Der Nahe und Mittlere Osten ist seit Jahrzehnten ein Brennpunkt der Weltpolitik. Irak, Iran, Saudi-Arabien, Syrien, Libyen, Afghanistan: Die Länder sind ebenso unterschiedlich wie ihre jeweiligen Problemlagen, aber eines, sagt Ulrich Tilgner, haben die dortigen Krisen gemeinsam: Sie strahlen in den Westen ab. Migration und Terror heissen die Stichworte. Mehr noch: Der Westen trägt durch seine verfehlte Politik eine grosse Mitschuld an der Entstehung und Verbreitung von Terrororganisationen wie dem «Islamischen Staat» oder den permanenten (Bürger-)Kriegen in der Region. Am schlimmsten jedoch ist, so die These von Ulrich Tilgner, dass das Scheitern der westlichen Politik im Orient nichts anderes bezeichnet als einen Wendepunkt der globalen Entwicklung. Der Rückzug der USA aus der Region bedeutet einen weiteren Abschied von ihrer Rolle als weltweiter Ordnungsmacht – und dass auf Europa neue Probleme und Aufgaben zukommen. Es dürfte wenige Journalisten geben, die ein Gebiet der Welt und seine Veränderungen so fundiert analysieren können wie Ulrich Tilgner, der seit vierzig Jahren die gesamte Region kennt. Sein schonungsloser Bericht ist zugleich eine augenöffnende Analyse eines der gefährlichsten Brandherde der Weltpolitik.
Das Buch hilft, die täglichen Meldungen aus dem Orient besser zu verstehen.
Ulrich Tilgner ist ein kluger Mensch, der sich getraut, seine Sicht der Weltlage in klaren Sätzen zu verbreiten. Das Buch "Krieg im Orient: Das Scheitern des Westens" funktioniert vor allem als Übersicht zu den schlimmen Kriegen und Entwicklungen, die der Orient seit dem Ende des 20. Jahrhunderts erleben musste. Auf den 200 Seiten ist eine tiefreichende Behandlung der Konflikte natürlich nicht möglich, trotzdem ist das Sachbuch als Informationsquelle sehr gut geeignet.
Besonders, da die Einflüsse und Massnahmen des Westens klar dargelegt werden, hebt sich die Schrift von den gängigen Quellen ab. Tilgner nennt die Übeltäter beim Namen und schönt nichts. Solche Berichterstattung sollte es vermehrt geben.
Ulrich Tilgner nennt es beim Namen. Der Westen, allen voran die USA und die post-imperialistischen Mächte Grossbritannien und Frankreich, schuf in den vergangenen siebzig Jahren im Orient durch kurzsichtige Politik, viel Eigeninteresse und polarisierenden Interventionen so einige Monster, welche nun interkontinental für Destabilisierung und weitere Konflikte sorgen. Von den saudischen Terrorzellen Bin Ladens bis zum IS oder der Boko Haram: Bis heute hallen die Verfehlungen westlicher Politik in der MENA-Region nach.
Grundsätzlich nichts Neues, jedoch lesen sich die rohen Analysen eines erfahrenen Sonderkorrespondenten des ZDFs deutlich lebendiger und authentischer als jene der europäischen Politakademie.
Fundiertes geschichtliche und politisches Wissen und jahrelange persönliche Erfahrungen des Autoren machen das Buch durchaus Interessant. Die Kürze lässt es aber oft nur oberflächlich bleiben und vieles ist bereits mehr als bekannt. Neuste Entwicklungen im Nahen Osten machen einige Prognosen des Autoren bereits wieder überflüssig.
Keine Zweifel, dass der Autor ein kompetenter Journalist ist - die Analyse 'Das Scheitern des Westens im Orient' scheint mir mit diesem Buch nicht gelungen.
Ich vermute, dies liegt unter anderem daran, dass definitorisch gar nicht festgemacht wird, was den die Ziele 'des Westens' im Orient gewesen wären oder hätten sein sollen (Sicherung der Erdölressourcen für die eigene Bevölkerung, Demokratisierung, gerechte (globale und nationale...) Verteilung des Wohlstandes, Gleichberechtigung der Geschlechter und religiösen Präferenzen etc. pp.).
Ausserdem wird etwas gar vieles anekdotisch behauptet - eine Moschee in Belgien oder eine Waffenlieferung in Afghanistan als Ursprung allen Übels; ja mei, wenn dies nicht geschehen wäre, wären die Terroristen oder lokalen Unterdrücker halt anderswo radikalisiert und ausgerüstet worden, dies scheint doch eher austauschbar.
So lässt einen das Buch etwas ratlos zurück mit vielen Einzelanekdoten aus kriegerischen Situationen im Orient, aber ohne ein schlüssiges Bild für die Ursachen oder eine bessere Zukunft zu gewinnen.