichen Fluchtroute umkommen. Andere wiederum machen sich auf den Weg, obwohl sie eigentlich keine Aussicht auf einen Asylstatus haben, bleiben jedoch in der EU, weil die Abschiebung lange dauert oder nicht gelingt. Deshalb fordert er, dass Asylverfahren außerhalb der EU stattfinden sollten, sodass sich Menschen gar nicht erst auf den Weg machen. Zusätzlich sollen Flüchtende nicht in die EU kommen, sondern stattdessen mit deren Unterstützung in sichere Drittstaaten überführt werden.
Die grundsätzliche Debatte die Knaus anführt, ist die Frage wie die EU mit Menschenleben umgehen möchte. Er beschreibt verschiedene Konzepte und Beispiele, wie mit Flüchtenden in verschiedenen Ländern verfahren wird. Ich stimme ihm zu, dass es eine Sache ist, Zahlen und Statistiken in meinem sicheren Zuhause zu lesen oder Menschen ins Auge zu blicken, die alles verloren und hinter sich gelassen haben. Es ist gut, für sich selbst immer wieder zu durchdenken, auf welche Grundsätze sich Europa auch in Zukunft berufen möchte und sollte.
Seine Ausführungen sind pragmatisch, aber doch idealistisch. Die Lösungen würden vor allem eine geeinte EU in der Flüchtlings- und Asylpolitik voraussetzen, was in den Jahren nach Erscheinen dieses Buches bisher wenig geglückt ist. Auch Knaus' Forderung, dass Deutschland als Vorreiter vorangehen sollte, scheint gerade im jetzigen politischen Klima schwierig, auch wenn klar gesagt werden muss, dass die jetztige Flüchtlingspolitik nach wie vor ineffektiv und teuer ist. Zudem muss auch betont werden, dass dieses Buch sich nur mit Grenzpolitik und Außendiplomatie auseinandersetzt. Die vielschichtigen Probleme und (langfristigen) Kosten von Migration und Flucht schneidet es nicht an. Auch Angela Merkels Politk in der Flüchtlingskrise, die ein großes Streitthema ist, verteidigt er überzeugt - was Sinn macht, er war ja schließlich einer ihrer Berater in dieser Zeit.
Alles in allem würde ich dieses Buch jedem ans Herz legen - egal wie man zur Flüchlingspolitik steht. Es war in jedem Fall bereichernd, egal ob man Knaus in allem zustimmt. Ich selbst sehe viel Kluges und Richtiges in seinen Ausführungen, behalte mir aber eine gewisse Skepsis vor bezüglich der Umsetzung seiner Vorstellungen und der vielen anderen Aspekte die innerhalb der Migrationspolitik mitwirken. Ich würde mir wünschen, dass manches so einfach lösbar wäre wie Knaus es manchmal präsentiert, aber bisher sehe ich dafür wenig Anzeichen.
Wen es interessiert, hier ein Beitrag von Knaus aus der Tagesschau, die seine Position finde ich ganz gut verdeutlicht.